Der Ukrainekrieg, wie leider jeder Krieg, ist wieder ein Paradebeispiel, wie vollkommen konträre Geschichten und Erklärungen auf engstem Raum mit aller Brutalität zusammenprallen, sodass man meinen könnte, dass beide Seiten inklusive der mittelbar Beteiligten auf unterschiedlichen Planeten lebten. Es gibt sicherlich sehr viele Erklärungen dafür. Für mich ist die überzeugendste dafür: unser Gehirn.
Viele Ergebnisse neurologischer Natur der letzten drei Jahrzehnte weisen darauf hin, dass unsere Erinnerungen auch an sehr wichtige persönliche Ereignisse einer ständigen Mutation unterliegen, vergleichbar mit einem Zimmer, das man ständig umräumt, um “Ordnung” zu schaffen. Ferner können wir eine sogenannte “faktische” Wahrheit von einer eingebildeten Wahrheit nicht unterscheiden, weil in beiden Fällen die gleichen sensorischen Areale, emotionalen (limbischen) Regionen und die exekutiven Bereiche (Frontallappen) angesprochen werden. Insbesondere werden sie in der gleichen Art und Weise angesprochen. Ich zitiere aus dem Buch des verstorbenen Neurologen und Psychiaters Oliver Sachs: Der Strom des Bewusstseins.
“Es gibt offenbar keinen Mechanismus im Verstand oder im Gehirn, der die Echtheit, oder zumindest die wahrheitsgemäßen Eigenschaften, unserer Erinnerungen gewährleisten kann. Wir haben keinen direkten Zugang zur historischen Wahrheit, und was wir als wahr empfinden und geltend machen, hängt (…) im gleichen Maße von unserer Fantasie wie von unseren Sinnen ab. Es gibt keine Möglichkeit, die Geschehnisse dieser Welt direkt in unser Gehirn zu übertragen oder einzuspeichern; Sie werden auf höchst subjektive Weise erfahren und konstruiert, was bei jedem Menschen auf unterschiedliche Weise geschieht. Beim Erinnern werden sie dann noch einmal auf ganz eigene Art interpretiert und erlebt. Unsere einzige Wahrheit ist die narrative Wahrheit, die Geschichten, die wir einander und uns selbst erzählen.”
Und hier muss ich genau meinem ersten Blog: “Wir sind halt auch Computer” widersprechen. Unser Speicher im Gehirn entspricht eben nicht einer Festplatte. Ein Computer kann mit Hilfe quantenmechanischer Regeln präzise und unverrückbar Bits auf einem Solid-State- Drive speichern (https://youtu.be/5Mh3o886qpg). Er kann dann mit einer erschreckenden Präzession diese immer wieder bis in das allerkleinste Detail abrufen. Für uns jedoch gilt (ich zitiere wieder Oliver Sachs): …die Geschichten, die wir beständig neu kategorisieren und verbessern, sind diese Subjektivität, die untrennbar mit dem Wesen des Gedächtnisses verknüpft ist und ergibt sich aus den materiellen Voraussetzungen und Mechanismen, die ihm unser Gehirn liefert. Es ist erstaunlich, dass schwerwiegende Abweichungen so selten sind und dass unser Gedächtnis im Großen und Ganzen so solide und verlässlich ist.
Der Krieg, das steht für mich außer Frage, ist allerdings so eine schwerwiegende Abweichung, wobei dabei fatalerweise es nicht um die Abweichung zwischen narrativer und historischer Wahrheit nur eines Gehirns geht.
Die gute Nachricht jedoch ist, gerade weil unser Gedächtnis nicht wie eine Festplatte funktioniert, ist uns ein nahezu unerschöpfliches Potenzial an Kreativität gegeben. Mag es für alle gestrigen und zukünftigen Kriegsopfer wie blanker Hohn wirken, diese Kreativität ist die einzige Hoffnung, dass Frieden keine Utopie bleibt.
Nicht nur aus Hobby Gründen habe ich mich in den letzten zwei Jahren mit diesem Buch beschäftigt:
von Dr. Bernd Michael Bucholz und Professor Zbigniew Styczynski. Das Buch ist sehr gut richtet sich aber im Stil und Inhalt an Experten. Die Definition des Begriffs Smart Grid macht aber auch nicht Energieexperten die große Aufgabe deutlich vor der wir stehen:
Ein Smart Grid ist ein elektrisches Netz, das die Aktionen aller seiner Nutzer – Erzeuger, Verbraucher und Speicher – intelligent integriert, um die effiziente, nachhaltige, wirtschaftliche und sichere Energieversorgung zu gewährleisten.
Die Hauptkomponenten eines Stromnetzes, ob intelligent oder nicht, bleiben:
die Stromquellen
die Hochspannungsübertragungsnetze 250kV bis 65kV
Die lokalen Verteilnetze im Spannungsbereich 65KV bis 220V
und last not least der Stromverbraucher (sorry -verbraucher*in). Wobei man mal ganz grob die Verbraucher in private Haushalte, Industrie und Diensleistungsgewerbe aufteilen kann.
Das sah dann ungefähr so bis zum Ende der 90ziger des letzen Jahrhunderts so aus:
Dass wir auf den Tripp der Elektroenergieversorgung kamen, haben wir sehr stark einem Engländer, Michael Faraday, und dem Schotten James Clerk Maxwell zu verdanken. Faraday entdeckte bzw. entwarf die Grundkonzepte des Elektromagnetismus. Er war der Elon Musk des 19. Jahrhunderts nur nicht so durchgeknallt wie dieser. Auf die Frage des britischen Premiers, was man denn mit diesem Elektromagnetismus anfangen könne, antwortete er weitblickend: “Das wisse er auch nicht aber er sei sicher, dass er (der Premier) mal sehr viel Steuern darauf erheben werden könne.” Er sollte recht behalten.
Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts enstanden die ersten Produkte aus Farradays Erkenntnissen: Der elektrische Wechselstrom- bzw. Spannungsgenerator. Durch Rotation eines permanent Magneten in einer metallischen Spulenleiteranordnung erzeugt das rotierende magnetische Wechselfeld ein zeitlich versetztes elektrisches Wechselfeld. Dazu konnte man das Know How aus der Entwicklung der Dampfmaschinen bestens nutzen, die den permament Magneten durch ein Getriebe in Rotation brachten. Man experimentierte zunächst mit einer Frequenz von 20-30Hz. Das gefiel einem Walter Edison aber gar nicht denn bei dieser Frequenz flackerte seine neueste Erfindung: “Die Glühlampe” und so einigte man sich auf 50Hz. Bei dieser Frequenz bekommt kein menschliches Auge den Nulldurchgang der Sinuswelle mit. Dass das elektrische Licht der erste Mega Anwendungsfall des elektrischen Netzes werden würde, da war man sich sicher und das weitere folgen würde, war auch deutlich abzusehen. So verschwanden die Gaslichter immer mehr in den Städten nur die Düsseldorfer Jonges wehren sich bis heute dagegen (https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/stadtrat-duesseldorf-gruenes-licht-fuer-gaslaternen_aid-50421349).
Von nun an sollten die 50Hz den Pulsschlag der Menschheit bestimmen. Dieser pathetische Satz ist durchaus wörtlich zu nehmen. Die Netzfrequenz darf nur in einem Bereich von:
+/- 200 milli Hz
schwanken. Schwankt die Netzfrequenz darüber hinaus droht Ungemach. Aber warum schwankt die Netzfrequenz überhaupt, kann man die Generatoren nicht ausreichend auf diese Drehfrequenz regeln? Doch das kann man aber die Änderung der Netzfrequenz wird durch Energieschwankungen im Netz im Zusammenspiel zwischen Erzeuger und Verbraucher verursacht. Man kann das sehr gut mit dem Fahrradfahren vergleichen. Will man eine konstante Geschwindigkeit auf einer ebenen Fläche erreichen, muss man eine kontinuierliche Kraft und damit Energie auf die Pedalen einwirken lassen. Wenn dann Gegenwind kommt und man trotzdem die gleiche Geschwindigkeit halten will, dann muss man mehr Energie aufwenden und umgekehrt bei Rückenwind muss mit weniger Kraft in die Pedale getreten werden. So ergeht es auch dem Generator, er “spürt“, dass ihm Energie entzogen wird, dass also Gegenwind herrscht und dementsprechend nimmt seine Drehfrequenz ab. Dabei hilft die Physik dem Generator ungemein seine Drefrequenz zu erhalten durch den Drehimpulserhaltungssatz. Aber ab einer gewissen Entnahme der Energie aus dem Netz, das Netz selber kann keine Energie speichern, nimmt die Rotationsfrequenz ab bzw. sie steigt, wenn zuviel Energie in das Netz “gepumpt” wird, weil gar nicht genug Energienachfrage da ist. Woher weiß nun ein Generator, ob Gegenwind oder Fahrtwind ihm “droht“? Es ist die Statistik, die ihm das sagt. Ein jeder größerer Energieerzeuger weiß auf jede Viertelstunde des Jahres schon im voraus genau, was er an Energie zu liefern hat. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und das kommt den Energieversorgern sehr zu gute. Prinzipiell könnten auch höheren Frequenzschwankungen verkraftet werden, wenn es nur einen Generator und einen Verbraucher gäbe aber das ist natürlich nicht der Fall. So kann ein Auseinanderlaufen der Netzfrequenz zwischen verschiedenen Erzeuger und Verbraucher sich zu Überspannungen und Kurzschlussströmen aufschaukeln, die im schlimmsten Fall einen Blackout einläuten können. Damit das eben nicht passiert muss man dem Stromnetz geeignet eine Regelleistung zufügen, so dass der Generator kräftiger und leichter in die Pedalen tritt. Üblicherweise benutzt man dazu Gaskraftwerke, weil sie schnell in der Leistung hoch und runter gefahren werden können. Doch Gas ist dieses Jahr ganz schlecht und so müssen leider wieder mehr Kohlekraftwerke ans Netz. Übrigens Kernkraftwerke eignen sich zur Steuerung von schnell schwankender Regelleistung ganz schlecht.
Sehr sachlich aber auch mit einer prise “Spannung” erzählt das folgende Video der “illwerke vkw” aus Bregenz am Bodensee die Geschichte um den Pulsschlag 50Hz unserer Gesellschaft.
Nun könnte man meinen, ok,das ist eine etablierte Technik, die letzlich schon seit 100 Jahren existiert, ist das ganze noch erwähnenswert?
Nun zum einen, fossile Rohstoffe sind endlich bzw. man muss schon sehr lange warten bis sie sich erneut bilden. Wer näheres dazu wissen will, sollte mal unter dem Stichtwort das Zeitalter des Carbonium nachschauen. Doch wir verhalten uns eher wie eine süchtige Partygesellschaft, die den Ausgang der Party nicht findet und denkt, sollen doch zukünftige Generationen einfach wieder 100 Millionen Jahre warten bis Kohl, Öl und Gas wieder da sind. Aber durch den Klimawandel haben wir uns noch eine ganz besondere Problematiik eingehandelt von der ich schon oft geschrieben habe. Besonders von Wüsten umgebene Gebiete wir der Irak und Iran, die das einst fruchtbare Zweistromland mit Euphrat und Tigris bildeten, sind dem Untergang geweiht. Dass dies keine übertriebene Prognose ist, zeigt der unten gespeicherte Bericht vom ZDF Auslandsjournal, ausgestrahlt am 09.11.2022.
Das Ende des Garten Edens (Irak, das Land an Euphrat und Tigris 2022)
Tja und jetzt ist guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Die Lösung heißt regenerative Energien, die uns zurückbringen zu unserem Ursprung unserem Zentralgestirn: “Die Sonne”. Das ist nicht ganz richtig denn die Erde ist, wie die anderen Planeten des Sonnensystems und die Sonne selber, Ergebnis einer Super Nova eines erloschenen Sternes. Am Ende eines Sonnenlebenszyklus, wenn nicht mehr genug Wasserstoff zu Helium fusioniert werden kann, bricht eine Sonne unter Ihrem Eigengewicht zusammen, dabei entstehen dermassen hohe Drücke, dass eben nicht nur Helium sondern auch Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, eben die über 100 Elemente des Periodensystems erzeugt werden (um uns später damit in der Schule zu quälen), die im Finale der Super Nova in den interstellaren Raum geschossen werden. Das passiert aber mit unserer Sonne erst in fünf Milliarden Jahren. Die Menschheit hat also genug Zeit bis dahin Raumschiff Enterprise zu bauen, sollte aber jetzt sich schleunigs um die Energiewende kümmern als da wären:
Solarthermie (nicht geeignet für Deutschland aber z.B. Afrika), Quelle: die Sonne
Photovoltaik (Quelle: die Sonne)
Windkraft (Quelle: die Sonne denn Winde entstehen durch die Thermik der Sonne)
Wasserkraft (Quelle: Das Wasser zwischen Höhen und Tiefen)
Geothermie (Quelle: Die Vorgänger Sonne (siehe oben))
Es gibt also Alternativen zu den fossilen Brennstoffen aber sie haben mindestens zwei Nachteile:
Die regenerativen Energiequellen brauchen viel mehr Platz, da sie über große Flächen die Sonnenergie einfangen müssen. Bei Kohle, Gas und Öl hat über mehrer Millionen Jahre die Natur “für uns“, die in den abgestorbenen Pflanzen enthaltene Energie, die übrigens auch von der Sonne kam, zusammengepresst, gefaltet und wieder zusammengepresst, so dass wir sie seit 1775 munter wieder zu CO2 auseinanderbröseln mit den oben geschilderten Auswirkungen. Der Vorteil eine hochkonzentierte Energiequelle auszunutzen hat sich leider ins Gegenteil verkehrt und daher müssen wir großflächig im Gegensatz zu bisher Energie einsammeln.
Regenerative Energiequellen liefern nicht so konstant Energie, wie man es mit fossilen Kraftwerken und AKWs (wenn sie denn laufen) kennt.
Trotzdem sind die regenerative Energiequellen derzeit und damit meine ich einen Zeitabschnitt für die nächsten mindestens 20 Jahren unsere Hoffnung dem Klimawandel etwas entgegen zu setzen. Sie haben aber noch andere Vorteile als “nur” umweltfreundlich zu sein. Sie ermöglichen rohstoffarmen Ländern, wie Deutschland z.B., an eigene Energiequellen zu kommen. Sie können demokratischer verteilt werden, denn Windräder müssen nicht von riesigen Konzernen administriert werden, schon kleine Gemeinden können sich sie anschaffen und damit Geld in die Gemeindekasse wehen. Dass private Hausdächer von privat Leuten betrieben werden, ist selbstredend.
Doch ich erwähnte oben die Regelenergie, die in einem von regenerativen Energiequellen dominierten System noch stärker gebraucht wird als schon jetzt. Das ist zwar richtig, kann aber minimiert werden, wenn wir genügend Speicher aufbauen, von denen es derzeit leider viel zu wenige gibt. Das hat leider auch die Politik zu verantworten, die Speicher-Energie doppelt besteuert, einmal beim Einspeichern und dann wieder bei der Abgabe. So eine Steuerpolitik liefert wenig Anreize Speichersysteme für elektrische Energie aufzubauen.
Außerdem sollten wir lernen wieder mit der Sonne und ihren Rythmen zu leben. In der angedachten Zukunft der Energiewende Strategen, wird es keinen fixen kWh Preis pro Periode geben sondern einen während des Tages ständig schwankenden Strompreis und über IOT (Internet of Things) systeme werden Waschmaschinen genau dann Anspringen, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, weil dann wird der Strom billig sein wird. Allerdings muss man die Wäsche noch rechtzeitig selber in die Maschine legen, man sollte nur nicht erwarten, dass die Maschine gleich loslegt. Das ist alles kein Sience Fiction und sogar heute schon leicht machbar aber ich sehe schon die Diskussionen zwischen Mann und Frau, warum die Wäsche nicht gewaschen wurde.
Was da alles möglich ist mit der Energiewende, zeigt das folgende Video vom Youtube Dr. Watson Kanal. Den Kanal kann ich wirklich empfehlen, die Macher haben sich auf die Fahnen geschrieben die Energiewende und Umweltschutz nach vorne zu bringen und das wirklich mit einer unglaublichen Power.
Zum Schluss noch ein kleines Elektro-Technik Rätsel von mir:
Wir bekommen in unseren Haushalten bekanntlich Wechselstrom geliefert. Dieser wird durch eine Sinuskurve beschrieben:
In der oberen Halbwelle fließt der Strom vom Kraftwerk zum Verbraucher aber in der unteren Halbwelle fließt er gleich wieder zurück:
Wechselstrom ändert ständig seine Richtung zwischen Generator und Verbraucher. Wie kommt er dann bei uns Verbrauchern letzlich an?
Wechselstrom ändert ständig seine Richtung zwischen Generator und Verbraucher. Wie kommt der elektrische Strom dann bei uns Verbrauchern letztlich an, er müsste doch in der Leitung stecken bleiben?
Viele erinnern sich, wobei wir schon beim Thema sind, noch an die Entscheidung von deutschen und europäischen Richtern, dass man auch im Zeitalter von Suchmaschinen, ein Recht darauf hat, dass ein Geschehnis, was mit einem verbunden ist, gelöscht werden kann. So ein Recht ist für eine informationshungrige Gesellschaft, wie sie durch das Internet in nie gewesener Form zuvor möglich ist, eine sehr besonderes Recht. Auch ohne Details dieser Rechtssprechung zu kennen, dieses Recht durchzusetzen ist höchst wahrscheinlich sehr schwierig.
Dabei ist das Vergessen eine lebenswichtige Funktionalität unseres Gehirns. Der Schlaf ist dabei der Meister beim Entrümpeln des Speichers. Sorgfältig und intensiv reogarnisiert er den Speicherinhalt und man darf davon ausgehen, dass nach einem besonders erholsamen Schlaf auch gegügend Information beim Aufgewachten “entsorgt” wurde. Man sollte allerdings nicht denken, dass diese Information vollkommen gelöscht wurde, eher wurde sie maskiert bzw. ihr Status (relevant nicht relevant) wurde verändert. IT Menschen würden davon sprechen, dass die Daten von der “Hot”-Datenbank auf die “Cold” Datenbank transferriert werden.
Warum ist das so? Nun auf uns treffen eine unzählige Menge von Information zu, auch wenn wir schlafen. Vergessen bzw. maskieren von Erinnerungen ist notwendig, um die Spreu vom Weizen zu trennen, um zu erkennen, was wichtig ist oder einfach in die Spam Ablage “geroutet” werden kann bis es ganz “scheinbar” untergeht. Das Vergessen hilft uns also eine innere Struktur bzw. Ordnung aufzubauen, ohne die wir kaum leben könnten. Interessanterweise funktioniert diese Fähigkeit systembedingt unbewusst ohne konkrete Maßnahmen des Menschen. Bekanntlich würde ein Stimulus: “Ich will das jetzt vergessen!” genau zum Gegenteil führen. Wohl dem, der also über einen gesunden Schlaf verfügt und vergessen kann.
Aber in der Evolution gibt es nichts, was es noch nicht gibt, so scheint es zumindest. Denn es gibt leider sehr bedauernswerte Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht vergessen können. Sie können sich noch über viele Jahrzehnte an jeden Tag und Stunde erinnern und leiden darunter sehr, da auch die sehr unangenehmen Erlebnisse für sie so präsent sind, als wären sie gestern geschehen. Es sind nur wenige Menschen von dieser “Fähigkeit” betroffen aber die Wissenschaft hat in den letzten Jahren (Bereich Genetik und Neurobiologie/informatik) große Fortschritte gemacht, zu erklären, warum diese Menschen diese “Gabe” haben. In einem Forschungsprojekt wurden dazu 60 Patienten ausgewählt, die nach vielen Voranalysen zu jener Gruppe, der nicht Vergessenden gehören. Ihre Gene wurden nach allen Regeln der Kunst analysiert und tatsächlich fand man bei diesen 60 Patienten eine Gensequenz, die bei keiner Kontrollgruppe sonst gefunden wurde (das künstliche Intelligenz bei dieser Suche sehr hilfreich war, sei nebenbei erwähnt).
Warum interessiert sich die Forschung aber für so einen Bereich, wenn glücklicherweise nur sehr wenige Menschen davon betroffen sind?
Es gibt nun seit längerem eine Entwicklung in die ganz andere Richtung. Wir werden immer älter und das Alter macht auch vor unserem Gehirn nicht halt. Die Rede ist von Demenz. Bei diesem Begriff kann man einmal lernen, wie ein lateinischer, “technischer Begriff” die Komplexität des Problems zusammenfasst. Der Begriff Demenz besteht im Kern aus den lateinischen Worten “de mens”, wörtlich übersetzt: “ohne Geist”. Demenz ist also die Krankheit: “ohne Geist”! Was das bedeutet lernte ich als Altenpfleger.
Als Hauptgrund für das Auftreten dieser Krankheit wird das Alter erwähnt, doch ist diese Angabe recht relativ. Als ich als Altenpfleger arbeitete, gab es eine Heimbewohnerin, die schon mit 52 Jahren sehr dement war. Mich schockierte als junger Mann ihr Zustand, da man mir auch zuvor sagte, dass sie mal eine Mathemathik Lehrerin gewesen war. Ich kaufte deswegen eine Art Domino Spiel für Kinder für sie, mit dem man Zahlen zusammenstellt. Sie konnte leider kaum noch sprechen, sie lief den ganzen Tag hin und her mal lachend, dann wieder schluchzend und weinend. Was in ihr vorging, man konnte es von außen nicht mehr richtig feststellen. War sie jetzt dieser Mensch “ohne Geist”, dessen Körper agiert und funktioniert aber letzlich ohne geistige Kontrolle? Als junger Mensch wollte ich das nicht akzeptieren und fing mit ihr an, das Zahlenspiel zu spielen. Sie wollte nicht mitmachen und ließ mich alle Steine legen. So ging es Wochen lang, ohne dass ich von ihr irgendeine Reaktion feststellen konnte. Sie beobachte zwar, wie ich die Zahlen legte und auf sie einredete, ob sie aber irgendwie das registrierte, was ich mit den Zahlen machte, blieb für mich unergründlich. Dann kam der Tag, der mir sagte, dass es sie noch gab. Ich kam in ihr Zimmer und üblicherweise schaute sie aus dem Fenster und brummte vor sich hin. Manchmal schaute sie einem auch gar nicht an, selbst wenn man sie gezielt ansprach und versuchte ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber an diesem Tag war alles anders. Sie saß an ihrem Esstisch und spielte mit den Steinen. Sie lachte als sie mich sah und zeigte mir, dass ich mich auch setzen sollte. Und dann spielten wir, nicht nach den Regeln sondern unser eigenes Spiel. Ich legte zwei Steine auf den Tisch, sie legte zwei Steine auf den Tisch, ich nahm drei Steine weg, sie nahm drei Steine weg. Ich stand auf, sie stand auf, ich drehte mich um, sie drehte sich um. Sie kopierte Haar genau jede Regung von mir und wir lachten unglaublich viel dabei. Diese Erlebnis habe ich sehr tief in mir unter dem Stichwort Hoffnung abgespeichert.
Aber Demenz muss lang nicht so gravierend auftreten als dass es einen Effekt hätte. Demenz greift den Speicher an, es werden dann eben zuviele Sachen vergessen, die für die innere Ordnung entscheident sein können. Schlüssel, Portmonaie und Brille das geht schon mal verloren und wenn es dauernd passiert dann kann das einen schon sehr durcheinander machen. Aber auch hierfür hat das Gehirn des Betroffenen eine Lösung: Die Sachen wurden gestohlen. Mit meinen damals langen Haaren und Rauschebart war ich der perfekte Räuber. So kamen die Patienten öfter vorsichtig auf mich zu und pflüsterten: “Werden Sie so schlecht bezahlt, dass sie stehlen müssen?” Ich nickte und antwortete: “Ja es ist ein Hungerlohn.” Die meisten Patienten lächelten und damit war die Welt wieder in Ordnung.
Anbei ein paar sehr interessante Videos zum Thema Gehirn und das Altern, wobei ein Video über die sogenannte Neuroplastizität geht mit der Kernaussage: “Wir lernen bis zum letzen Atemzug, auch wenn manchmal etwas verloren geht.”
In der Zwischenzeit habe ich mir den Film angeschaut. Er ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Der Film ist eigentlich reine Poesie, eine Homage an die Natur. Man findet hier nicht den berühmten Zeigerfinger, jedoch verschmelzen die Bilder zusammen mit der rauh-sanften Stimme Campinos zu einer Verletzlichkeit.
Für den erhobenen Zeigefinger bin ich dann zuständig. Während Campino noch von einer Ohrfeige spricht, ist der Film für mich, auch wenn er es viel sanfter ausdrückt, ein Schlag mitten ins Gesicht.
Sommer Schmelzflüsse im grönländischen Eis.
Worum geht es inhaltlich in diesem Film?
Insbesondere im Sommer bilden sich riesige Schmelzwasserflüsse aus kristallklarem Wasser in Grönland. Diese Schmelzflüsse können in tiefen Eislöchern münden.
Schmelzwasser bohrt Gletscherflüsse in das Eis.Gletscherloch von unten.
Doch die eigentliche Gefahr liegt am Boden dieser Löcher. Eine schematische Seitenansicht des Grönlandeises soll dies verdeutlichen:
Melting Ice
Das Gönlandeis ruht auf einem Hochplateau von ca. 1.800 m mit einer durchschnittlichen Dicke von einem Kilometer. Es ist umgeben vom Atlantik und ist die dem Nordpol am nächsten gelegene grössere zusammenhängende Landmasse. In der südlichen Ausprägung neigt sich die Landmasse gegen den Meeresspiegel. Das führt unweigerlich dazu, dass Eis vom grönländischen Festland in den Atlantik rutscht (siehe Titanic). Dies ist sicherlich kein neuer Effekt, doch hat die Menge, die ins Wasser rutscht stark zugenommen, insbesondere in den letzten 20 Jahren. Der Hauptgrund für das Abfallen des Eises in den Atlantik ist das Schmelzwasser im Sommer. Es bohrt, wie oben erwähnt, meterdicke Abflüsse in das Eis. Das Schmelzwasser bildet daher eine Wasserschicht am Festlandboden. An manchen Stellen ist sie nur hauchdünn aber vorhanden. Bisher sind Klimamodelle davon ausgegangen, das spätestens im Oktober eines Jahres das Schmelzwasser am Boden abgelaufen ist und der Boden wieder festgefroren ist. Das würde im Winter das Abrutschen des Eisen verlangsamen, da der Boden ein wesentlich größeren Haft- und Gleitreibungswiderstand für das Eis bietet als ein flüssiger, glatter Boden. Die Klimamodelle rechnen also von Oktober bis April mit einem größeren Haft- und Gleitreibungswiderstand als im Sommer. Die im Film agierenden Wissenschafler bezweifeln das aber und wollen es genau wissen. Satellitenaufnahmen können einem dazu keine Aufschlüsse geben, man muss schon in die Eislöcher selbst hinein… halt into the ice. Und so nehmen die Wissenschaftler den Zuschauer mit nach unten in ein 150 Meter breites und 160 Meter tiefes Eisloch an der Südspitze Grönlands. Es sind Bilder einer bizarren Schönheit, die aber zu einem ernüchterndem Ergebnis führen. Auch Ende Oktober treffen sie auf relativ warmes Schmelzwasser unterhalb des Eisbodens des Loches. Das bedeutet aber, dass auch bis tief zum Boden noch Gletscherwasser auch Ende Oktober vorhanden ist. Es ist noch kein Beweis, dass dieser Effekt durchgänging über der gesamten Landmasse so auftritt und auch ganzjährig also auch in den Kern Wintermonaten November bis Februar. Die Wissenschafler wollen das mit weiteren Expeditionen verifizieren. Dass sie dabei ihr Leben riskieren, das zeigt der Film sehr eindrücklich (ein Wissenschaftler verstirbt während der Drehzeit. Er fiel in eine Gletscherspalte, bei der morgentlichen Prüfung der Messgeräte). Sollte die Annahme stimmen, dass das grönländische Festland durchgehend in Raum und Zeit mit Schmelzwasser durchflutet ist, dann würde das Festlandeis viel schneller in den Atlantik “kippen” und der Meeresspiegel viel schneller sich anheben als bis jetzt angenommen. Das wiederum würden die Menschen in Küstengegenden sehr viel schneller in Gefahr bringen und geplante Deicherhöhungen und ähnliche Maßnahmen müssten viel schneller erfolgen.
Allerdings zeigen auch andere Forschungen in Grönland, dass die Vermutung eines ganzjährigen Wasserbodenfilms stimmen könnte:
Eine weitere Forschung in diesem Film betrifft den veränderten Niederschlag auf Grönland. Eine wärmere Atmosphäre bedeutet eine höhere Fähigkeit Wasserdampf aufzunehmen. Das wiederum bedeutet eine erhöhte Niederschlagsneigung, die leider, wie öfters gesehen in den letzten Jahren, extrem schlecht verteilt sein kann (Extrem Wetter- Dürre versus Überflutungen). Die Wissenschafler haben dazu ca. 1,5 Meter lange Detektorröhren in das Eis gebohrt. Diese Detektoren messen den Neutronenbefall aus dem Weltall. Durch die schwache Wechselwirkung der Neutronen mit der Materie (da elektrisch neutral) erreichen die Neutronen den Detektor bei Wind und Wetter. Außerdem kann man am Empfangssignal Schneefall oder Regen erkennen. Derzeit überwiegt noch der Schneefall als Niederschlagsart, was gut ist, da eine Schneedecke das Eis durch Reflektion und Thermostatisierung vor der Sonne schützt. Die Messreihen zeigen aber, dass der Regen bei der Niederschlagsart aufholt, was wiederum schlecht für den Eismantel ist.
Ich weise nur in sehr kurzer Form über das Schicksal in Pakistan hin. Die fatalen Überschwemmungen dort haben auch mit massiven Gletscherschmelzen im Himmalja zu tun aber die Ursache ist vielschichtiger, man lehnt sich allerdings nicht zuweit aus dem Fenster, dass auch bei diesem Wetterextrem der Klimawandel katalytisch wirkt.
Ein guter Bekannter wies mich aber auch noch darauf hin, dass ein weiteres Problem für Pakistan enstanden ist. Wie man weiß sind unsere Gasbehälter relativ voll, obwohl ja die Russen viel weniger und seit ein paar Tagen gar nichts mehr schicken. Wie kann das sein? Wir haben die restlichen Weltgasbestände aufgekauft für viel Geld, was ja den Gaspreis auf Höchststände brachte. Aber nicht nur Deutschland und Europa brauchen Gas zum Heizen. Leittragende sind arme Völker, die kein Gas mehr auf dem Weltmarkt erhalten und natürlich mit der viertgrößen Industrienation dieses geschundenen Planeten nicht mithalten können. Was wir diesen Menschen antun, wenn auch nicht bewusst bzw. beabsichtigt, drückt wohl dieses Bild aus dem Handelsblatt bzw. dpa aus:
Ich möchte den Blog nicht beenden, ohne eine Lösungsvision kurz zu skizzieren. Die regenerativen Energiesysteme müssen ausgebaut werden bzw. wachsen. Darüber besteht sogar weitgehend Konsenz in Deutschland und in weiten Teilen Europas (etwas auch in den USA und China). Außer einem Streckbetrieb der letzten drei Atomkraftwerke würde ich dieses Kapitel für Deutschland zumindest dann endlich abschließen. Aber das wird nicht reichen. Es gibt Naturwissenschaftler und Ökonomen, die eine Schrumpfung von 40% vorschlagen. Was soll das bedeuten? Das bedeutet, dass die Produktion von z.B. Autos massiv reduziert wird. Dass zumindest in Großstädten aus Parkplätzen grüne Oasen werden. Das Begrünung von Hauswänden zum Standard wird. Es sollte aber auch zu anderen Handelsgütern führen. Technische Produkte und Know How exportiert nach Russland und Brasilien im Austausch dafür, dass sie Tundra und den Amazonas aufbauen und nicht abbauen.
Ich gebe zu von dieser Entwicklung sind wir Lichtjahre entfernt. Aber ohne diese Entwicklung sehe ich sehr große Probleme. Auch als Ingenieur halte ich es für nicht verantwortbar, nur auf Innovation zu setzen.
Als 14-Jähriger kaufte ich mir eher zufällig ein Kinder/Jugendbuch mit dem schlichten Titel Titanic. Mich hatte eigentlich nur der Buchdeckel angezogen. Man sah einen riesigen Dampfer, der fast senkrecht zu Meeresoberfläche stand und offensichtlich dabei war zu versinken. Erst viel später sah ich kleine Rettungsboote um den Dampfer gruppiert und so etwas wie ein Eisberg. Es war ein kurze, emotionale Kaufentscheidung. Ich machte mir nicht Mals die Mühe die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken zu lesen. Es sollte meine Sommerlektüre für das Jahr 1980 werden.
Künstlerische Darstellung des Untergangs der Titanic, Quelle Stern Online
Ich verschlang das Buch in den Sommerferien und schwankte zwischen Faszination und Angewidertheit. Doch zunächst hielt ich es nur für eine Geschichte. Bis mein Vater das Buch bei mir entdeckte und interessiert darin blättert. “Ja eine wirklich tragische Geschichte”, sagte er zu mir. “Ja, aber ist ja nur eine Geschichte”, erwiderte ich und er lachte. “Nein, nein, das ist wirklich passiert 1912 im April” sagte er und gab mir das Buch. Jetzt verstand ich mein komisches Gefühl beim Lesen des Buches. Auf der einen Seite wirkte es so detailgetreu, dass ich es für “echt” hielt, andererseits dachte ich, so blöd können Erwachsene gar nicht sein.
Nun ich sollte meine Meinung im Laufe der Jahre ändern. Rückblickend wird mir klar, dass der “Untergang der Titanic” für mich zu der “Parabel” des Scheiterns des modernen Menschen wurde. Sie entwickelte sich für mich als die “Benchmark” um privates und persönliches Scheitern bis hin zu kollektivem und globalem Versagens zu messen.
Das tragische, faszinierende an dieser wahren Geschichte ist, dass bis zuletzt die Geschichte einen zumindest deutlich geringeren tragischen Verlauf hätte nehmen können. Bis zuletzt hätten alle 2224 Menschen an Bord gerettet werden können. Doch am Ende verstarben 1514 Menschen in den eiskalten Fluten des Nordatlantiks.
Obwohl es wirklich, während der Jungfernfahrt der Titanic eine unglaubliche Kette von verhängnisvollen Ereignissen und Fehlentscheidungen gab, so ist, aus meiner Sicht, die Titanic hauptsächlich Opfer eines selbst gestrickten Mythos “vor” ihren “Lebzeiten” geworden. Heute würde man sagen, sie wurde Opfer ihres genialen Marketings, sie galt als:
UNSINKABLE
Als Ingenieur versuche ich den Begriff Schicksal eher nicht zu verwenden. Aber es ist offensichtlich, dass man mit so einem aggressiven Marketing, dann irgendwie doch das Schicksal herausfordert. Doch ich halte die psychologische Erklärung, wie sie im Buch “die Logik des Misslingens” von Dietrich Dörner analysiert wird für zielführender.
Es gab allerdings auch gute technische “Voraussetzungen” zu behaupten, dass die Titanic unsinkbar sei. Sie hatte das modernste hochautomatisierte Schottensystem ihrer Zeit. Ein Schott ist eine durchgehende Wand, die über einen Schließmechanismus manuel oder automatisiert wasserdicht verschlossen werden kann. Die Titanic verfügte außerdem über ein ausgeklügeltes Kollisonsschottensystem. Das Kollisionsschott trennt den Bug Teil des Schiffes von dem Rest. Der abgetrennte Raum dient zum Abbau der Kollisionsenergie, so dass der Rest des Schiffes wahrscheinlich dicht bleibt.
Dass dieses Kollisionsschottensystem funktionierte, davon hatte sich der Kapitän der Titanic, Edward Smith, selbst überzeugen können, zwar nicht mit der Titanic selbst aber mit der Olympic dem Schwester Schiff der Titanic. Am 20 September 1911 gab es eine Kollision der Olympic mit dem britischen Schlachtschiff Hawke. Während der Bug der Olympic zwar beschädigt wurde aber das Kollionsschottensystem perfekt funktionierte, verlor das britische Schlachtschiff seinen Bug komplett und musste aufgegeben werden. Man vermutet heute, dass auch aufgrund dieses Erlebnis Kapitän Smith die Titanic für kaum verwundbar hielt.
Der “Zwischenfall” mit der Hawke fügte der White Star Schiffahrtslinie der Olympic und Titanic allerdings einen massiven finanziellen Schaden zu. Zum einen forderte die britische Marine einen hohen Schadensersatz und bis März 1912 konnte die Olympic nicht für den Linienverkehr eingesetzt werden und außerdem verzögerte der Vorfall die Fertigstellung der Titanic. Es lastete also ein immenser Erfolgsdruck auf der Titanic noch bevor sie ins Meer stieß. Das Blaue Band musste gewonnen werden. Diese Trophäe war überlebensfähig für die White Star, so dachte man wohl.
Was passierte also am 14. April 1912 um 23:50. Die Titanic “raste” mit ca. 22 Knoten (ca. 40 Stundenkilometer) durch den Nordatlantik. Immer öfter meldeten die Funker dem Kapitän und den Offizieren der Titanic, dass Eisberge auf Schiffen mit gleicher Route gesichtet wurden. Die Reaktion der Führungsmannschaft war das Tempo auf 22 Knoten zu belassen aber die Aussichtstürme (Krehennester) mit jeweils zwei Personen zu besetzen, dummerweise ohne Fernglas. Es soll nur zwei Ferngläser gegeben haben, eins für den Kapitän und eins für den ersten Offizier William Murdoc. Dieser Mann stand am 14. April 1912 23:50 auf der Brücke und hatte das Kommando. Als ihn die klare Botschaft vom Krehennest ereilte: Iceberg ahead! Aus Berichten von Überlebenden der Mannschaft und Simulationen, die den Unfall rekonstruieren, geht man davon aus, dass der Eisberg erst 300 Meter vor der Titanic gesichtet wurde. 300 Meter sind erstaunlich wenig, denn es war klare Sicht in dieser Nacht vielleicht auch ein Grund, warum der Kapitän trotz Eiswarnungen die Geschwindigkeit der Titanic nicht deutlicher reduzierte.
Ergänzung: Der zweite Offizier Lightoller, der das Unglück als einziger Offizier überlebte, berichtete, dass bei Sichtung des Funkverkehrs nach dem Unfall ihm eine Eisbergwarnung des Dampfers M.S. Messala in die Hände fiel, der vor schwerem Packeis und Eisbergen in gleicher Route wie die Titanic schon am frühen Abend des 14. April 1912 warnte. Leider hatte es diese Nachrricht nicht bis zur Brücke geschafft.
Man nimmt heute an, dass es sich um einen blauen Eisberg handelte. Was bedeutet das? Wasser is flüssig wie aber auch im Festzustand eigentlich transparent. Schnee und Eis erscheinen uns weiß, durch die vom Eis eingeschlossene Luft. Die eingeschlossenen Luftbläßchen reflektieren das einfallende Licht weißlich. Je nachdem wie lange ein Eisberg im Wasser sich aufhält, entweicht immer mehr eingeschlossene Luft aus dem Eisberg und die Luft konzentriert sich im Kern des Eisberges. Dann schafft es nur noch energiereiches blaues Licht den Eisberg zu verlassen. Blaues Licht in einer klaren, dunklen Nacht vom Meeres und Horizonhintergrund zu differenzieren, zumal ohne Fernglas ist nahezu unmöglich. Ich halte das für eine plausible Erklärung, warum der Eisberg erst 300m vor der Titanic erspät wurde.
Welche Optionen hatte also um 23:50 am 14. April 1912 der erste Offizier Murdoc?
Er hätte sich auf die Physik und das “Operational Menu” der Titanic berufen können und schreien sollen: Leicht Steuerbord, Kurs halten, Antrieb volle Kraft zurück!
Das hätte zwar eine Kollision mit der Unterwasserflanke des Eisbergs bedeutet und damit den sofortigen Tod von ca. 200 Menschen der Besatzung bedeutet, die im Bug zu diesem Zeitpunkt arbeiteten. Berechnet man wie stark Stahl sich verformen lässt, so wären wohl maximal “nur” die beiden ersten Abteilungen im Bug zerstört worden. Das Kollionsschottensystem hätte, wie beim Unfall der Olympic mit der Hawke die Stoßenergie aufgenommen und die Titanic wäre nicht gesunken zumindest aber hätte man viel mehr Zeit gehabt die Überlebenden der ersten Kollision zu retten.
Nun so kam es nicht, sondern Murdoc schrie: Hart Steuerbord!
Hatte jedoch Murdoc wirklich die Option den Kollisionskurs zu wagen? Die Antwort ist, denke ich, klar: “Nein“. Seine Aufgabe war es die brandneue Titanic auf ihrer Jungfenfahrt heil und so schnell wie möglich nach New York zu bringen. Daher wollte er unbedingt noch vor dem Eisberg die Wende schaffen. Zwar war es unmöglich die Titanic schnell abzubremsen aber das elektrisch, hydraulische Steuerruder reagierte sofort. Und beinahe hätte es Murdoc geschafft. Die Wende gelingt, aber dann kommt das 1/7 Problem mit Eisbergen zum Tragen. Die Titanic fährt nun parallel zum herausschauenden Teil des Eisberges, demnach lauern noch 6/7 des Eisberges unter dem Wasser und hier waren es wohl harte Eis Unterwasserscheren, die die Titanic an ihrer schwachen Flankenseite aufritzen, wie ein Dosenöffner eine Dose. Aufgrund der hohen kinetischen Energie der Titanic wird deren Flanke über einen sehr weiten Bereich eingerissen. Dabei werden zu viele Abteilungen (sechs) der Titanic beschädigt und das Wasser kann auf breiter Front in die Titanic eindringen. Das hervorragende Schottensystem der Titanic kann zwar das Eindringen des Wassers verlangsamen aber ein Volllaufen des Schiffs aufgrund des immensen Wasserdrucks nicht verhindern.
Aber wegen dieses ausgezeichneten Schottensystems hätten immer noch zu diesem Zeitpunkt alle 2224 Passage und Mannschaftsmitglieder, trotz einer viel zu geringen Anzahl von Rettungsbooten gerettet werden können. Doch was jetzt passiert ist nur mit Murphies Law zu erklären: Was schief gehen kann, geht schief!
Ca. eine halbe Stunde nach dem Aufprall der Titanic mit dem Eisberg, der Brücke ist nun klar, dass das Schiff unwiderruflich sinken wird, werden die Funker angewiesen das ältere Rettungsfunksignal CQD (Come Quickly Danger) bzw. das neue Rettungssignal SOS in den “Äther” zu funken. Unter anderem ist es die Carpathia, die 107 km entfernt vom Unglücksort der Titanic ist, als sie deren Hilferuf empfängt. Sie ändert sofort den Kurs aber durch das starke Eisvorkommen ist sie erst vier Stunden später am Unglücksort. Doch viel näher ist die Californian am Unglücksort, nur 25km entfernt, hatte sie wegen des Eises haltgemacht. Doch ihr Funker hatte gegen 23 Uhr das Funkgerät abgeschaltet. Es gab damals noch keine Pflicht das Funkgerät in ständiger Bereitschaft zu haben. Matrosen der Californian berichten später, dass sie weiße Leuchtraketen beobachtet hätten und Lichterketten, die auf einmal verschwanden. Dass wohl in diesem Moment das damals weltgrößte Passagierschiff versank, ahnten sie nicht im Traum. Rote Leuchtkerzen hätte das “Ruder” noch rumreißen können. Aber die Titanic hatte keine an Bord, sie war ja unsinkbar und damit war ihr “Schicksal” besiegelt.
Nun warum erzähle ich diese alte und bekannte Geschichte? Ich möchte dieses Drama mit dem Klimawandel der letzten 250 Jahre vergleichen. Die Titanic als Parabel für unseren Umgang mit der Klimakrise zu wählen, hat natürlich auch dramaturgische Gründe aber aus meiner Sicht gibt es leider erschreckende Parallelen abgesehen davon, dass alle größeren Unglücke oft ein ähnliches Ablaufschema aufweisen.
Ich teile das Titanic Unglück nochmal grob in drei Zeitabschnitte ein:
Vorgeschichte
Aufprall mit dem Eisberg
Umgang mit dem Unfall
Wenn man versucht, dieses Ablaufschema auf den menschengemachten Klimawandel anzuwenden, merkt man das man schon, dass man ins Schleudern kommt. Ich setze den Unfall des Planeten Erde mit der Menschheit um 1770 an. Mit der Entwicklung der Dampfmaschine in Groß Britannien, entwickelt, um Grubenwasser in Kohleschächten abzupumpen. James Watt erfand sie zwar nicht, verbesserte aber ihre Funktionalität und Wirkungsgrad mit seinem Patent erheblich und verhalf der Dampfmaschine zum Durchbruch. Was dann geschieht, kann ich nur mit dem englischen Wort “unprecident” ausdrücken. Doch wann genau war jetzt der Aufprall des Menschen mit seinen Fähigkeiten mit den natürlichen Ressourcen des Planeten?
Seit dem späten Mittelalter war die Erde auf dem Weg in eine kleine Eiszeit. Ursachen dafür waren hauptsächlich große Vulkanausbrüche in Südostasien, die die Atmosphäre mit Rußpartikeln überschütteten, so dass die Sonneneinstrahlung vermindert wurde. Doch ab ca. 18 Hundert nach Christus ist eine deutliche Trendwende zu beobachten und ein rasanter Anstieg der mittleren globalen Temperatur zu erkennen. Also im Zeitraum Ende 18. Jahrhundert bzw. Beginn 19. Jahrhundert terminiere ich den Unfall.
Aus dem Buch: Regenerative Energiesysteme von Volker Quaschning
Doch gesehen oder nur geahnt, dass da ein Problem kommen könnte, hat das natürlich niemand. Aber der Wendepunkt im globalen Temperaturverlauf im 19. Jahrhundert ist schon beeindruckend. Was man aber natürlich sah und roch beim Verbrennen der Kohle war der schwarze Ruß, die stinkenden und giftigen Gase der Stickoxide. Das farb- und geruchlose Gas CO2, das auch weniger toxisch ist als die Stickoxide, das blieb ganz im Hintergrund.
Die Grundlagen, um überhaupt zu erkennen, dass ein Unfall stattgefunden hat wurden im 19. Jahrhundert erarbeitet. Ich zitiere aus einem Internet Beitrag des Bayrischen Rundfunks (BR 24):
Schon vor rund 200 Jahren beschreibt Joseph Fourier als erster den Treibhauseffekt, ohne den auf der Erde ein eisiges, lebensfeindliches Klima herrschen würde: Das Sonnenlicht bringt Wärme auf die Erde, die von der Atmosphäre zurückgehalten wird und nicht wieder ins All entweicht. Dass das Gas Kohlendioxid (CO2) dabei eine Rolle spielt, entdeckte die Amerikanerin Eunice Foote in den 1850er-Jahren. Auch der der Brite John Tyndall erforscht um 1862 den natürlichen Treibhauseffekt und stellt neben CO2 weitere Treibhausgase fest.
Doch zunächst halten alle Forscher diese Erderwärmung für etwas Gutes.
Ich zitiere weiter aus diesem Beitrag:
Es ist ein deutscher Forscher, der im Zweiten Weltkrieg dann deutlich davor warnt, dass die zukünftige Bedeutung dieser langsamen, aber stetigen Klimaerwärmung nicht abgeschätzt werden kann.
“Mit einem Fortschreiten dieser sehr langsamen Erhöhung der Temperatur … muss gerechnet werden. Damit wird aber die Tätigkeit des Menschen zur Ursache einer erdumspannenden Klimaänderung, deren zukünftige Bedeutung niemand ahnen kann.” Hermann Flohn, 1941
Man sollte meinen das 1941 Menschen, gerade in Deutschland andere Sorgen hatten als an einen heraufziehenden Klimawandel zu denken. Hermann Flohn ist aber ein Zeichen dafür, dass es Menschen gibt, die auch in extremer akuter Situation einen weiten Blick nach vorne wagen und uns damit einen Spiegel vorsetzen.
Am Ende des 20. Jahrhunderts ist es Hoimar von Ditfurth, Psychater, Biologe und Generalist, dem es zu verdanken ist, dass in Deutschland einem größerer Teil der Bevölkerung klar wird, dass da ein Aufprall stattgefunden hat.
Hoimar von Ditfurth 1978
Wo sind wir also, wenn wir die Klimakrise mit dem Bild der Titanic vergleichen? Wir sind, aus meiner Sicht, schon deutlich nach Mitternacht also ca. 00:30 am 15. April 1912. Die Titanic war um 23:40 am 14. April mit dem Eisberg kollidiert. Zwei Stunden und 40 Minuten später versank sie endgültig in den eiskalten Fluten des Nordatlantiks. Um 00:30 laufen noch die Generatoren im gut geschützen Maschinenraum der Titanic. Es ist also noch Strom für Licht und die Funksysteme vorhanden. Die ersten Rettungsboote verlassen das Mutterschiff.
Können wir also in dieser Situation dem Planeten Erde mit seinem schwer angeschlagenen Öko System helfen und erschwerend hinzukommend mit einem Krieg belastet, der schon existierende ökonomische Verwerfungen durch die Panademie nochmals verschärft?
Ich kann diese Frage nicht beantworten aber ich kann klar sagen, dass wenn wir so weitermachen, wir in 90 Titanic Minuten mit Mann und Maus untergehen. Im schlimmsten Szenario, dass ich mir vorstellen kann, kann dies bedeuten, dass am Ende dieses Jahrhunderts die Menschheit, ähnlich wie bei der Titanic, auf einen drastischen Anteil der heutigen Bevölkerung sinkt und die Menschheit nur noch ein Schatten ihrer Selbst darstellt. Das ist wie gesagt eine persönliche Einschätzung, die nicht wissenschaftlich fundiert ist. Auch gab es schon viele Untergangsprognosen und es kam anders. Doch, dass es anders kam, bedeuetet nicht, dass ein Scheitern der Menschheit aus eigenem Handeln heraus unmöglich ist. Die Gefahr eines möglichen Atom Krieges als Folge von eskalierenden Wetterextremen durch die Klimakrise erwähne ich einfach mal unkommentiert.
Aber soweit muss es auch nicht kommen. Wir müssen, um im Titanic Bild zu bleiben, den Druck gegen die Spuntwände der Schotten der vollaufenden Titanic reduzieren, so dass sie langsamer Schritt für Schritt bersten. Ich schreibe langsamer bersten, weil derzeit keine Technik in realisierbarer Sichtweite ist, die uns eine Erde zurückbringt, wie ich sie noch zu meiner Kindheit kannte. Wir müssen also unbedingt Zeit gewinnen, um eine Innovation aufzubauen, die es erlaubt der Natur wieder auf die Beine zu kommen.
Doch ist das realistisch gerade bei einem Szenario, wo sich die Menschheit ans Messer will. Die Welt ist in nur wenigen Jahren nach 1990 wieder in Blöcke zerfallen. Dabei ist anzunehmen, dass die Blockbildung nach dem 2. WK nie überwunden wurde, sondern höchstens für eine kure Zeit überdeckt wurde. Ich glaube leider, dass es nicht viel gibt, was uns Menschen zusammenhält aber einen Punkt gibt es doch und das ist der Überlebenswille. Bei allen Konflikten, die es zwischen Staaten und innerhalb von Gesellschaften gibt, sollte uns eine Erkenntnis unter Umständen retten: Es gibt ihn nicht den Planet B, nicht in Reichweite von Jahrzehnten wahrscheinlich Jahrhunderten. Unser Überlebenswille sollte uns klar machen, dass wir so wie wir Hand in Hand gegen die Natur in den letzten 200 Jahren gearbeitet haben nun Hand in Hand mit der Natur arbeiten müssen. Und da Natur vom griechischem abstammt “von selbst” (versus techne= vom Mensch) sollten wir sehr bald ihr mehr Platz zugestehen. Denn mein “technischer Instinkt” sagt mir, dass die Natur sich am besten selbst repariert und je schneller wir das kapieren, umso besser für uns.
Als Rheinländer kann so leicht einem nichts erschüttern. Es sei denn Vater Rhein geht es nicht gut. Und diese Situation erlebe ich als Rheinanlieger nun immer häufiger. Zum erstenmal in sehr schütterer Form erlebte ich den Rhein 2003. Es war ein sehr heißer und dementsprechend auch trockener Sommer. Viele sprachen vom Jahrhundertsommer aber mir schwante schon, dass dies nun öfter vorkommen könnte als einmal im Jahrhundert. Denn entweder bin ich in einen relativitischen Zeitsprung geraten und keiner hat mir, wie immer ;-), etwas gesagt oder an diesem “Gott verdammten” Entschuldigung ich meine, dieser von Menschen gemachte Klimawandel ist real. Denn im Jahre 2018 war der Sommer zwar nicht heißer aber trockener als in 2003 und jetzt in 2022 ist er noch trockerner und die Trockenheit ist auch europaweit gesehen noch trockener als 2018. Wenn also kein relativitischer Raumzeit Effekt aufgetreten ist, plädiere ich für die naheliegendere Erklärung.
Wer nochmal genau wissen möchte, wie wir in dieses immer öfter auftretende Event, was auch in das genaue Gegenteil verkehren kann, wir erinnern uns an das letze Jahr, gekommen sind, dem empfehle ich nochmal meinen Blog zum Thema Klimawandel: https://chrisfaustulus.wordpress.com/2021/08/06/klimawandel/ zu lesen.
Ich frage mich auch, wie die Menschen im Ahrtal diese Dürre erleben. Unsere Kanzlerin ad käme wohl wieder zur Festellung von surrealen Bildern, die mir aber sehr real scheinen.
Als Ingenieur bleibt mir nichts anderes übrig als den Naturwissenschaftlern zuzustimmen:
Die Natur verhandelt nicht über ihre Gesetze
Wir sollten die planetaren Grenzen unseres Planeten endlich begreifen. Er kann ohne uns wir aber nicht ohne ihn.
Ein Leser machte mich doch aufmerksam auf eine sehr unglückliche Formulierung in meinem letzten Blog. Ich schrieb, dass das Licht nach 13,7 Milliarden Jahren nun bei uns eintrifft und eine Strecke von 40-45 Milliarden Lichtjahren zurückgelegt hätte.
Das Licht, dass vor ca. 13,7 Milliarden Jahren von einer Galaxie in die Richtung abgeschickt wurde, wo heute das Space Telescope James Webb ruht, hat eine geringere Strecke als 40-45 Milliarden Lichtjahre zu uns zurückgelegt aber durch die Raumzeit Expansion des Weltalls eine größere Strecke als 13,7 Milliarden Lichtjahre.
Besser erklären kann man das an einem Raumzeit Diagramm:
Raumzeit Diagramm
Auf der horizontalen Achse ist der Abstand eines Objektes zu Erde aufgetragen und auf der Vertikalen die Zeit. Sei der grüne Punkt links eine Galaxie, die 100 Millionen Jahren nach dem Urknall Licht in Richtung unserer entstehenden Milchstraße schickt, in der ca. 9,2 Milliarden Jahre später unsere Sonne samt Erde auftaucht. Doch obwohl das Licht dieser Galaxie, zu “uns” abgestrahlt wurde, entfernt es sich zunächst, weil es gegen die Expansion des Universums wie gegen eine Strömung ankämpfen muss. Dabei kann sich der Raum des Universums sogar schneller als mit Lichtgeschwindigkeit c ausbreiten. Alle Objekte innerhalb des Raumes allerdings nicht. Mit der Zeit kann das abgestrahlte Licht aber zumindest den Abstand zu “uns” halten und dann sukzessive abbauen bis es eben 13,7 Milliarden Jahre später auf den Spiegel des Webb Teleskops auftrifft.
Währenddessen ist allerdings die Galaxie selber, die das Licht in unsere Richtung abgegeben hat vor 13,7 Milliarden Jahren bis zu 45 Milliarden Lichtjahre von uns “weggedriftet” (wohlgemerkt nicht, weil sie einen Antriebsmotor hat, sondern weil sich Raum mit der Zeit zwischen ihr und unserer Galaxie gebildet hat, der zuvor nicht da war). Dies sei mit dem zweiten grünen Punkt rechts im Diagramm aufgezeigt. Licht aus dieser damals “nahen” Galaxie, das vor dem sogenannten Teilchenhorizont aber hinter dem Ereignishorizont heute abgeschickt wird, würde uns nie erreichen. Der Ereignishorizont markiert die räumlich-zeitliche Grenze, ab der wir Informationen von Objekten heute und in Zukunft nicht mehr erhalten werden.
Der Ereignishorizont macht deswegen auch deutlich, warum wir wohl auch in Zukunft kaum Leben auf intergalaktischen Sphären zu suchen brauchen. Sollten Lebewesen ähnlich viel Zeit auf ihrem Planeten gebraucht haben, wie wir, bis sie fähig wurden elektromagnetische Signale zu verschicken und zu empfangen, dann kommen, wenn überhaupt, nur Galaxien in unserer lokalen Gruppe in Frage.
Deswegen sucht das James Webb Teleskop Bio Marker auf Exoplaneten innerhalb der Milchstraße.
Böse Zungen behauptet jemand habe sich etwas dabei gedacht, dass wir nur maximal bis zum Ereignishorizont kommunizieren können aber es sei zumindest erwähnt, dass dieser Ereignishorizont höchst wahrscheinlich für alle Galaxien in diesem gar nicht so kleinem Universum existiert.
Für mich ist am heutigen Tag, der 12. Juli 2022, Weihnachten. Nein keine Sorge, das ist nicht wieder ein Beitrag zum Klimawandel. Dass es heiß und trocken ist, das gehört zum Sommer und dass wir ein Problem mit der globalen Durchschnittstemperatur haben, sehen ja doch immer mehr Menschen, wenn auch widerstrebend, ein. Aber ich hatte ja in meinem Blog: https://chrisfaustulus.wordpress.com/2021/12/16/eine-etwas-andere-weihnachtsgeschichte/ vom Start des “James Webb Space Telescope” geschrieben und versucht die Entstehung des Universums aus naturwissenschaftlicher Sicht zu beschreiben.
Zur Weihnachtszeit 2021 war alles andere als klar, dass dieses “tennis court” große Weltraum Teleskop mit seinen wabenförmigen Spiegelkomponenten richtig entfaltet im Lagrange Punkt L2 überhaupt ankäme, geschweige, dass es die Bilder zeigen würde, die gestern Nacht die NASA der Weltöffentlichkeit präsentiert hat.
Die Wissenschaftler sind ganz aus dem Häuschen und auch ich muss zugeben, dass ich etwas Pipi in die Augen bekomme, wenn ich diese “deep field” Aufnahmen anschaue. Zur Einordnung noch einmal ein paar Infos:
Wenn wir nach draußen schauen, kommt das Licht, das in unsere Linse fällt, von der Sonne, die es acht Minuten zuvor verschickt hat.
Wenn wir in den Sternenhimmel schauen, dann sehen wir das Licht der Sterne aus unser Galaxie der Milchstraße, das vor ca. 3-4 tausend Jahren abgeschickt wurde.
Woran liegt das? Das liegt an der konstanten Lichtgeschwindigkeit c=3*108 m/s. Egal in welchem Bezugssystem wir uns befinden, beschleunigt oder mit konstanter Geschwindigkeit zu einem Bezugspunkt, die Messung der Lichtgeschwindigkeit ergibt immer wieder die Konstante c. Nur wegen dieser penetranten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit “musste” Einstein seine Relativitätstheorie entwickeln, die er viel lieber Invarianz Theorie genannt hätte. Denn wegen dieser invarianten Lichtgeschwindigkeit gehen die Uhren in unterschiedlichen Bezugssystemen unterschiedlich mal langsamer, mal schneller und auch die Längenmaßstäbe sind in unterschiedlichen Bezugssystemen nicht gleich, alles nur um die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zu bewahren.
Es ist auch ganz gut so, dass dies so ist, denn man kann zeigen (Minkowski Diagramme), dass bei über lichtschnellen Geschwindigkeiten, das Ursache-Wirkungsprinzip gebrochen werden kann und dann wäre wirklich Chaos angesagt(ok, wir Menschen schaffen Chaos auch unter Lichtgeschwindigkeit) .
Nun aber zurück zum James Webb Teleskop und seinen ersten “Deep Field” Aufnahmen. Wenn es vor 13,6 bis 13,7 Milliarden Jahres eine ISS gegeben hätte, dann hätten die Astronauten mit bloßem Auge tausende zum “greifen” nahe Galaxien beobachten können.
Heute schätzt man die Existenz von Milliarden von Galaxien, wobei jede Galaxie zwischen 200-400 Milliarden Sonnen enthält. Das Licht, was vor ca. 13,6 bis 13,7 Milliarden Jahren abgeschickt wurde und jetzt auf die Detektoren des James Webb Teleskop auftrifft, zeigt das sehr junge Universum ab 100 Millionen Jahre+. Dabei hat das Licht eine Strecke von ca. 40-45 Milliarden Lichtjahren zurückgelegt.
Wie geht das, wenn die Lichtgeschwindigkeit doch konstant ist? Das liegt eben daran, dass die Raumzeit expandiert. Das will heißen, dass zwischen den Galaxien sich immer mehr Raum mit der Zeit bildet. Das Universum geht also auf, wie ein Hefeteig und nebenbei verschiebt sich dabei die Wellenlänge des emittierten Lichtes in das rote Spektrum (es wird langwelliger). So braucht man nun “super” infrarot Augen, wie es das James Webb Teleskop eben hat, um dieses Licht noch zu sehen. Aber vor 13,7 Milliarden Jahren hätte da ganz normale Menschen Augen gereicht.
Ich wünsche viel Spaß beim betrachten des Universums vor 13,6-13,7 Milliarden Jahren. Und wie immer wünsche ich gerade in diesen Tagen einen kühlen Kopf.
Wie “immer” in diesen Zeiten weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. So viele “Threads” sind unterwegs, wie wir Programmierer sagen. Vor Jahren sagte mein Cousin zu mir: “Wir leben in der Zeit des rasenden Stillstandes” und mir fällt auch heute kein treffenderer Ausdruck ein. Dabei sollten wir uns hüten zu denken, dass die jetzige Zeit so einzigartig sei. Es gibt da so ein schönes Buch: “1913, der Sommer des Jahrhunderts” in dem viele Menschen Neurasthenien erlitten. Heute würde man dazu “Burn out” sagen. Was war damals los? Einiges z.B. wurde mit Crystal Meth experimentiert aber hauptsächlich stresste die Menschen die zweite industrielle Revolution, die u.a. ein mobile Revolution ungeahnten Ausmaßes einläutete. Nicht nur verband die Eisenbahn Städte miteinander sondern Straßen- und U-Bahnen sowie Automobile führten nun auch innerhalb der Ortschaften zu einer unglaublichen “Mobilisierung” der Menschen. Und die Flugzeuge standen schon in den Startlöchern. Es ist daher wohl kein Wunder, dass Albert Einstein seine Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie zwischen 1905 bis 1915 entwickelte. Als eidgenössischer technischer Spezialist “dritter” Klasse war er Zuständig für die Untersuchung mechanischer Anwendungen und dazu gehörten hauptsächlich Uhren. Denn ganz klar, in einer Zeit, in der sich alles bewegt ist die Frage nach Raum und Zeit der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Dass seine Relativitätstheorie die tradierten Raum-Zeit Vorstellungen gründlich veränderten, dass daraus E=mc2 abgeleitet wurde, was wiederum ein wesentlicher Eckpfeiler für die Atombombe wurde, das konnte aber im Sommer 1913 noch keiner ahnen.
Der Begriff “rasender Stillstand” trifft aber auch in der Hinsicht zu, dass zu der mobilen Revolution im 20. Jahrhundert sich leider nicht nur der ÖVNP entwickelte (und dann wieder, in Deutschland zumindest, zurück entwickelte) sondern auch Panzer entwickelt wurden, die ganz wesentlich zum Sieg der westlichen Alleierten im ersten Weltkrieg führten (die USA führten sie ein). Und jetzt sehen wir 1.500 km östlich von uns, noch in reduzierter Form, letztlich den zweiten Weltkrieg in “bunt”.
Die Auswirkungen des Ukraine Kriegs sind unabsehbar. Die Warnung des Veltins Chef im Handelsblatt, dass bei einem “No Gas” Szenario keine Bierflaschen mehr produziert werden können und das auch noch im Hochsommer, mag noch als Treppenwitz der Geschichte durchgehen, die mögliche Rezession mit einem Wirtschaftseinbruch von 12,7% spricht eine noch deutlichere Dramatik an (siehe Spiegel Artikel: Die Not frisst sich nach oben (aktuelle Ausgabe)). Zum Vergleich im Zeitraum der Bankenkrise 2008-2009 brach das BIP in Deutschland um 5% ein. Aus solchen Entwicklungen, da muss man nicht sehr visionär sein, daraus können Weltkriege entstehen aber es muss nicht so sein.
Hinzu kommt allerdings, dass wir auch eine sich stark veränderte ökologische Grundstruktur vorfinden. Das war zwar schon im letzten Jahrhundert so, nur waren die Auswirkungen noch nicht so spürbar. Südeuropa ist derzeit ein Glutofen. Der Po ist derzeit nicht existent und der Garder See wird ihn nicht retten ( https://youtu.be/TpyTF9hj_IM ). Für Deutschland wird ab Mitte Juli ein 40 Grad Szenario prognostiziert.
Sind wir also im A…? Ich kann das nur mit einem klaren “Jein” beantworten. Im Bereich der regenerativen Energien tut sich sehr viel, siehe z.B. hier: https://youtu.be/_zU7-mRrwYA . In diesem Sommer werden aber auch dramatische wissenschaftliche Erfolge realisiert. Da ist z.B. die Inbetriebnahme des LSCS II in den USA in wenigen Tagen. Das ist eine riesige Anlage, die als Hauptbestandteil einen Ultra hochgepulsten Röntgen Laser steuert mit dem, vereinfacht gesagt, ein Stroboskop aufgebaut wird, das so schnell und viele Aufnahmen pro Zeit macht, so dass man den Elektronen beim Quantensprung in Molekülen bei chemischen Reaktionen “zusehen” kann. Das eröffnet für viele Anwendungen in Medizin und Materialaufbau gigantisches Potential, die z.B. in wesentlich effektiveren Batterien münden können (https://youtu.be/P9fSDTsdi68).
Apropos Medizin auch hier laufen unglaubliche Prozesse ab, die wie immer zweischneidig sind, aber eben auch Chancen bieten. Die Gentechnik und die Analysen am Gnom haben das Verständnis des Alterungsprozesses unglaublich erhöht. Und letztlich sterben wir durch das Altern. Ab dem 10. Lebensjahr verdoppelt sich unsere Mortalitätsrate alle acht Jahre und deswegen gibt es so wenige 100 Jährige. Zu diesem Thema verweise ich auf ein Video eines britischen Wissenschaftlers zum Thema Ageing. Dabei erfährt man eben sehr genau, was alles ab 40-50 so schief läuft in unserem Körper, so dass ich mich schon wunderte, dass ich noch am Leben bin (https://youtu.be/fX9P1xuIJGg und https://youtu.be/QRt7LjqJ45k ).
Zum Schluss ein Sprung in den Makrokosmos. In wenigen Tagen werden die ersten wissenschaftlichen Bilder des James Webb Teleskops veröffentlicht. Die Daten sind Top Secret aber die wissenschaftliche Community hat schon verlauten lassen, dass sie zu Tränen gerührt ist von diesen Bildern. Mit dem James Webb Teleskop verfolgt man, sehr grob gesagt, zwei Ziele:
Wie entstanden ca. 100 Millionen Jahre nach dem Urknall die ersten Galaxien mit ihren Sonnen?
Analyse der Atmosphäre von Exo-Planeten in “unserer” Milchstraße.
Beide Schwerpunkte können ungeahnte Lösungen für Probleme unserer Zeit bieten. Ein Patentanwalt in der Schweiz hat es 1905-1915 vorgemacht.
Für jeden erscheint die Zukunft, glaube ich, öfter als einem lieb ist, wie eine undurchdringliche riesige Wand, durch die zunächst kein Durschreiten möglich erscheint. Diese Wand ist in der Tat riesig aber bei genaueren Hinsehen erkennt man Löcher und Risse, die ein Hindurchschreiten ermöglichen.
Physiker sprechen, “etwas” unromantisch, von einem Phasenübergang in einen neuen Aggregatzustand. Was das für Menschen bedeuten kann, erleben derzeit vor allen Dingen die Ukrainer aber auch russische Soldaten an der Front.
Trotz allem hoffe ich, dass die Menschen mit dem beginnenden 22. Jahrhundert ein “Aggregatzustand” gefunden haben werden, der aus unserer heutigen Sicht sicherlich nicht erstrebenswert erscheint aber aus deren Sicht so zufriedenstellen sein mag, so dass sie an unsere Zeit nur mit schaudern denken werden.
Allen Lesern wünsche ich für nächsten Tage und Wochen im doppelten Sinne einen kühlen Kopf.