Am 30.05.2026 drehten ca. 2.000 Menschen koordiniert am Rad. Das Aktionswerk Campact hatte zum Protest gegen Ministerin Reiches Gaspolitik in Hamm aufgerufen, weil u.a. dort zukünftig ein neues Gaskraftwerk entstehen soll.
Ungefähr 5.000 Menschen kamen zur Demonstration und auch wieder unglaublich viel Polizei, die bei diesen frühsommerlichen Temperaturen sicherlich einiges zu schwitzen hatte.
Der Clou der Aktion war aber, ein von Menschen gebildetes Windrad in Aktion umzusetzen. Dazu bekamen die Demomenschen, die wie immer mit ausgefeilten Plakaten ausgestattet waren,
einen Zettel mit der Rolle, die sie übernehmen sollten: Sei Teil eines Rotorblattes oder des Turms eines Windkraftrads. Wie das funktionieren sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch unklar, aber schauen wir mal, dachte ich.
Das Prinzip war dann hochfunktional, weil simpel und trotzdem durchdacht. Lokale Platzweiser brachten uns am Ende der Demo in Position. Zuvor hatte man sich einen Partner gesucht, mit dem man eine Mini-Polonaise bildete. Diese Mini-Polonaiseeinheiten sollten tangential zur Drehrichtung des virtuellen Rades stehen, während jede Polonaise vertikal links und rechts mit einer weiteren Polonaisegruppe verkettet ist.
Bis sich das alles aufgebaut hatte, verging etwas Zeit, aber es ging viel schneller als erwartet, denn es gab noch eine Masterleiterin mit großem Mikrofon, die von einer Tribüne Anweisungen gab.
Und dann ging ein Ruck durch die Reihen und das virtuelle Rad fing an, sich zu drehen (Video vom Instagram-Account von Campact):
Windkraftdemo Hamm 30.05.2026. Aufnahme Instagram-Account von Campact
Es ist erstaunlich, wie schnell die Synchronisation funktioniert. Man selbst ist verkettet mit seinem Polonaisepartner und seinen Nachbarnpolonaisen, während man sieht, wie das Nachbarrotorblatt sich ebenfalls bewegt. So bleibt alles im Takt.
Während ich mir als Ingenieur noch Gedanken machte, wie wir durch das Fundament des Turms des Windkraftrads kämen, vielleicht durch einen makroskopischen Tunneleffekt, stellte ich beruhigt bei Annäherung an den Turm fest, dass jemand nachgedacht hatte und die Turmmenschen Lücken bereitstellten, durch die wir bequem hindurchwanderten.
Nach vier Runden konnten wir auch die alte physikalische Weisheit Arbeit = Kraft * Weg bestätigen und ich bin froh, dass diese Arbeit zur Energieerzeugung in professionelle Hände aus Beton, Stahl, glasfaserverstärktem Kunststoff, Kupfer und Neodym gelegt wird.
Rotation ist ein Urprinzip. Die Erde braucht bekanntlich ein Jahr, um die Sonne zu umkreisen. Unser Sonnensystem ist mithilfe von Rotationsenergie entstanden. Es braucht 750 Millionen Jahre (ein galaktisches Jahr), um das Zentrum der Milchstraße (Sagitarius A) zu umkreisen. Warum also nicht unsere Energieversorgung auf diesem Prinzip weiter aufbauen?
Heutige Windkrafträder sind keine, wie Präsident Trump gerne sagt: Windmühlen,sondern Hochtechnologie-Kraftwerke, die mit Präzision und Intelligenz Wind in sauberen Strom umwandeln – ein Meisterwerk aus Aerodynamik, Materialwissenschaft und Leistungselektronik.
Die Rotorblätter, geformt wie Flugzeugflügel aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, nutzen den Auftrieb des Windes, um den Rotor in Bewegung zu setzen, während sie sich automatisch dem Wind anpassen, um Überlastung zu vermeiden. Die Nabe verbindet die Blätter mit der Welle, die die Rotation an den Generator weiterleitet – ein hochmoderner Synchronmotor oder eine doppelt gespeiste Asynchronmaschine, die selbst bei variablen Windgeschwindigkeiten stabilen Wechselstrom erzeugt.
In der Gondel, dem „Gehirn“ der Anlage, arbeiten Leistungselektronik, Sensoren und Steuerungssysteme zusammen, um die Energieeffizienz zu maximieren und die Anlage in Echtzeit an Wetterbedingungen anzupassen. Leistungselektronik wie Umrichter und Wechselrichter wandeln den erzeugten Strom in netzkompatiblen Wechselstrom um und stabilisieren sogar das Stromnetz durch Blindleistung oder Frequenzregelung.
Der Turm, oft über 100 Meter hoch, trägt nicht nur das Gewicht der Gondel, sondern ermöglicht auch die Nutzung stärkerer und gleichmäßigerer Winde in großer Höhe.
Sensoren überwachen ständig Windgeschwindigkeit, Vibrationen oder Eisansatz und steuern die Anlage vollautomatisch – von der Ausrichtung der Gondel (Yaw-System) bis zur Blattverstellung (Pitch-System).
Moderne Anlagen erreichen so einen Wirkungsgrad von 40–50%, was sie zu einer der effizientesten Technologien der Energiewende macht. Ohne Getriebe arbeiten getriebelose Systeme mit langsamlaufenden Generatoren, die direkt mit der Welle verbunden sind und Wartungskosten reduzieren.
Die Netzanbindung erfolgt über Transformatoren, die den Strom auf hohe Spannungen bringen, um ihn verlustarm über weite Strecken zu transportieren. Intelligente Steuerungen nutzen Wetterdaten für präzise Einspeiseprognosen und passen die Leistung dynamisch an die Netzanforderungen an.
Selbst Umweltaspekte wie Lärmreduzierung oder Vogelschutz werden durch spezielle Blattformen oder Radarsysteme berücksichtigt. Eine einzige 4-MW-Anlage versorgt etwa 3.000 Haushalte mit Strom und spart dabei 10.000 Tonnen CO₂ pro Jahr ein.
Im Vergleich zu einer historischen Windmühle, die mechanische Arbeit verrichtet, ist eine moderne Windkraftanlage ein digital gesteuertes Kraftwerk, das nicht nur Energie liefert, sondern auch das Stromnetz aktiv stabilisiert. Sie vereint Aerodynamik, Materialinnovation, Elektronik und KI-gestützte Steuerung – eine Symbiose aus Physik und Ingenieurskunst, die mit der Komplexität von Flugzeugen oder Raumfahrttechnik mithalten kann.
Kurz: Windkraftanlagen sind keine Mühlen, sondern die Formel 1 der erneuerbaren Energien.
…unfortunately, for achieving the warmest year since the global instrumental temperature measurement exists.
James Hansen: Climate Pioneer and the Case for Higher Climate Sensitivity
James Hansen, former director of NASA’s Goddard Institute for Space Studies (1981–2013), was among the first to alert the world to human-caused global warming, famously testifying to the U.S. Congress in 1988. His groundbreaking work on climate modeling, Earth’s energy balance, and paleoclimate data has shaped our understanding of how greenhouse gases drive temperature rise.
Hansen argues that climate sensitivity—the long-term global temperature response to doubled CO₂—is likely 4–5°C, not the IPCC’s mainstream estimate of ~3°C. He supports this with paleoclimate evidence (e.g., 6–7°C cooling during the Last Glacial Maximum), satellite albedo data, and Earth’s energy imbalance. His recent research (2023–2026) warns that reduced aerosol cooling and accelerating ocean warming, potentially amplified by a “Super El Niño” in 2026/27, reveal the urgency of addressing these underestimations.
Der beigefügte Bericht wurde von Gemini ModeltypThinking-Modus im Deep Research Modus mit folgendem Prompt erstellt:
Bitte analysiere, wie es dazu gekommen ist, dass das Unternehmen Google bzw. der Alphabet Konzern von seiner ursprünglich sehr kritischen Haltung zum Einsatz von KI im militärischen Bereich so weit abgerückt ist und mit dem Pentagon jetzt ein Abkommen unterschrieben hat, das dem Pentagon erlaubt, Gemini auch für Geheimmaterial zu nutzen und auch im Einsatz so erlaubt, dass die einzige Einschränkung ist: Es soll im rechtlichen Rahmen bleiben. Das ist eine sehr vage Definition. Es gibt auch Widerstand von den Mitarbeitern, aber trotzdem ist es dazu gekommen. Analysiere: Was war die ursprüngliche Vision Googles im Bereich KI bezüglich militärischem Nutzen? Wie ist es zu diesem Kipppunkt gekommen?
Ich schreibe diesen Blog am 08.04.2026. Ich bin erleichtert, dass irgendetwas in Präsident Trumps “Mind” ihn aufgehalten hat, seine martialischen Drohungen in die Realität umzusetzen. Die USA und Europa sind zutiefst geschwächt und entfremdet. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass dies ein Wendepunkt zum Besseren wird. Ich persönlich hoffe, dass die Ungarn am 12. April ein Zeichen für die Demokratie setzen und Viktor Orbán abwählen und ein Zeichen setzen. Auch haben die Israelis im Oktober eine Chance, ein Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu setzen, sodass Benjamin Netanjahu ein ordentlicher Prozess gemacht werden kann.
Und zuletzt könnten die US-Amerikaner ein Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den Midterms zeigen. Ob es zu solchen Kehrtwendungen kommt, ist schwer vorauszusagen, aber ich halte es für möglich.
Leider ist aber ein großes Problem mit Donald Trump in den vielen Diskussionen um ihn und seine Taten seit seiner zweiten Amtszeit 2025 zu kurz gekommen. Er schadet dem Kampf gegen den Klimawandel enorm. Europa und insbesondere Deutschland haben sich auch aufgrund seines Einflusses der fossilen Industrie wieder genähert. Doch die Zwei vor dem Komma an der Zapfsäule wird vorerst bleiben und die Vorteile regenerativer Energie werden auch so manch Kritiker umstimmen.
Persönlich glaube ich, dass bedauerlicherweise nur sehr harte Wetterextreme und wirtschaftliche Not wie durch den Irankrieg so viel Druck bei der Menschheit aufbauen, um die Energiewende durch Elektrifizierung auf ein Niveau zu heben, das den Klimawandel entscheidend verlangsamen kann. Derzeit sieht es leider gar nicht danach aus. Der renommierte Klimaforscher James Hansen sieht in den Messdaten auch eine rapide Beschleunigung des Klimawandels. Ein sehr schwacher La Niña (atmosphärische Abkühlphase nach El Niño) könnte ihm rechtgeben, aber das ist noch nicht ausgemacht.
Auch nicht ausgemacht ist, ob sich der Jahrhundert-Hitzesommer 2018 schon acht Jahre später wiederholt. Aber das wahrscheinliche Eintreten von El Niño in diesem Jahr und das schon jetzt zu beobachtende starke Meandrieren des Jetstreams (sogenannte Rossby-Wellen) geben starke Anzeichen, dass sich 2018 jetzt wiederholen könnte. Es ist allerdings noch zu früh, eine solche Aussage mit Gewissheit zu tätigen. Wetter ist und bleibt chaotisch, doch Muster und Mittelwerte lassen sich auch in chaotischen Systemen ableiten.
Der Jetstream fungiert als eine Art gigantische „Wetter-Autobahn“ in der oberen Atmosphäre, die normalerweise kühle Meeresluft und Regen in einem stetigen Band von West nach Ost über Deutschland und Zentraleuropa schiebt. Auf der aktuellen Aufnahme sehen wir jedoch eine dramatische Spaltung dieses Windbandes, einen sogenannten „Double Jet“, bei dem sich der Hauptstrom teilt und Mitteleuropa in eine Art „toten Winkel“ gerät. Während diese Formation jetzt im April noch keine extremen Auswirkungen zeigt, da die Sonne noch nicht ihre volle Kraft entfaltet und die Atmosphäre noch kühler ist, birgt genau diese Wellenformation ab Mai ein erhebliches Risiko.
Ab Mai kann sich die aktuelle Konstellation nämlich zu einer regelrechten Hitzefalle entwickeln: Der Jetstream bildet dann über uns einen massiven Hochdruckrücken, der wie ein unsichtbarer Deckel fungiert und heiße Luftmassen direkt aus der Sahara nach Norden saugt und dort gefangen hält. Gleichzeitig werden kühlende Regenschauer vom Atlantik durch den gespaltenen Strom weiträumig nach Norden oder Süden umgeleitet, sodass die Natur keine Atempause bekommt und die Böden rapide austrocknen. Sollte diese Blockadelage über den Mai hinaus bestehen bleiben, droht eine extreme Hitzeentwicklung, die starke Parallelen zum Rekordsommer 2018 aufweist, in dem der Jetstream ebenfalls seinen „Lüfter“ ausschaltete und Mitteleuropa monatelang unter einer stabilen Hitzeglocke verharren ließ.
Ob es so kommt, bleibt also abzuwarten, aber wer das Ganze vertiefen möchte, kann es hier in einer kleinen Studie, erzeugt mit dem Gemini-Thinking-Modus-Model, nachlesen:
Energie ist immer dann ein Thema, wenn wir merken, dass wir sie uns gar nicht leisten können. Ich habe diesen Aspekt, seltsam wie ich bin, immer zunächst aus der Perspektive der Umwelt gesehen. Für mich ist es nach wie vor unanständig, die Entropie auf der Erde so zu steigern, durch Verbrauch der fossilen Energien, dass dabei das Klima deutlich zu unserem Ungunsten sich entwickelt (siehe auch hier: https://chrisfaustulus.com/2026/02/07/scotty-energie/).
Dieselpreise, die derzeit bei 2,25 Euro in Deutschland liegen können (Stand 21.03.2026), verursachen natürlich enormen wirtschaftlichen Schaden für jedermann und -frau und das sofort an der Zapfsäule und etwas später in Preiserhöhungen bei allen Produkten und Dienstleistungen.
Trotzdem möchte ich zunächst über die aktuelle Klimaveränderungssituation sprechen, auch wenn das bei dieser Inflation von Krisen etwas untergeht, aber auch das ist nur eine subjektive Wahrnehmung. Der Klimawandel hat sich leider als treuer Krisenbegleiter etabliert:
Hitzewelle im Westen der USA: Klimawandel schlägt zu
Mitte März 2026 klettert das Thermometer im Westen der USA auf über 35 °C – in Kalifornien und Arizona werden Rekorde für die Jahreszeit gebrochen. Ursache ist eine „Hitzeglocke“, die heiße Luft festhält. Doch der eigentliche Treiber ist der Klimawandel: Er macht Extremwetter häufiger, intensiver und früher. Während der Westen glüht, friert der Osten – ein Zeichen für die gestörte Wetterdynamik durch die Erderwärmung.
Die Folgen: Gesundheitsrisiken, Dürregefahr und überlastete Stromnetze. Diese Hitzewelle ist kein Ausrutscher, sondern die neue Normalität.
James Hansens Warnung: „Klima in der Pipeline“ – Warum die schwache Abkühlung 2025 seine Thesen bestätigt
Der renommierte Klimawissenschaftler James Hansen warnt seit Jahren vor einem „Klima in der Pipeline“ – gemeint ist die verzögerte, aber unausweichliche Wirkung bereits ausgestoßener Treibhausgase. Sein Kernargument: Selbst wenn wir heute alle Emissionen stoppen, wird sich die Erde weiter erwärmen, weil Ozeane und Eisschilde nur langsam auf die bisherige Erwärmung reagieren.
Die geringe Abkühlung 2025 während der La Niña-Phase – normalerweise senkt La Niña die globale Temperatur um 0,1–0,2 °C, doch 2025 blieb dieser Effekt fast aus – ist für Hansen ein Beleg dafür, dass das Klimasystem bereits so stark aufgeheizt ist, dass natürliche Kühlmechanismen kaum noch wirken. Sein Fazit:
Die grundlegende Erwärmung durch CO₂ und andere Treibhausgase überlagert zunehmend natürliche Schwankungen wie ENSO (El Niño/La Niña).
Die „im System gespeicherte“ Wärme – vor allem in den Ozeanen – wird in den kommenden Jahrzehnten freigesetzt und treibt die Temperaturen noch stärker nach oben, selbst ohne weitere Emissionen.
Aktuelle Daten zeigen: Die Erwärmungsrate beschleunigt sich, weil Rückkopplungseffekte (z. B. schmelzendes Eis, freigesetzte Methanvorkommen) die Erderhitzung zusätzlich antreiben.
Hansens Schlussfolgerung: Wir unterschätzen das Tempo des Klimawandels. Die schwache La Niña-Abkühlung 2025 beweist, dass die Erde schneller aufheizt als viele Modelle vorhersagen – und wir bereits heute Maßnahmen ergreifen müssen, um die schlimmsten Folgen abzuwenden. Seine dringende Botschaft: „Die Pipeline ist voll – wenn wir nicht jetzt handeln, wird uns die Hitze überrollen.“
Nun, das alles erschüttert einen erst mal nicht so, wie hohe Spritpreise. Eine potenzielle Gefahr in der Zukunft materialisiert sich eben erst dann, wenn sie einen selbst und unmittelbar trifft. Unsere lebenswichtige Fähigkeit zur Verdrängung ermöglicht es uns, mittelbare Gefahren weit außerhalb des Universums zu verlagern. Sonst könnten wir kaum mit dem Fakt des Todes umgehen.
Daher die gute Nachricht: Batterien sind im Kommen, sogar auf Basis von Natrium, auch wenn das noch etwas Zukunft ist. Lithiumbasierte Lösungen sind aber alles andere als Zukunft. Eine aktuelle Analyse von Gemini 3 attestiert Deutschland einen dynamischen Batterienmarkt auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Zukunft.
Systembilanz 2025: Warum unser Stromnetz nicht kollabiert ist (und sogar grüner wurde)
Wer die Energiewende nur aus Schlagzeilen kennt, könnte meinen, das deutsche Stromnetz sei ein fragiles Gebilde, das bei jeder Wolke am Himmel zittert. Als (Software-/Elektro-)Ingenieur schaut man lieber auf die nackten Betriebswerte. Und die Bilanz für 2025 zeigt: Das „System Deutschland“ ist effizienter und regenerativer als je zuvor.
Werfen wir einen Blick in das Maschinenraum-Protokoll des letzten Jahres.
Die Erzeugungsmatrix: Wer liefert die Grundlast?
Im Jahr 2025 haben wir insgesamt 440 Terawattstunden (TWh) netto ins öffentliche Netz eingespeist. Wenn wir das als Gesamtsystem betrachten, sehen wir eine massive Verschiebung der Prioritäten. Die „Erneuerbaren“ sind nicht mehr nur ein nettes Add-on, sie sind das Betriebssystem.
Komponente
Output (TWh)
Anteil am Mix
Engineering-Status
Wind (On- & Offshore)
131,9
30,0 %
Der Heavy-Lifter im System.
Fotovoltaik
70,6
16,0 %
Massive Peak-Leistung im Sommer.
Biomasse & Wasser
53,8
12,2 %
Die „regelbare“ grüne Reserve.
Braunkohle
67,2
15,3 %
Nur noch im Einsatz, wenn die Residuallast drückt.
Erdgas
56,5
12,8 %
Die schnelle Eingreiftruppe für Lastspitzen.
Das „Import-Paradoxon“: Kaufen wir nur Atomstrom?
Ein oft gehörtes Argument lautet: „Wir schalten ab und kaufen den Atomstrom von den Nachbarn.“ Schauen wir uns die Lastfluss-Analyse an.
Deutschland war 2025 Netto-Importeur (ca. 22 TWh Saldo). Aber wir importieren nicht, weil wir „zu wenig“ Strom haben, sondern weil der europäische Strommarkt nach dem Merit-Order-Prinzip funktioniert. Wenn in Dänemark der Wind weht oder in Norwegen die Stauseen voll sind, ist dieser Strom billiger als unsere eigenen Kohlekraftwerke. Wir importieren also aus wirtschaftlicher Logik, nicht aus technischer Not.
Die reale Kernenergie-Quote
Wenn wir die gesamte Last (den Verbrauch inklusive Importe) berechnen, ergibt sich für die Kernenergie ein Anteil von gerade einmal ~1,2 %.
Technischer Vergleich: Das ist so, als würde man ein Hochleistungssystem mit 100 Modulen betreiben und eines davon wäre noch ein altes Legacy-Bauteil aus dem Ausland. Systemrelevant? Kaum. Messbar? Ja.
Netzstabilität und Residuallast: Die wahre Herausforderung
Die eigentliche Ingenieursleistung 2025 war nicht die Erzeugung an sich, sondern das Einspeisemanagement. Wir haben einen Anteil von fast 60 % fluktuierender Energie im Netz stabil gehalten. Das erreichen wir durch:
Intelligente Laststeuerung: Industrie und Heimspeicher fangen Spitzen ab.
Europäischer Verbund: Wir nutzen das Netz der Nachbarn als Puffer (Interkonnektoren).
Gaskraftwerke als Backup: Dank ihrer schnellen Hochlaufkurven sind sie die idealen Partner für Wind und Solar.
Zwischen Fazit
Die Bilanz 2025 zeigt: Die Dekarbonisierung des Stromsektors ist kein Experiment mehr, sondern ein stabiler Dauerbetrieb. Kohle wird durch Grenzkosten und CO₂-Zertifikate aus dem Markt gedrängt, während Wind und Solar die Grenzkosten gegen Null drücken.
Wir haben 2025 bewiesen, dass ein Industrieland mit minimalem Nuklear-Anteil (1,2 % via Import) und sinkender Kohleverstromung sicher funktionieren kann. Das System läuft stabil – und es läuft sauberer.
Detaillierung der Strommix-Bilanz 2025.
Es ist wichtig, zwischen der reinen Inlandsproduktion und dem Verbrauchsmix (Last) zu unterscheiden. Wenn wir die Netto-Importe einbeziehen – also den Strom, der tatsächlich durch die deutschen Haushalte und das Gewerbe fließt –, knacken wir bei den Erneuerbaren wahrlich die 60-Prozent-Marke.
Der deutsche Stromverbrauchsmix 2025 (Lastbilanz inkl. Importe)
Diese Tabelle zeigt die Zusammensetzung des öffentlichen Stromverbrauchs. Sie berücksichtigt sowohl die inländische Einspeisung ins öffentliche Netz als auch den Saldo aus Importen und Exporten.
Energiequelle
Anteil (relativ in %)
Status im System
Erneuerbare Energien (Gesamt)
61,7 %
Dominanter Systempfeiler
– davon Windkraft
30,8 %
Volatile Grundlast
– davon Fotovoltaik
16,4 %
Peak-Abdeckung
– davon Biomasse / Wasser / Sonstige
12,1 %
Regelbare grüne Energie
– davon RE-Anteil aus Importen
2,4 %
Grüne Zukäufe (DK/NO/AT)
Braunkohle
15,3 %
Träge Residuallast
Erdgas
13,0 %
Hochflexible Lastfolge
Steinkohle
6,1 %
Rückläufige Reserve
Kernenergie (nur Import)
1,2 %
Physischer Grenzfluss
Sonstige (Müll/Öl/fossile Importe)
2,7 %
System-Rauschen / Industrie
Warum die 60-Prozent-Hürde so bedeutend ist
Aus technischer Sicht ist dieser Wert ein Meilenstein. Dass wir heute bei über 60 % Erneuerbaren im öffentlichen Mix liegen, pulverisiert die alten Prognosen aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Damals hieß es in konservativen und industrienahen Papieren oft, das Netz würde bei mehr als 4 % fluktuierender Einspeisung instabil werden, da die „Massenträgheit“ der großen rotierenden Generatoren fehle.
Hintergrund:
Netzdynamik: Wir haben die fehlende mechanische Trägheit durch ultraschnelle Leistungselektronik (Wechselrichter) und intelligentes Engpassmanagement (Redispatch) ersetzt.
Import-Qualität: Die Tatsache, dass der Erneuerbare-Anteil durch Importe sogar stabil bleibt oder steigt, liegt an der hohen Qualität der Importe (viel Wind aus Dänemark und Wasserkraft aus Norwegen).
Nuklear-Anteil: Der Kernenergie-Anteil mit 1,2 % im Gesamtmix ist marginal. Er resultiert primär aus den physikalischen Lastflüssen im europäischen Verbundsystem und spielt für die Gesamtstabilität des deutschen Netzes keine steuernde Rolle mehr.
Der Zappelstrom „debunked“
Um die heutige Stabilität des Netzes bei über 60 % erneuerbarem Anteil zu würdigen, muss man einen Blick zurückwerfen. Am 26. Juni 1993 schaltete eine Gruppe großer deutscher Stromversorger (darunter RWE und PreussenElektra) eine mittlerweile legendär gewordene Anzeige in großen Tageszeitungen wie der Süddeutschen Zeitung.
Darin hieß es wörtlich:
„Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken.“
Die Argumentation war damals sowohl politisch als auch schein-technisch untermauert: Konservative Kreise und Industrievertreter warnten massiv davor, dass ein höherer Anteil an „Zappelstrom“ die Netzfrequenz von 50Hz unkontrollierbar machen würde. Man behauptete, die fehlende Trägheit der riesigen Turbinenmassen in Kohle- und Kernkraftwerken würde bei Wolkenzug oder Windstille unweigerlich zum Netzzusammenbruch führen.
Heute wissen wir: Das war kein physikalisches Naturgesetz, sondern ein Mangel an (gewollter) technischer Innovation. Die Ingenieursleistung der letzten Jahrzehnte hat bewiesen, dass intelligente Wechselrichter und digitales Lastmanagement die Netzfrequenz präziser steuern können als die alten mechanischen Systeme.
Die Kosten der Freiheit: Warum die Stromrechnung trotzdem steigt
Wenn Wind und Sonne „keine Rechnung schicken“, warum ist der Strom in Deutschland dann so teuer? Als Ingenieure müssen wir uns die Kostenstruktur genau ansehen. Wir erleben gerade einen Systemwechsel: weg von hohen Brennstoffkosten (Kohle/Gas), hin zu hohen Systemkosten (Netz).
1. Das Netzentgelt-Dilemma
Der größte Preistreiber sind aktuell die Netzentgelte. Während die Erzeugungskosten für Fotovoltaik und Windkraft (LCOE – Levelized Cost of Electricity) massiv gesunken sind, steigen die Kosten für den Transport:
Netzausbau: Um den Strom von den Windparks im Norden zu den Industriezentren im Süden zu bringen (Stichwort: SuedLink), müssen Milliarden investiert werden.
Redispatch: Da das Netz oft an seine Grenzen stößt, müssen Kraftwerke kurzfristig hoch- oder heruntergefahren werden, um Engpässe auszugleichen. Das kostete 2025 erneut Milliardenbeträge, die auf den Strompreis umgelegt werden.
2. Transformation als Investition (Capex vs. Opex)
Man muss es nüchtern betrachten: Wir bauen gerade das gesamte „Betriebssystem“ der deutschen Industrie um.
Früher (Opex-lastig): Wir hatten niedrige Baukosten für Kraftwerke, aber hohe laufende Kosten für Brennstoffe und CO₂-Zertifikate.
Heute (Capex-lastig): Wir haben hohe Investitionskosten für Infrastruktur, Speicher und digitale Steuerung, aber dafür Brennstoffkosten von nahezu null.
Zwischenfazit: Eine Transformation kostet Geld. Aber während Investitionen in Kohle und Gas „verbranntes“ Geld sind, das in Abhängigkeiten fließt, sind Investitionen in das Netz und Speicher Investitionen in Innovation.
Innovation durch Schmerz: Der deutsche Exportartikel von morgen
Ja, die Strompreise für Endkunden und Mittelstand sind 2025 eine Herausforderung. Doch genau dieser Druck erzeugt eine Innovationswelle, die langfristig den Standort sichert:
Smart Grids: Deutschland entwickelt gerade die weltweit fortschrittlichsten Steuerungsalgorithmen für dezentrale Netze.
Speicher-Technologien: Vom Heimspeicher bis zu industriellen Wasserstoff-Lösungen entstehen hier Patente, die wir morgen weltweit exportieren.
Effizienz: Hohe Preise zwingen die Industrie zu maximaler Energieeffizienz – ein Wettbewerbsvorteil, wenn Energie weltweit knapper wird.
Erinnern wir uns an die RWE-Anzeige von 1993? Ich erinnere mich wohl daran, auch weil ich die Uni in diesem Jahr verließ und mir klar war, dass der Praxisschock nun nicht mehr zu vermeiden war. Wie beschrieben wurden mehr als 4 % Zappelstrom technisch als unmöglich angesehen. Heute wissen wir: Die Ingenieure haben das Problem gelöst. Dasselbe erleben wir heute bei den Kosten. Wer behauptet, wir könnten durch eine Rückkehr zu alten Strukturen (wie dem Neubau von Kernkraftwerken, die laut aktueller LCOE-Analysen die teuerste aller Energieformen sind) Geld sparen, ignoriert die ökonomische Realität.
Unerwartete Entwicklungen im Bereich Zappelstrom: Die Rolle der deutschen Justiz
Doch es hat sich auch in einem von mir sehr unerwarteten Bereich einiges pro Zappelstrom entwickelt – und das ist die deutsche Justiz. Besonders hervorzuheben ist das legendäre Klimaschutzurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021. Dieses Urteil hat deutlich gemacht, wie weitreichend die rechtlichen Rahmenbedingungen mittlerweile auf den Schutz des Klimas und die Transformation des Energiesystems ausgerichtet sind. Die Entscheidung des höchsten deutschen Gerichts hat nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Akteure gezwungen, konsequent auf erneuerbare Energien und innovative Lösungen zu setzen, sondern auch einen wichtigen Impuls für die gesellschaftliche Akzeptanz und Umsetzung geliefert.
Und dabei ist es nicht geblieben. Letzte Woche erging das Urteil der Klimaklage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen die Bundesregierung. Worum ging es in dieser Klage? Die DUH fordert, dass die Bundesregierung ausreichende Maßnahmen gesetzlich implementiert, um die Klimaemissionen Deutschlands bis 2030 um 65 % gegenüber den Emissionen von 1990 zu reduzieren.
Barbara Metz und Jürgen Resch, die beiden Bundesgeschäftsführer der DUH, wurden von zwei Anwälten und einem Experten am Urteilstag begleitet. Die Bundesregierung besetzte mit ihren Vertretern den halben Sitzungssaal, was den Gerichtspräsidenten zu dem Kommentar veranlasste: „Hier sitzt ja das halbe Kanzleramt.“ Die Bundesregierung antwortete auf die Klage der DUH, indem sie die Klageberechtigung eines Umweltverbandes in Klimaangelegenheiten infrage stellte.
Kurz nach halb drei betraten die fünf Richter den Saal und verkündeten das Urteil:
Die DUH ist klageberechtigt und die Bundesregierung muss ein Klimaschutzprogramm umsetzen, mit dem das Minderungsziel von 2030 eingehalten wird. Mit diesem Urteil hat die DUH einen rechtlichen Titel, dieses Urteil auch gegenüber der Merz-Regierung vollstrecken zu können.
Meine persönliche Meinung ist, dass unsere geliebte Autoindustrie selbst das Umweltbewusstsein in der deutschen Justiz gestärkt hat. Seit Bekanntwerden des Diesel-Skandals wurde diese mit Klagen von betrogenen Autobesitzern des VW-Konzerns überschüttet und es dämmerte der Justiz, dass das deutsche und europäische Umweltrecht in manchen Konzernetagen nicht so richtig angekommen war. Newton hätte wohl gesagt: „Actio gleich Reactio“.
Warum 60 % erst der Anfang sind: James Hansen und der „faustsche Pakt“
Trotz des Meilensteins von 60 % Erneuerbaren im deutschen Netz mahnen führende Wissenschaftler, dass uns die Zeit davonläuft – und zwar schneller, als es die offiziellen Berichte des Weltklimarats (IPCC) vermuten lassen. Hier schwelt ein fachlicher Konflikt: Während der IPCC in seinen Modellen von einer linearen Erwärmung ausgeht, warnt das Team um den renommierten Klimaforscher James Hansen vor einer massiven Beschleunigung.
Hansen argumentiert, dass wir uns in einem „Faustschen Pakt“ mit der fossilen Industrie befinden. Das bedeutet präziser beschrieben: Die Verbrennung von Kohle und Öl hat nicht nur CO₂ freigesetzt (das den Planeten wärmt), sondern auch Schwefel-Aerosole. Diese Partikel wirken in der Atmosphäre wie ein kühlender Sonnenschirm, der einen Teil der Erwärmung maskiert hat.
Indem wir nun – richtigerweise – die Kohlekraftwerke abschalten und die Schifffahrt entschwefeln, lösen wir diesen Pakt auf. Der kühlende Schirm verschwindet schneller, als das CO₂ abgebaut werden kann. Die Folge? Die „verborgene“ Wärme bricht sich Bahn. Für uns bedeutet das: Die 60 % sind ein Etappensieg, aber keine Ziellinie. Wir müssen das System noch schneller dekarbonisieren, um die Rechnung für diesen jahrzehntelangen Pakt zu begleichen.
Und wenn ich das so sagen darf: Wie bei meinem literarischen Namensvetter zeigt sich auch beim Klima, dass man den Preis für den schnellen Fortschritt der Vergangenheit nicht ewig aufschieben kann. Die Physik fordert jedoch ihre Schulden ein – und wir alle, Erzieher im Kindergarten und Schulen, Handwerker, Seelsorger, Künstler, Ingenieure, Architekten, Mediziner, Politiker, Ökonomen und alle, die ich vergessen habe, müssen die Lösungen liefern, bevor die Zeit abläuft.
(Dieser Blog wurde mit Hilfe von Mistral.ai erzeugt)
Wir starren alle auf denselben Bildschirm. Wir sehen alle dasselbe Video aus Minneapolis: Ein Auto, Schnee, ein ICE-Beamter, Schüsse. Und doch sehen wir zwei völlig unterschiedliche Filme.
Für die eine Hälfte Amerikas ist das Video ein Snuff-Film, der Beweis für einen staatlich sanktionierten Mord an einer Mutter. Für die andere Hälfte ist es ein Lehrvideo über „Law & Order“, der Beweis für die notwendige Neutralisierung einer Bedrohung.
Wie ist das möglich? Wie können Millionen Menschen dieselben Photonen auf ihrer Netzhaut empfangen und im Gehirn zu zwei gegensätzlichen Realitäten verarbeiten?
Die Antwort liegt nicht nur in der Politik. Sie liegt in der Psychologie. Genauer gesagt: in der kognitiven Dissonanz.
Der Schmerz der Wahrheit
Die These ist simpel, aber erschreckend: Wir ertragen die Realität nicht mehr, wenn sie unser Identitätsgerüst bedroht.
Stellen Sie sich vor, Sie gehören zum „Roten Amerika“. Ihr Weltbild basiert auf Säulen wie: Die Polizei ist gut. Der Staat schützt uns vor dem Chaos. Wer nichts Falsches tut, hat nichts zu befürchten. Dann sehen Sie Renee Good. Eine unbewaffnete Frau, erschossen von „den Guten“. In diesem Moment schreit Ihr Gehirn auf. Es entsteht kognitive Dissonanz. Wenn dieser Schuss ungerechtfertigt war, dann ist Ihr Weltbild falsch. Dann sind die „Guten“ vielleicht böse. Das ist psychologischer Stress, der fast körperlich wehtut.
Um diesen Schmerz zu lindern, haben Sie nur zwei Möglichkeiten:
Akkommodation: Sie ändern Ihr Weltbild („Vielleicht hat die Polizei ein Gewaltproblem“). Das ist schwer, schmerzhaft und isoliert Sie von Ihrer Gruppe.
Assimilation: Sie biegen die Realität so hin, dass sie wieder in Ihr Weltbild passt.
Hier kommt Renee Good ins Spiel. Damit das Weltbild „Law & Order“ überlebt, muss Renee Good schuldig sein. Sie darf keine unschuldige Mutter sein. Also sucht das Gehirn verzweifelt nach einem Ausweg. Und hier liefern die Echokammern die Erlösung.
Die mediale Manifestation des Glaubens
Früher mussten wir diesen inneren Konflikt selbst lösen. Heute übernehmen das die Algorithmen für uns. Das ist der Moment, in dem die Spaltung vollzogen wird.
Wenn der konservative Familienvater in Kansas das Video sieht und den Schmerz der Dissonanz spürt, schaltet er Fox News ein oder öffnet X (ehemals Twitter). Dort wird ihm sofort das Schmerzmittel gereicht:
„Sie hat das Auto als Waffe benutzt.“
„Sie war eine linke Agitatorin.“
„Schau dir ihre Vorstrafen an.“
Ah. Erleichterung. Das Weltbild wackelt nicht mehr. Sie war böse, ergo war der Schuss gerechtfertigt. Die kognitive Dissonanz ist aufgelöst, die Realität wurde erfolgreich umgedeutet.
Auf der „Blauen Seite“ passiert dasselbe, nur spiegelverkehrt. Das Weltbild hier: Das System ist rassistisch/faschistisch und will uns unterdrücken. Jedes Detail, das vielleicht Nuance in den Fall bringen könnte (z.B. wenn das Auto sich tatsächlich gefährlich bewegt hätte), würde Dissonanz erzeugen. Also filtern liberale Medien alles heraus, was nicht ins Bild der „perfekten Märtyrerin“ passt. Die Dichterin, die Mutter, die Unschuldige.
Wenn zwei Linien sich nie mehr treffen
Das Ergebnis dieser psychologischen Schutzmechanismen ist das, was wir heute in Minneapolis sehen: Der Tod der gemeinsam durchlebten Realität.
Wir streiten nicht mehr über Meinungen („Sollten wir hohe oder niedrige Steuern haben?“). Wir streiten über Fakten, die wir nicht mehr als solche erkennen können, weil unsere psychische Abwehr sie nicht durchlässt.
Der Fall Renee Good zeigt uns, dass der amerikanische Bürgerkrieg längst begonnen hat. Er findet nicht auf den Schlachtfeldern statt, sondern in den Synapsen. Die Informationszugänge – unsere Newsfeeds – sind keine Fenster zur Welt mehr. Sie sind Spiegelkabinette, die so konstruiert sind, dass wir uns nie wieder unwohl fühlen müssen.
Solange wir den Schmerz der kognitiven Dissonanz nicht aushalten und uns stattdessen in die komfortable Lüge unserer eigenen „Bubble“ flüchten, ist Renee Good nicht tot. Sie ist Schrödingers Katze: gleichzeitig eine Terroristin und eine Heilige, je nachdem, wer hinsieht.
Und ein Land, das sich nicht einmal mehr auf den Tod einer Mutter einigen kann, ist das noch eine Nation?
Das Wahlsystem erzwingt das Schwarz-Weiß-Denken
Doch es wäre zu einfach, die Schuld allein in unseren Köpfen zu suchen. Kognitive Dissonanz ist der Treibstoff, aber der Motor ist das politische System der USA selbst. Wir müssen nicht Freud bemühen, um zu verstehen, warum Amerika brennt – ein Blick in die Verfassung reicht.
Das amerikanische Mehrheitswahlrecht („Winner-Takes-All“) ist der Brandbeschleuniger dieser Krise. Anders als in parlamentarischen Systemen, die Koalitionen und Kompromisse erzwingen, kennt das US-System nur eine brutale binäre Logik: Alles oder Nichts. Der Gewinner bekommt 100 % der Macht, der Verlierer – selbst bei 49,9 % der Stimmen – bekommt nichts.
Keine Nuance, nur Revanche
Dieses System lässt keinen Raum für Grautöne. Es gibt keine dritte Partei, die vermitteln könnte. Es gibt nur „Wir“ gegen „Die“. Wer in diesem System Differenzierung sucht, verliert.
Das führt zwangsläufig zu einer Politik der Revanche. Da der Verlierer politisch vernichtet wird, ist das oberste Ziel der Opposition nicht konstruktive Kritik, sondern die totale Blockade und die Rache bei der nächsten Wahl. Was wir im Fall Renee Good sehen, ist das Endstadium dieses Denkens: Der politische Gegner wird nicht mehr als Konkurrent betrachtet, sondern als Feind, der besiegt werden muss.
Der alte Krieg auf neuen Karten
Man braucht kein Historiker zu sein, um das Muster zu erkennen. Legen Sie eine Wahlkarte von 2024 oder 2026 über eine Karte des Bürgerkriegs von 1861. Die Linien zwischen „Blue States“ und „Red States“ zeichnen erschreckend genau die Grenzen zwischen den alten Nordstaaten (Union) und den Südstaaten (Konföderation) nach.
Der Konflikt wurde nie wirklich gelöst, er wurde nur eingefroren und in ein Zwei-Parteien-Korsett gezwängt.
Die Demokraten beherrschen die Küsten und die urbanen Zentren (das Erbe des Nordens).
Die Republikaner dominieren den ländlichen Raum und den Süden (das Erbe der Konföderation).
In einem solchen aufgeladenen Zweiparteienstaat, der geografisch und kulturell so tief gespalten ist, wird es sehr schwer werden, wieder aufeinander zuzugehen. Aber ich komme dann noch einmal mit der Psychologie.
Wir sitzen in der Falle. Auf der einen Seite unser Gehirn, das den Schmerz der widersprüchlichen Information nicht erträgt und sich in eine angenehme Lüge flüchtet. Auf der anderen Seite ein politisches System, das einen zwingt, sich für eine Seite zu entscheiden, und das jeden Kompromiss als Verrat bestraft.
Renee Good ist zwischen diese beiden Mühlsteine geraten. Die psychologische Dissonanz hat die Menschen blind gemacht für die Fakten. Das politische System hat die Lager so weit auseinandergetrieben, dass sie sich nicht einmal mehr hören können.
Vielleicht ist es genau jetzt an der Zeit, sich daran zu erinnern, wie zerbrechlich unsere Rationalität wirklich ist. Sigmund Freud wusste, dass die Vernunft einen schweren Stand gegen unsere tiefsten Triebe und Ängste hat. Doch er gab die Hoffnung nicht auf, dass sie langfristig überleben kann, selbst wenn sie momentan übertönt wird.
Wie er einst über die Zähigkeit der Vernunft sinnierte:
„Die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat. Am Ende, nach unzählig oft wiederholten Abweisungen, gelingt es ihr doch.“
Blickt man heute nach Minneapolis und auf den Zustand der USA, muss man leider konstatieren: Wir befinden uns noch mitten in der Phase der Abweisungen.
(This blog has been written with the support of Mistral.AI.)
When I started my career as a professional software developer, engineer, assistant, business consultant, and architect in 1993 (many more roles I could tell, which wouldn’t help to explain what I did), I listened carefully to Neil Postman. A genius author and cultural critic, depicting our times with the right two words: INFORMATION OVERKILL.
32 years later, I think I know what he meant and partially regret that I went for the IT business. So drained by data has the well-known connotation that too much data exhausts us and psychologically distresses us. We simply get tired (and crazy) when overwhelmed by data.
But this blog is not about the psychological damages the digital world applies to us but the physical draining due to massive data computation and generation.
Of course, I am talking about the massive expansion plans in the US by big AI players to create data centers wherever they can and the bigger they can. This includes a financial investment cycle where AI companies request data centers, and big cloud suppliers that also create their own AI models offer these data centers, which need potent chip hardware vendors for enabling the implementation of the data centers that are interested and invested from their side in AI companies.
In 2025 alone, tech giants Google, Meta, Microsoft, and Amazon are on pace to spend as much as $375 billion on data center construction and the supporting AI infrastructure. This spending, described by market analysts as an “AI arms race,” is “meeting and actually exceeding the hype”. This cycle is driven by two main forces: a domestic U.S. policy push to secure AI leadership and an international race to deploy next-generation AI models.1
Current available numbers (11/29/2025)
Company
Investment
Amazon
125 billion USD
Microsoft
80 billion USD
Alphabet (Google)
91-93 billion USD
Meta
66-72 billion USD
Whether this is a vicious cycle cannot yet be told, and the resemblances to the .com crisis around 2000 are applicable, but comparisons between past and present, respectively future, remain speculative.
Anyhow, this blog tries to figure out how feasible this “AI industrialization” is from a technical, financial, and ecological standpoint. Furthermore, it tries to reveal what the goals are behind an “AI industrialization” and the race for AI supremacy.
First, there is a time mismatch between the ambition to create significant AI factories within the next 18 to 36 months and the energy generation and high-voltage transmission infrastructure required to power them that takes five to ten years to permit and build.
To mitigate this gap, AI companies think they can create their own power stations close to the factory using natural gas or SMR (small modular nuclear reactors). But also that implementation takes time and requires regulation. Another idea to soften the impact on the power grid is to run the new AI factories with smart load, meaning if the power system has low demand and cheap energy is available by, e.g., renewables, the AI factories will run their intensive trainings and vice versa. Google is doing that already, using peak time of available green energy to run the training of their models.
But what drives the high demand of resources by AI compute centers?
GPUs excel at neural network calculations and training due to their parallel processing capabilities, making them highly efficient for matrix multiplication and differentiation tasks. GPUs are very focused on receiving, calculating, and transferring data, though overall less capable than CPUs. But the catch is that they require much more energy due to the high amount of data they process. And we don’t talk only about the electrical power they consume. They heat up much more than CPUs, and that requires water cooling with highly clean water.
The generative AI workloads that power this boom are exponentially more power-intensive than traditional cloud computing. This is a change in kind, not just degree.
At the Chip Level: The NVIDIA H100 GPU, the current workhorse of AI, has a power consumption of 700 watts (W). A single GPU used at 61% utilization (a conservative estimate) consumes 3.74 megawatt-hours (MWh) per year.
Regular CPU require (e.g., Intel Core i9-13900K, at 50% utilization): 0.55 MWh per year. This means the H100 GPU consumes about 6.7 times more energy annually than a high-end CPU under moderate workloads.
At the Rack Level: A traditional data center rack in the early 2020s might have been designed for a 10-15 kilowatt (kW) load. Today, customers are deploying infrastructure at 100 kW per rack, and future-generation designs are being engineered for 600 kW per rack by 2027.
At the Facility Level: A typical AI-focused hyperscale data center consumes as much electricity annually as 100,000 households. The next generation of facilities currently under construction is projected to consume 20 times that amount. 2
This power density must be understood as a baseline “IT load.” The total power drawn from the grid is even higher. For every 700W H100 GPU, additional power is required for CPUs, networking switches , and the massive energy overhead for cooling. This overhead is measured by Power Usage Effectiveness (PUE), the ratio of total facility energy to IT equipment energy. A modern facility with a PUE of 1.2, for example, must draw 120 MW from the grid to power a 100 MW IT load.
Geographic Concentration: Mapping the New Power and Water Hotspots
Data center location is not driven by proximity to population centers. It is a strategic calculation based on three primary factors:
1) the availability and cost of massive-scale power;
2) access to high-capacity fiber optic networks for low latency; and
3) access to large water supplies for cooling.
This logic has led to an extreme geographic clustering of the industry. As of late 2025, approximately one-third of all U.S. data centers are located in just three states: Virginia (663), Texas (409), and California. New key hubs are emerging rapidly in Phoenix, Arizona; Chicago, Illinois; and Columbus, Ohio.
The strain is best understood not at the state level, but at the county level, where this new gigawatt-scale load connects to the grid3.
County
State
Operating & In Construction (MW)
Planned (MW)
Total Future Load (MW)
Loudoun
VA
5,929.7
6,349.4
12,279.1
Maricopa
AZ
3,436.1
5,966.0
9,402.1
Prince William
VA
2,745.4
5,159.0
7,904.4
Dallas
TX
1,294.6
2,911.2
4,205.8
Cook
IL
1,478.1
2,001.8
3,479.9
Santa Clara
CA
1,314.7
552.5
1,867.2
Franklin
OH
1,257.4
483.0
1,740.4
Mecklenburg
VA
1,019.5
502.5
1,522.0
Milam
TX
1,442.0
0.0
1,442.0
Morrow/Umatilla
OR
2,295.5
101.0
2,396.5
This spending spree is part of a projected $3 trillion global investment in data centers by 2030, boosting valuations of chipmakers like Nvidia to record highs. However, the rapid, high-stakes deployment poses challenges for public planning and directly impacts consumers. Projects are often developed in secrecy—using shell companies and vague permit descriptions to avoid scrutiny—so key decisions on power and water infrastructure are made before public announcement, leaving little room for community-wide planning.
This boom is a direct cause of rising consumer bills: A 2025 ICF report projects residential electricity rates will jump 15–40% by 2030—on top of a 34% national increase from 2020 to 2025, the fastest five-year surge in recent history, with data centers as a major driver.4
The National Water Supply
The power crisis has a twin: a water crisis. The AI industry’s “thirst” is a dual-front problem, encompassing both on-site water use for cooling and a much larger, “hidden” water footprint from power generation. In the arid but high-growth regions of the American West and Southwest, this new demand is creating a dangerous, zero-sum competition for a scarce resource.
Data centers’ water use has two major impacts:
Direct: Evaporative cooling uses 3–5 million gallons/day (like a town of 10,000–50,000 people). U.S. direct use tripled from 2014–2023.
Indirect: Power plants (coal, gas, nuclear) consume even more water to generate electricity for data centers.
This creates a trade-off: water-efficient cooling uses more energy, and vice versa—forcing operators in water-scarce areas to choose between stressing the grid or local water supplies.
Case Study in Water Stress: The Compounding Crisis in Phoenix (Maricopa County, AZ)
Maricopa County, Arizona, is a top-three national data center hotspot, with 3.4 GW operating and another 6.0 GW planned. This boom is colliding directly with one of the most severe, long-term water crises in the nation. The region is heavily reliant on the over-allocated Colorado River and has already seen state officials limit new home construction in the Phoenix area due to a lack of provable, long-term groundwater. 5
The mitigation strategy?
Let’s focus first on the power supply crisis due to the AI boom. How do clever AI people think they can manage the problem?
AI’s 24/7 power demand outstrips intermittent renewables, pushing data centers to secure their own “firm” energy sources.
Short-term: A natural gas boom—utilities and data centers are building new gas plants. In 2025, Babcock & Wilcox contracted 1 GW of new gas capacity for an AI data center by 2028.
Long-term:Nuclear co-location and SMRs are now the preferred carbon-free solution. Amazon is powering a Pennsylvania data center directly from Talen Energy’s Susquehanna nuclear plant (960 MW) and partnering with Dominion Energy to deploy SMRs in Virginia, tying a $52 billion expansion to new nuclear build-outs.
Tech giants are becoming their own utilities, bypassing the grid to lock in 30–50 years of reliable, low-cost power—avoiding grid delays, price swings, and transmission bottlenecks.
How realistic is the SMR approach?
SMRs (Small Modular Reactors) are not simply scaled-up submarine reactors from the 1950s, though both share compact nuclear designs. Modern SMRs use low-enriched uranium and are optimized for civilian power, not military bursts. However, their ability to meet AI data centers’ massive, 24/7 energy demands is uncertain and delayed by major challenges:
Current Reality: Setbacks and Skepticism
Canceled Projects: Many SMR initiatives have been halted or abandoned due to soaring costs and safety concerns. For example, NuScale—once the U.S. leader—canceled its flagship Utah project in 2023 after costs ballooned and utilities withdrew support. Other designs face similar financial and regulatory headwinds6.
Cost Overruns: SMR electricity is currently 2.5–3 times more expensive than traditional nuclear or renewables, with first-of-a-kind plants costing $3,000–6,000 per kW (vs. $7,675–12,500/kW for large nuclear). While proponents argue costs will drop with mass production, this remains unproven at scale.
Regulatory Hurdles: Licensing is slow and complex. Even approved designs (like NuScale’s VOYGR) struggle to attract investors or utility contracts, as risks outweigh near-term reward.
Safety Debates: Public and expert concerns persist over new reactor designs, waste management, and proliferation risks, especially for advanced coolants (e.g., molten salt) or modular scaling.7
Potential for AI Data Centers—But Not Yet
Theoretical Fit: SMRs could possibly provide carbon-free, always-on power (300–900 MW per plant), ideal for AI’s round-the-clock needs. Some tech giants (Amazon, Google) are betting on SMRs for post-2030 deployments, but these are long-term gambles, not immediate solutions.8
Competing Stopgaps: Until SMRs mature, natural gas dominates new data center power projects, with nuclear’s role limited to existing plants (e.g., Amazon’s deal with Talen Energy’s Susquehanna plant) or decades-away SMRs.
Industry Shift: Some companies now prioritize hybrid systems (solar/wind + batteries + grid upgrades) or even large conventional nuclear plants (e.g., Microsoft’s Three Mile Island revival) to avoid SMR uncertainties.9
Outlook: A Risky Bet
SMRs remain high-risk, high-reward. While they could become a backbone for AI infrastructure, their current track record—cancelled projects, cost overruns, and regulatory delays—suggests they won’t solve the near-term energy crisis for data centers. For now, gas and grid expansions are the default, with SMRs possibly emerging as a niche solution after 2030, if costs and safety issues are resolved.
How to fix the water problem?
The move to Direct-to-Chip (DLC) and immersion cooling is non-negotiable; it is the only way to cool the next generation of AI hardware. A massive positive side effect is that these “waterless” or “closed-loop” systems solve the direct water consumption problem.
Microsoft has already launched its new “zero water for cooling” data center design as of August 2024. It uses a closed-loop, chip-level liquid cooling system. Once filled at construction, the same water is continually recycled. This design saves over 125 million liters of water per year, per data center. The closed-loop system being built for OpenAI’s Michigan “Stargate” facility is similarly designed to avoid using Great Lakes water.
This technological shift is critical. It directly addresses the primary source of community opposition in water-scarce regions. However, it is not a silver bullet. By enabling more powerful and denser racks, these technologies increase the total electricity demand of the facility. In doing so, they solve the direct water footprint but may inadvertently worsen the indirect water footprint from power generation.10
Final statement
In the current situation, no one actually asks why we need this massive investment into AI. The big players will say, “Because ‘we’ need AGI” without telling us what AGI is. AGI is like the whole term intelligence, vaguely defined. So will the big players at some point tell us, “Now we have AGI,” be happy? Already now you hear even from the AI science community concern about whether AIG is feasible by current approach at all (https://techpolicy.press/most-researchers-do-not-believe-agi-is-imminent-why-do-policymakers-act-otherwise). There is a simple rule of thumb in AI. In case you increase the complexity of your model, you must also increase the complexity of your training data. But that could be the bottleneck. They have already scraped all kinds of data. I don’t talk about the quantity of data but the quality.
Meta thinks even about super intelligence. Geoffrey Hinton, who didn’t sound too optimistic in his Nobel Prize reward speech, gave a pragmatic piece of advice when thinking about super intelligence: talk about it with chickens before. They know what life is like under the control of a super intelligence.
We could do many good things with current AI without this massive planned increase of AI compute, like improving agricultural growth without using so immense chemistry.11
To rise in the clear dawn of a fatal climate crisis, such an arms race is, from my point of view, a clear sign of a suicidal species.
Im Leben wie in der Physik scheinen wir oft gegen eine unsichtbare Kraft zu kämpfen: Entropie. Das ist die natürliche Tendenz von Systemen, in einen Zustand der Unordnung überzugehen. Ein aufgeräumter Schreibtisch wird von allein chaotisch; ein System ohne äußere Einflüsse verfällt. Jahrhunderte lang haben wir uns diesen Kampf in unserer Energiegewinnung zu eigen gemacht, indem wir die hoch geordneten chemischen Bindungen fossiler Brennstoffe durch Verbrennung gewaltsam aufbrachen, um Wärme zu erzeugen. Eine Ordnung in Form von Kohle, Öl und Gas, aufgebaut von der Natur vor ca. 360 Millionen Jahren im Zeitalter des Carbonium. Auch der Natur ist der Aufbau dieser langen, konzentrierten Kohlenwasserstoffketten nicht leichtgefallen. Sie musste ebenfalls gegen die Entropie ankämpfen und benötigte zu den heutigen (und in den letzten 250 Jahren abgebauten) Beständen ca. 60 Millionen Jahre.
Doch ist das Verbrennen von fossilen Rohstoffen der einzig wahre Weg? Sicherlich nicht.
Warum die Vergangenheit in Flammen stand?
Fossile Energieträger sind im Wesentlichen gespeicherte Sonnenenergie – in Form von Kohlenstoff- und Wasserstoffbindungen. Bei der Verbrennung reagieren diese Verbindungen mit Sauerstoff und setzen massive Mengen an Wärme frei. Warum wird so viel Wärme frei? Das liegt eben auch an der Entropie. Um ein System von einem chaotischeren (höhere Entropie) in einen geordneteren Zustand zu verwandeln, muss man Energie aufwenden. Und das hat die Natur über 60 Millionen Jahre gemacht, indem sie Arbeit verrichtet hat, abgestorbene riesige Pflanzen und Tierkadaver zu schichten, zu verpressen und wieder zu schichten, zu trocknen und zu pressen, die eben zu den hochgeordneten langen Kohlenwasserstoffketten geführt haben. Wenn „man“ das 60 Millionen Jahre macht, kommt da schon einiges an Energie zusammen. Diese in chemischer Bindung gespeicherte Energie wieder freizulassen, geht, wie wir wissen, schneller, weil die Entropie „mithilft“.
Wir haben gelernt, diese freigesetzte Energie zu nutzen. Doch dieser Prozess ist in den Skalen, in denen wir ihn durchgeführt haben, ein Kampf gegen die Natur: Er wandelt eine hochgeordnete Energieform in unkontrollierbare, diffuse Wärme um und hinterlässt dabei Abfallprodukte wie Kohlenstoffdioxid (CO₂). Auch die Folgen dieses Abfallprodukts sind trotz politischer Nebelkerzen hinlänglich und unmissverständlich bekannt.
Gibt es Alternativen?
Mit dem Fluss gehen
Die Energiewende ist kein Kampf mehr, sondern eine Akzeptanz der Naturgesetze. Anstatt gegen die Entropie zu kämpfen, nutzen wir die ständigen, natürlichen Energieströme, die uns umgeben. Ein Elektron ist das Herzstück dieser Veränderung. Es ist ein geladenes Teilchen, das auf elektrische und magnetische Felder reagiert – und genau das macht es so unglaublich gut kontrollierbar.
Die Rolle des Elektrons und der Photonen
Wir haben in den letzten 50 Jahren bewiesen, dass wir die Welt der Elektronik beherrschen. Ein Transistor, das Herzstück jedes Computers, ist ein Meisterwerk der Elektronensteuerung. Wir nutzen elektrische Felder, um Elektronen zu lenken, zu beschleunigen und zu steuern. Gleichzeitig liefert uns die Sonne Photonen – kleine Energiepakete aus Licht. Ein Fotovoltaik-Modul nutzt diese Photonen. Wenn ein Photon auf ein Silizium-Atom trifft, wird seine Energie auf ein Elektron übertragen. Dieses freigesetzte Elektron wird in einem elektrischen Feld eingefangen und kann sofort als nutzbarer Strom in unsere Netze fließen. Wir kämpfen nicht gegen die Natur, indem wir Bindungen aufbrechen. Stattdessen nutzen wir die natürliche Reaktion von Elektronen auf Photonen, um eine saubere und effiziente Energiequelle zu erschließen.
Eine historische Chance: Das Erbe Einsteins
Dieser Wandel ist für uns Deutsche von besonderer Bedeutung. Der wohl berühmteste (deutsche) Physiker, Albert Einstein, lieferte die entscheidende theoretische Grundlage für die heutige Solarenergie. Im Jahr 1921 erhielt er den Nobelpreis für Physik, nicht für seine Relativitätstheorie1, sondern für die Erklärung des fotoelektrischen Effekts. Er beschrieb, wie Lichtenergie (Photonen) Elektronen aus einem Material herausschlagen kann. Genau dieses fundamentale Prinzip ist die Basis jeder Solarzelle.
Wir haben die wissenschaftliche Grundlage für diese Technologie gelegt. Nun haben wir die historische Chance, das Vermächtnis Einsteins zu erfüllen und bei der Umsetzung seiner Erkenntnisse eine führende Rolle zu übernehmen.
Der Wind: Ein Fluss der Entropie
Auch der Wind ist ein perfektes Beispiel für diesen Wandel. Er ist ein direktes Resultat der Sonnenenergie, die die Atmosphäre ungleichmäßig erwärmt und dadurch Druckunterschiede erzeugt. Die Luft strömt, um diese Unterschiede auszugleichen und die Entropie des Systems zu erhöhen. Anstatt diesen natürlichen Prozess zu stören, setzen wir Windturbinen ein, die sich in diesen Windstrom einfügen. Sie nutzen die kinetische Energie, die im System vorhanden ist, um Strom zu erzeugen. Es ist ein elegantes Beispiel dafür, wie wir die natürlichen Gesetze nutzen, anstatt gegen sie zu arbeiten.
Der Reality-Check: Manche fordern zu Recht einen Reality-Check der Energiewende. Sie warnen, dass der Weg holprig ist. Sie haben recht. Es ist naiv zu glauben, dass das reine Wissen um Photonen und Elektronen ausreicht. Die wahre Herausforderung liegt in der “praktischen Entropie”: dem bürokratischen Widerstand, den komplexen Gesetzen und den physikalischen Grenzen unserer Netze. Und natürlich von unserer Fähigkeit, hoch organisierten, monopolistischen Konzernen (niedrige Entropie) die Angst zu nehmen, in den Zustand höherer Entropie in Form von chaotisch-demokratisch-prosumerorientierten Bürgerenergie-Systemen (hohe Entropie) überzugehen. Da staunt auch die Entropie, was für Widerstände man ihr da in den Weg legt.
Dennoch ist auch dies kein Kampf gegen die Natur, sondern ein Umgang mit den realen Gegebenheiten. Ein Netzwerk aus Stromleitungen ist ein geordnetes System, das ständig von Störungen und Schwankungen bedroht wird – eine Form von Entropie, die wir beherrschen müssen. Speichersysteme wie Batterien sind der Versuch, die zeitliche Unordnung der Sonnen- und Windenergie zu glätten. Hinzu kommen Smart Grids, die über einen intelligenten Lastenausgleich und modernste Sensoren eine permanente Regulierung im Netz ermöglichen. Sie helfen, die Energie genau dorthin zu leiten, wo sie gebraucht wird, indem sie Verbraucher und Erzeuger intelligent miteinander vernetzen. Der Reality-Check ist kein Argument, um aufzugeben. Er ist eine Aufforderung, pragmatisch und hart an den realen Problemen zu arbeiten, die uns davon abhalten, das volle Potenzial der Natur zu nutzen.
Ein neues Verständnis von Energie Die Energiewende ist also keine technologische Revolution, sondern ein konzeptioneller Wandel. Wir haben verstanden, dass wir nicht gegen die Entropie kämpfen müssen, indem wir geordnete Systeme zerstören. Stattdessen können wir mit dem Fluss gehen und die Energie des Universums nutzen, die uns in Form von Sonnenlicht und Wind zur Verfügung steht. Der wahre Fortschritt liegt nicht im Kampf, sondern in der Akzeptanz der Naturgesetze.
Die Relativitätstheorie war viel bedeutender, aber die Nobeljuroren hatten wohl Angst, seine Theorie wäre “Hoax” würde man heute sagen. War sie aber nicht, sie ist die bis heute am besten experimentell bestätigte Theorie der Physik. ↩︎