Klimawandel 2026 …

Die meisten Blogs, die ich geschrieben habe, handeln vom Klimawandel. Als Rheinländer misst man die Veränderung durch die Veränderung des Flusses, insbesondere, wenn man ganz in der Nähe von ihm wohnt. 2003 war dabei ein ganz besonderes Jahr für mich. Es war ein sehr heißer, trockener Sommer, und nie hatte ich den stolzen Rhein als ein solches kleines Rinsal erlebt. 2003 war für mich das Signal, das mir sagte, dass der Klimawandel einfach viel schneller ablaufen würde, als man das in den 90ern noch prognostizierte. Es war einfach ein Gefühl, aber auch eine systematische, auf Erfahrung basierte Ahnung.

Ingenieure versuchen im Gegensatz zu Physikern, weniger die tiefen kausalen und komplexen Zusammenhänge zu klären, sondern auf Basis von bekannten Zusammenhängen aus Natur-, aber auch Informationswissenschaften Phänomene in ganz bestimmten “Arbeitsbereichen” abzubilden, zu mappen, um sie in diesem Arbeitsbereich hoffentlich für die “eigenen” Zwecke beeinflussen zu können.

Man entwickelt dabei ein feines Gespür, ob ein Messwert in eine Modellvorstellung passt oder nicht. Der europäische Sommer 2003 passte nicht in die Vorhersagen in Bezug auf den Klimawandel, wie er in den 90ern und teilweise schon in den 60–70ern prognostiziert wurde.

Viele Forschende waren überrascht, wie früh und wie extrem ein Ereignis wie 2003 auftrat. Die Temperaturen lagen in großen Teilen Europas mehrere Grad über dem langjährigen Mittel, und das Ereignis galt damals als außergewöhnlich selten. Der IPCC stellte später fest, dass die Hitzewelle bereits Ähnlichkeiten mit den Sommern aufwies, die Klimamodelle ursprünglich eher für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts simulierten. Aber natürlich, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Ausreißer reicht nun wirklich nicht aus, um sein Modell, seine Vorstellung über das Leben und die Existenz zu ändern.

Im Gegensatz zu den allermeisten Menschen hatte ich mit CO₂-Gaslasern gearbeitet, die in der Lage sind, Metalle wie Butter zu zerschneiden, und ich wusste, dass CO₂-Moleküle hochgradig optisch aktive Moleküle im Infrarotbereich (Wärmestrahlung) sind. Als Brite hätte ich gesagt: “I am concerned…” und so begann ich, mich mit der Eisentwicklung am Nordpol zu beschäftigen. Und das war dann der zweite Schock, der mich bezüglich der Klimaveränderung ereilte.

Auch für einen informierten Laien war mir bei Betrachtung der Daten schnell klar, dass sich da etwas ganz Dramatisches, geradezu Unfassbares abspielte. Nicht nur der Umfang der vereisten Fläche am Nordpol hatte in den letzten 30 Jahren rapide abgenommen, es war überwiegend die Dicke des Eises, die Masse des mehrjährigen Eises, die dramatisch abgenommen hatte.

Das war 2003 mein persönliches Erwachen für die Bedeutung und Konsequenzen des Klimawandels durch den Menschen. Und ich war sicherlich nicht der einzige, denn gerade Leute aus technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen spürten, dass hier etwas außerhalb der Standardabwicklung ablief.

Wer das allerdings schon viel früher und viel intensiver verstanden und begriffen hatte, war James Hansen.

Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren zeigte die globale Mitteltemperatur einen deutlichen Aufwärtstrend, den der NASA-Klimaforscher James Hansen früher und klarer erkannte als viele seiner Kollegen. Bei seiner viel beachteten Anhörung vor dem US-Senat im Jahr 1988 erklärte er, dass die beobachtete Erwärmung statistisch kaum noch als natürliche Schwankung erklärt werden könne und der Treibhauseffekt bereits messbar sei. Während viele Wissenschaftler und der frühe IPCC noch vorsichtiger formulierten, sah Hansen den menschlichen Einfluss auf das Klima bereits mit hoher Sicherheit bestätigt. Die folgenden Jahrzehnte gaben ihm weitgehend recht: Die globale Durchschnittstemperatur stieg und steigt weiter an und erreichte immer neue Rekordwerte.

Rückblickend erscheint Hansen deshalb weniger als Alarmist, sondern eher als jemand, der die verfügbaren Daten früher und konsequenter interpretierte als die Mehrheit.

Dann kamen 2018 und 2019 und der Begriff Dürre wurde auch in Deutschland bekannt. Heute, Ende Juli 2026, sehe ich den Rhein wieder in dieser Schmalspurversion, nur damals hatte er den jetzigen Zustand Ende August nach den Hundstagen, also Ende August, erreicht. Jetzt kommen erst die Hundstage und kein Regen ist in Sicht.

Mir fällt es dabei sichtbar schwer, darüber zu sprechen, ich mag gar nicht hinsehen, was ich da sehe. So muss ich dem Kanzler dann auch klar widersprechen. Er sagte mal, die Welt geht nicht morgen unter, und das ist auch richtig.

Aber das Missverständnis des Kanzlers und vieler anderer ist: Das Untergehen der Welt bedeutet nicht, dass diese (unser Planet) und wir nicht mehr da sind, sondern dass wir die Welt kaum noch wiedererkennen werden und dass sie immer schwerer bewohnbar bleibt.

… und auch James Hansen, der jung gebliebene Pionier der Klimaforschung, meldet sich noch immer. Wir sollten seine Erkenntnisse ernst nehmen:

https://mailchi.mp/caa/beware-media-hype-its-not-the-el-nino?e=737fb9744c

… und hier noch von einem Datenpunkt, der leider hoch hinaus will und der Trumpschen Zensur scheinbar entkommen ist:

https://climatereanalyzer.org/clim/sst_daily/?dm_id=world2

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