Die vom Menschen verursachte Veränderung des globalen Klimas wird häufig mit dem Begriff “Anthropozän” verbunden, der für das “Zeitalter des Menschen” steht. Die Veränderung des globalen Klimas, hervorgerufen durch eine starke Erhöhung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre im Vergleich zu den letzten 800.000 Jahren (aktuell 425 ppm gegenüber 300 ppm, was einem Anstieg von 41 % gegenüber dem CO₂-Maximum der letzten 800.000 Jahre entspricht), ist jedoch nur eine Seite des menschlichen Fußabdrucks.

Sehr viel drastischer wird der Einfluss des Menschen an der Reduktion der natürlichen Biomasse deutlich. Ein fürchterlich menschlicher Begriff, der alles Leben, Pflanzen wie Tiere, in Tonnen abmisst. So betrug die natürliche Biomasse vor der Industrialisierung 2.000 Milliarden Tonnen. Der Mensch hat diese Biomasse in den letzten 200 Jahren auf 1.200 Milliarden Tonnen “reduziert”, ich bevorzuge den Begriff massakriert.
Was diese “Reduktion” bedeutet, kann man etwas besser erahnen, wenn man folgende Grafiken sich vergegenwärtigt:


Ich glaube, diese Grafiken sprechen für sich. Gleichzeitig hat der Mensch die Produktion von anthropogenen Stoffen, wie Stahl, Beton und Plastik mithilfe fossiler Brennstoffe in den letzten 200 Jahren hochgefahren und vor zwei Jahren die Menge der natürlichen Biomasse übertroffen (man denke z.B. an die riesigen Plastikinseln im Meer). Der Faktor Mensch auf diesem Planeten ist also unbestreitbar, trotzdem tun wir Menschen das, auch so eine anthropogene Eigenschaft.
Um die schwierige Situation zu verdeutlichen, in der die Menschheit sich befindet, habe ich die jüngsten Publikationen von Professor Stefan Rahmstorf zur AMOC (Atlantic Meredial Overturning Circulation) und ein auf YouTube veröffentlichen Vortrag von Professor Schellenhuber (beide Potsdam Institut für Klimaforschung) mit ChatGPT 4o zusammen fassen lassen:
Die neuesten Erkenntnisse von Stefan Rahmstorf zum AMOC
Die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) spielt eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem. Sie transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und kälteres Wasser zurück in den Süden. Jüngste Forschungsergebnisse von Stefan Rahmstorf und seinem Team am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung deuten darauf hin, dass die AMOC aufgrund des menschlich verursachten Klimawandels signifikant geschwächt ist und möglicherweise einen kritischen Kipppunkt erreicht.
Rahmstorf betont, dass aktuelle Beobachtungen und Modellierungen zeigen, dass die AMOC seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine deutliche Abschwächung erfahren hat. Dies wird durch das Abschmelzen des Grönlandeises und die Zufuhr von Süßwasser in den Nordatlantik verursacht, was die Dichte des Wassers verringert und die Tiefenwasserbildung beeinträchtigt. Diese Veränderung könnte schwerwiegende klimatische Folgen haben, wie drastische Temperaturveränderungen in Europa und erhöhte Meeresspiegel an der US-Ostküste (Potsdam Climate Institute) (RealClimate) (RealClimate).
Ein entscheidender Aspekt von Rahmstorfs Forschung ist die Identifizierung von frühen Warnsignalen, die auf ein bevorstehendes Kippen der AMOC hinweisen könnten. Diese Signale basieren auf physikalischen Modellen, die zeigen, dass die Stabilität der AMOC durch fortgesetzte Erwärmung und Süßwasserzufuhr gefährdet ist. Rahmstorf warnt davor, dass ohne eine rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen das Risiko eines Kollapses der AMOC erheblich steigt. Ein solcher Kollaps würde nicht nur das europäische Klima drastisch verändern, sondern auch globale Wetter- und Klimamuster beeinflussen, was zu weitreichenden ökologischen und ökonomischen Konsequenzen führen könnte (Potsdam Climate Institute) (RealClimate) (RealClimate).
Schellnhubers Vortrag zur Klimakrise und dem Anthropozän
Professor Hans Joachim Schellnhuber, ein weiterer führender Klimawissenschaftler, betont in seinem Vortrag die tiefgreifenden Veränderungen, die durch das Anthropozän – das Zeitalter des Menschen – verursacht wurden. Er stellt fest, dass die Menschheit die natürliche Biomasse des Planeten durch die Produktion von anthropogenen Materialien wie Beton, Stahl und Plastik übertroffen hat. Diese Entwicklung hat gravierende Auswirkungen auf das globale Ökosystem und das Klima.
Schellnhuber erklärt, dass vor der industriellen Revolution etwa 2000 Milliarden Tonnen lebender Biomasse existierten. Durch menschliche Aktivitäten wurde diese Menge auf etwa 1200 Milliarden Tonnen reduziert. Gleichzeitig hat die Masse der vom Menschen produzierten Materialien inzwischen die der natürlichen Biomasse übertroffen. Diese Verschiebung wird als ein Kennzeichen des Anthropozäns angesehen und verdeutlicht die tiefgreifende und oft zerstörerische Rolle des Menschen im Erdsystem.
Ein zentrales Thema in Schellnhubers Vortrag ist die Notwendigkeit, nachhaltige Materialien und Bauweisen zu fördern. Er argumentiert, dass der Bausektor erheblich zur Freisetzung von Treibhausgasen beiträgt und eine Umstellung auf Bio-basierte Baustoffe, wie Holz, nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch CO₂ aus der Atmosphäre binden könnte. Er nennt dies die “große Materialwende”, bei der die gebaute Umwelt zu einer Kohlenstoffsenke wird und somit aktiv zur Klimastabilisierung beiträgt.
Historische Verantwortung der Europäer
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Schellnhuber hervorhebt, ist die historische Verantwortung der Europäer für den derzeitigen Zustand der globalen Umwelt. Er weist darauf hin, dass europäische Länder durch ihre kolonialen Aktivitäten erheblich zur Entwaldung und zur Emission von Treibhausgasen beigetragen haben. Diese historischen Emissionen resultieren nicht nur aus der Industrialisierung in Europa selbst, sondern auch aus der Ausbeutung von Ressourcen in den Kolonien.
Schellnhuber verdeutlicht, dass Länder wie z.B. die Niederlande durch die Entwaldung in ihren ehemaligen Kolonien, insbesondere in Indonesien, eine enorme Menge an Treibhausgasen freigesetzt haben. Diese historische Verantwortung verpflichtet die Industrieländer, führend bei den Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu sein und den Globalen Süden in seinen nachhaltigen Entwicklungszielen zu unterstützen.
Zusammenfassend betont Schellnhuber die Notwendigkeit einer globalen Zusammenarbeit und einer Umstellung auf nachhaltige Praktiken, um die Klimakrise zu bewältigen. Nur durch innovative Ansätze und internationale Solidarität kann die Menschheit die Herausforderungen des Anthropozäns meistern und eine lebenswerte Zukunft sichern.
Ich persönlich glaube nicht, dass es diese internationale Solidarität ausreichend gibt. Wenn es sie gäbe, mit einer gewissen Selbstreflexion, würden die Menschheit nichts anderes tun, also Wege zu finden, dass in Indien nicht das Gleiche passiert wie in China von 1990 bis heute:

Das Rad des Fortschritts des Menschen ist nicht so einfach zurückzudrehen und dass alle Menschen auf diesen Planeten den gleichen Wohlstand wie Europäer und Nordamerikaner haben wollen, ist selbstredend.
Aber der Fortschritt hat viele Schattenseiten, die in erster Linie auch nicht beabsichtigt waren und nicht im Entferntesten absehbar waren. So fing das Zeitalter des Anthropozän aus meiner Sicht und etlichen Wissenschaftlern aus verschiedensten Gebieten lang vor der Industrialisierung im 18. Jahrhundert an:
Neolithische Revolution als Beginn des Anthropozäns
Die neolithische Revolution:
- Definition und Bedeutung: Die neolithische Revolution, die vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren begann, markiert den Übergang von Jäger- und Sammlergesellschaften zu sesshaften agrarischen Gemeinschaften. Diese Veränderung führte zu tiefgreifenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Transformationen.
- Auswirkungen: Mit der neolithischen Revolution begann der Mensch, die Landschaft in großem Maßstab zu verändern, Wälder zu roden und Tiere zu domestizieren. Dies führte zu ersten signifikanten Veränderungen im Ökosystem und den globalen biogeochemischen Kreisläufen.
Argumente für ein früheres Anthropozän
- Frühe Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen:
- Landwirtschaft und Viehzucht, die mit der neolithischen Revolution einhergingen, hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Umwelt. Die großflächige Umwandlung von Wäldern in Ackerland und Weideflächen führte zu einem Rückgang der natürlichen Vegetation und einer Veränderung der Biodiversität.
- Diese frühzeitigen Eingriffe in die Natur veränderten die Zusammensetzung der Atmosphäre, insbesondere durch den Anstieg von Methan- und CO2-Konzentrationen aufgrund von Rodungen und der Bewirtschaftung von Reisfeldern.
- Archäologische und geologische Beweise:
- Geologische Untersuchungen zeigen, dass bereits in der Zeit der neolithischen Revolution messbare Spuren menschlicher Aktivitäten in den Sedimenten und Eisbohrkernen nachweisbar sind. Diese Indikatoren umfassen unter anderem Pollenanalysen, die auf großflächige Rodungen hinweisen, sowie Spuren von landwirtschaftlichen Aktivitäten.
- Langfristige ökologische Veränderungen:
- Der Übergang zur sesshaften Lebensweise führte zu einer drastischen Erhöhung der menschlichen Population und der Nutzung natürlicher Ressourcen. Diese Entwicklungen setzten Prozesse in Gang, die die globalen Umweltbedingungen nachhaltig veränderten und die Basis für spätere industrielle Eingriffe schufen.
Diskussion und Kontroversen
- Gegenüberstellung zur industriellen Revolution:
- Während die industrielle Revolution unbestreitbar eine bedeutende Zäsur in der menschlichen Geschichte und Umweltwirkung darstellt, argumentieren einige Wissenschaftler, dass die tiefgreifenden Veränderungen der Umwelt und der Ökosysteme bereits mit der neolithischen Revolution begannen.
- Die industrielle Revolution brachte eine exponentielle Beschleunigung dieser Prozesse mit sich, besonders durch die Nutzung fossiler Brennstoffe und die damit verbundene Freisetzung großer Mengen von Treibhausgasen
Quellen
- Lewis, S. L., & Maslin, M. A. (2015). Defining the Anthropocene. Nature, 519, 171-180.
- Steffen, W., Crutzen, P., & McNeill, J. (2007). The Anthropocene: Are humans now overwhelming the great forces of nature? Ambio, 36(8), 614-621.
- Bonneuil, C., & Fressoz, J. (2016). The shock of the Anthropocene: The earth, history, and us. Verso, London.
- Rull, V. (2017). The “Anthropocene”: Neglects, misconceptions, and possible futures. EMBO Reports, 18(7), 1056-1060.
Mit diesem Querverweis möchte ich auch erinnern, dass nicht nur die Industrie, das Auto und die Heizung zum Klimawandel beitragen, sondern in einem unfassbar großen Maße auch die moderne Landwirtschaft inklusive der Reduzierung der Artenvielfalt. Obwohl es in Europa nur noch sehr wenige Bauen gibt:
Etwa 4,2 % der Gesamtbeschäftigung in der EU entfällt auf die Landwirtschaft, was etwa 9,4 Millionen Menschen entspricht (European Commission) (European Commission).Alter und Geschlecht: Die meisten landwirtschaftlichen Betriebsleiter sind männlich (68,4 %) und älter als 55 Jahre (57,6 %). Junge Landwirte unter 40 Jahren machen nur 11,9 % aus (European Commission). Generationswechsel: Ein Problem in der EU ist der langsame Generationswechsel in der Landwirtschaft. Nur 6,5 % der Betriebsleiter sind jünger als 35 Jahre, während etwa ein Drittel der Betriebsleiter 65 Jahre oder älter ist (European Commission)
…ist ihr politischer Einfluss immer noch erheblich, wie die aktuelle Bundesregierung zu spüren bekam. Was aber nichts daran ändert, dass man heute z.B. Flüssen lieber wünschen sollte durch industrialisierte Umgebungen zu fließen, da die Umweltauflagen innerhalb der EU für Industrieanlagen wesentlich schärfer sind als für die Landwirtschaft.
Gründe für den besseren Zustand von Flüssen in industriellen Gebieten
- Strenge Umweltauflagen und Regulierung:
- Die Europäische Union hat strenge Umweltvorschriften eingeführt, die die Emissionen und Abwassereinleitungen aus der Industrie stark regulieren. Dazu gehört die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die darauf abzielt, den Zustand aller Gewässer in der EU zu verbessern und zu schützen.
- Industriebetriebe sind verpflichtet, fortschrittliche Reinigungstechnologien zu nutzen und Schadstoffe zu minimieren, bevor sie in die Umwelt freigesetzt werden dürfen.
- Kontinuierliche Überwachung und Sanktionen:
- Industrielle Einleiter werden streng überwacht, und es gibt empfindliche Strafen für Verstöße gegen Umweltvorschriften. Dies hat dazu geführt, dass viele Industriebetriebe erhebliche Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen getätigt haben (Mein ehemaliger Arbeitgeber Emprise aus Düsseldorf, hatte eine Abrechnungssoftware geschrieben, die aus Schadstoffanalysen aus dem Rhein, sofort den Verursacher ermittelte und ihm eine saftige Rechnung für die Einlassung von Schadstoffen in den Rhein zukommen ließ).
Probleme in landwirtschaftlich genutzten Gebieten
- Eutrophierung durch Nährstoffeinträge:
- In landwirtschaftlichen Gebieten ist Eutrophierung ein großes Problem, das durch übermäßigen Eintrag von Nährstoffen wie Nitrat und Phosphat aus Düngemitteln und Gülle verursacht wird. Diese Nährstoffe gelangen durch Oberflächenabfluss in die Flüsse und Seen, was zu übermäßigem Algenwachstum und Sauerstoffmangel im Wasser führt.
- Studien zeigen, dass die Eutrophierung zu einer Verschlechterung der Wasserqualität und zum Verlust der Biodiversität in aquatischen Ökosystemen führt.
- Unzureichende Regulierung und Überwachung:
- Während es auch in der Landwirtschaft Vorschriften zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen gibt, sind diese oft weniger streng und weniger effektiv durchgesetzt als in der Industrie. Viele landwirtschaftliche Betriebe verwenden weiterhin hohe Mengen an Düngemitteln, was die Eutrophierung verschärft.
Unterstützung durch wissenschaftliche Studien und Berichte
- Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) aus dem Jahr 2018 bestätigt, dass landwirtschaftliche Aktivitäten die Hauptquelle für Nährstoffeinträge in Gewässer sind und diese Einträge die Wasserqualität in vielen europäischen Flüssen und Seen beeinträchtigen.
- Eine Studie, die im Journal “Science of the Total Environment” veröffentlicht wurde, zeigte, dass Flüsse in landwirtschaftlichen Regionen tendenziell höhere Konzentrationen von Nährstoffen und schlechtere ökologische Zustände aufweisen als Flüsse in industriellen Gebieten, die strenger reguliert werden.
Quellen:
- Europäische Umweltagentur (EEA), “European waters — Assessment of status and pressures 2018.”
- Journal “Science of the Total Environment”, Artikel zur Wasserqualität in landwirtschaftlichen vs. industriellen Gebieten.
- Europäische Kommission, “Water Framework Directive and the European Waters.”
Ich erwähne meinen Standpunkt, dass das Anthropozän eher mit der neolithischen Revolution anfing als mit der Industrialisierung, um zu verdeutlichen, wie tiefgreifend eine Veränderung zu nachhaltigen Energiequellen und Kreislaufprozessen in der industriellen und landwirtschaftlichen Ressourcenausnutzung ist.
Ich gebe Professor Schellnhuber sicherlich recht, wir sollten CO₂ Klimasenken aufbauen und Kreislaufprozesse als Standard initiieren, möglich ist das, aber uns läuft definitiv die Zeit davon. Wir haben insbesondere ab den 70er-Jahren sehr viel Zeit vergeudet, das Problem anzugehen, nun fegt der Klimawandel und das Artensterben über uns hinweg, was von uns übrig bleibt, aus meiner Sicht, will ich im folgenden Teil des Blogs erläutern.
Ich komme zurück auf Indien. Ich war nie in Südostasien, habe aber als Programmierer zahlreiche Kollegen aus Indien gehabt. Es sind hervorragend ausgebildete Leute und Indien dominiert seit Jahrzehnten den IT Workforce Markt, mit den zweifellos erfolgreichsten Anwärtern, den CEOs von Microsoft und Google. Trotzdem ist die Kluft zwischen wundersamen Reichtum und aus europäischer Sicht hoffnungsloser Armut in Indien bestehen geblieben bzw. noch stärker geworden. Aus europäischer Sicht kann ein ökologischer Frieden nur mit einem sozialen Frieden einhergehen. Hat es China besser gemacht? Sie haben mit “leichtem” Anschub aus dem Westen es geschafft, 800 Millionen Menschen, zehnmal so viel, wie es Deutsche gibt, in europäische Verhältnisse und zum Teil sogar darüber in den letzten 30 Jahren zu hieven. Zweifellos ein immenser sozialer Erfolg. Ökologisch sieht das Ganze anders aus. Die Unmengen Zement und Beton, die für die Hochhausschluchten in China verbaut wurden, führten den gleichen chemischen Prozess aus, wie beim Aufbau der USA und dem Aufbau inklusive Wiederaufbau Europas im 18. bis 20. Jahrhundert, nur ging die Emissionen und der Aufbau noch schneller von statt:
Bei der Herstellung von Zement, einem Hauptbestandteil von Beton, wird Kalkstein (CaCO3) in einem Prozess namens Kalzinieren erhitzt, um Calciumoxid (CaO) und Kohlendioxid (CO₂) zu erzeugen. Der chemische Prozess ist: CaCO3 → CaO + CO₂. Zusätzlich wird bei der Erhitzung des Kalksteins und anderer Rohstoffe in Drehrohröfen fossiler Brennstoff verbrannt, was ebenfalls zur Freisetzung von CO₂ führt. Calciumoxid (CaO) wird anschließend mit anderen Materialien wie Ton bei hohen Temperaturen zu Klinker verbrannt, aus dem später Zement hergestellt wird. Das CO₂ vom chinesischen Bauboom wabert nun in der Atmosphäre. Und auch ökonomisch muss man heute Chinas Bauboom wohl mit einigen Fragezeichen versehen? Ich möchte nicht wissen, wie zahlreiche Chinesen sich fühlen, die einen großen Baukredit abzahlen müssen, obwohl ihr Apartment im Rohbau stecken blieb und nie fertig werden wird.
Kann es jetzt beim Aufstieg Indiens ökologisch wie sozial besser laufen? Persönlich kann ich mir das nicht vorstellen, auch wenn beim Durchstarten Indiens regenerative Energien sicher eine größere Rolle spielen werden als in China zu Beginn der 90er. Und China macht große Fortschritte beim Ausbau regenerativer Energien. 2060 will es CO₂-neutral sein.
Insgesamt sind regenerative Energiequellen, aber auch Recyclingprozesse auf dem Vormarsch, aber ich denke, sie kommen zunächst zu spät, was kein Aufruf dazu ist, diese Entwicklung zu stoppen. Ich denke aber wir müssen die Entwicklung der Menschheit sehr viel langfristiger sehen und ohne großen “Set Back” für die Menschheit, wird aus meiner Sicht nicht laufen.
Meine These ist, das Klimasystem ist gekippt und selbst wenn es bis jetzt nicht gekippt ist, dann wird es sehr wahrscheinlich in diesem Jahrhundert kippen. Warum denke ich, dass das System gekippt ist?
Ich möchte hierzu zwei Grafiken einbringen. Die Erste zeigt den täglichen Temperaturverlauf des Oberflächenwassers der Meere zwischen den Breitengraden 60 ° Nord bis 60° Süd:

Die Energiemenge, die man benötigt, um so einen Temperatursprung durchzuführen, für eine so große Wassermenge ist beträchtlich. Und die bisherigen Erklärungen der Wissenschaft sind, aus meiner persönlichen Sicht, dürftig.
Gleichzeitig ist am Südpol 2023 eine unglaublich große Lücke beim Aufbau des Wintereises auf der Südhalbkugel entstanden. Vergleicht man die Eismenge zu dieser Jahreszeit zwischen 2014 und 2023, so ergibt sich eine Lücke von 3,6 Quadratkilometern. Das entspricht der Fläche des Subkontinentes Indien. Auch für 2024 sieht es tendenziell nicht viel besser aus:

Das ist natürlich nur eine Gefühlsaussage, ich bin kein Klimaforscher und beschäftige mich mit diesem Thema als informierter Bürger mit ingenieurwissenschaftlichen Sachverstand. Für Ingenieure gilt neben Thermodynamik, Relativitätstheorie und Quantenmechanik noch ein weiteres essenzielles Gesetz: What can go wrong, goes wrong. Frei nach Alan Murphy und im Grunde ist das die Ingenieur-Variante des zweiten thermodynamischen Hauptsatzes: Die Entropie eines geschlossenen Systems steigt. Etwas freier formuliert. Der natürliche Drang eines Systems ist von Ordnung zu Unordnung (Chaos). Prozesse, von Menschen initiiert, die versuchen, das Rad in kürzester Zeit umzudrehen, sind oft zum Scheitern verurteilt. Das liegt hauptsächlich an der Nichtlinearität der Vorgänge. Ingenieure versuchen durch Abstecken geeigneter Randbedingungen, den Prozess im linearen Bereich zu halten. Gelingt das, können Ingenieure und Anwender gut schlafen, gelingt es nicht, müssen die Lösungen wesentlich aufwendiger gestaltet werden.
Um die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu halten, müssten wir bis 2030 die CO₂-Emissionen um 40 % sinken im Vergleich zu den Emissionen 2010, sagen die Modelle der Klimaforscher. Sie steigen aber, wenn auch deutlich langsamer als in den Nuller Jahren. Die IEA (International Energy Agency) wiederum prognostiziert, dass wenn alle Zusagen über regenerative Energiequellen aus den verschiedenen Regionen eingehalten werden, dann können wir maximal den Emissionszustand von 2010 halten (siehe auch mein Blog: https://chrisfaustulus.com/2024/05/24/95/).
Die Natur verzeiht nicht, sie bestraft aber auch nicht, sie hält sich einfach nur an ihre Gesetze und da wir durch die Ausnutzung der fossilen Energie bei gleichzeitigem Artenabbau erheblich die Rahmenbedingungen verändert haben, entwickeln die immer noch gleichen Naturgesetze jetzt eine immer unvorteilhaftere Zukunft für uns.
Wir sollten allerdings, das der Natur nicht übel nehmen. Sie macht nur ihren Job. Wir könnten durch unseren freien Willen, den wir aus meiner Sicht haben, weil wir die Zukunft nicht kennen und Zeitreisen nur, in der Netflix Welt passieren, die Rahmenparameter wieder zu unserem Vorteil verändern. Doch dazu gehört Einsicht und da hapert es dann doch.
Ich halte daher Szenarien, wie sie schon in den 70ern im Film Soylent Green (deutscher Titel: “Jahr 2022 … die überleben wollen”) mit Charlton Heston in der Hauptrolle skizziert wurden, für wesentlich wahrscheinlicher. Der Film basiert lose auf dem Roman “Make Room! Make Room!” von Harry Harrison und spielt im Jahr 2022 in einer überbevölkerten, umweltzerstörten Welt.
In der überbevölkerten und durch Umweltverschmutzung zerstörten Welt des Jahres 2022 kämpfen die Menschen ums Überleben. Nahrung ist knapp, und die meisten Menschen sind auf synthetische Lebensmittel angewiesen, die von der Soylent Corporation hergestellt werden. Das neueste und begehrteste Produkt ist “Soylent Green“, das angeblich aus Plankton hergestellt wird und die einzige nahrhafte Nahrungsquelle darstellt.
Charlton Heston spielt den Polizisten Detective Robert Thorn, der in New York City ermittelt. Er wird beauftragt, den Mord an William R. Simonson (Joseph Cotten), einem reichen und einflussreichen Mitglied der Soylent Corporation, zu untersuchen. Bei seinen Ermittlungen stößt Thorn auf Hinweise, dass Simonson von den eigenen Leuten ermordet wurde, um ein schreckliches Geheimnis zu bewahren.
Während Thorn tiefer gräbt, erfährt er, dass die Ressourcen der Erde erschöpft sind und das Plankton im Ozean nahezu verschwunden ist. Schließlich entdeckt er die schockierende Wahrheit: Soylent Green wird nicht aus Plankton hergestellt, sondern aus den Leichen verstorbener Menschen, die in großen Recyclinganlagen zu Nahrung verarbeitet werden.
Der Film endet mit Thorn, der schwer verletzt ist und die Wahrheit über Soylent Green öffentlich machen will. Mit den Worten “Soylent Green is people!” (“Soylent Green besteht aus Menschen!“) versucht er, die Menschen zu warnen.
Was mir in Erinnerung an den Film so schaurig übrig blieb, war die Erkenntnis, dass ich es uns zutraue, dass wir zum Schluss, wenn die Erde wie eine Zitrone vollkommen ausgequetscht ist, wir über uns selbst herfallen und in einer viel perfideren Art als wir es ohnehin in Kriegen und ähnlichem schon immer taten.
26 Jahre später leitet ein weiterer Film für mich die Zukunft ein: die Matrix, pünktlich vor der Jahrtausendwende.
In dieser Zeit arbeite ich zusammen mit etwa 200 Entwicklern aus Israel, Indien und Osteuropa intensiv an der Code-Entwicklung des neuen Customer Care & Billing Systems der Mannesmann D2 Mobilfunk GmbH, später Vodafone D2. Wir sind Zeugen des rasanten Wachstums von Mobilfunk und Internet, die sich gegenseitig verstärken. Wir legen die Grundlagen dafür, dass das Internet fortan jederzeit in jeder Hosentasche verfügbar ist, und erleben hautnah, wie der virtuelle Raum, geschaffen von intelligenten Maschinen, unsere Realität neu formt.
Worum geht es in der Matrix aus dem Jahr 1999, der von den Wachowskis geschrieben und inszeniert wurde. Er gilt als einer der einflussreichsten Filme seines Genres und hat eine tiefgreifende Geschichte, die Themen wie Realität, Bewusstsein und Freiheit behandelt.
Teil 1: Die Realität hinterfragen
Thomas A. Anderson (gespielt von Keanu Reeves) lebt ein Doppelleben. Tagsüber arbeitet er als Programmierer in einem großen Unternehmen, nachts ist er als Hacker unter dem Namen Neo bekannt. Er fühlt sich in seiner Welt fremd und sucht nach der Antwort auf die Frage: “Was ist die Matrix?”
Neo wird von einer geheimnisvollen Gruppe kontaktiert, die von Morpheus (Laurence Fishburne) angeführt wird. Morpheus glaubt, dass Neo der “Auserwählte” ist, der die Menschheit befreien kann. Neo wird zu einem Treffen mit Morpheus geführt, bei dem ihm zwei Pillen angeboten werden: eine rote und eine blaue. Neo entscheidet sich für die rote Pille, die ihm die Wahrheit zeigt.
Teil 2: Die wahre Natur der Welt
Nach der Einnahme der roten Pille wacht Neo in der realen Welt auf, einer post-apokalyptischen Zukunft, in der die Menschheit von intelligenten Maschinen unterjocht wird. Die Maschinen nutzen Menschen als Energiequellen, indem sie ihre Körper in riesigen Anlagen “züchten” und ihre Gehirne in eine simulierte Realität namens die Matrix einspeisen.
Morpheus und seine Crew, darunter Trinity (Carrie-Anne Moss) und Cypher (Joe Pantoliano), befreien Neo und bringen ihn auf ihr Schiff, die Nebuchadnezzar. Sie erklären ihm, dass die Matrix eine künstliche Welt ist, die die Menschen in einer virtuellen Realität gefangen hält, während ihre Körper in Wirklichkeit in Kapseln liegen und den Maschinen als Energiequelle dienen.
Teil 3: Der Kampf gegen die Maschinen
Morpheus trainiert Neo, die Regeln der Matrix zu verstehen und zu manipulieren. Neo entwickelt schnell außergewöhnliche Fähigkeiten, die darauf hindeuten, dass er tatsächlich der Auserwählte ist. Währenddessen plant Cypher, der von der harten Realität des wahren Lebens desillusioniert ist, die Gruppe zu verraten und in die Matrix zurückzukehren.
Der Höhepunkt des Films ist ein waghalsiger Rettungseinsatz, um Morpheus zu befreien, der von den Agenten, programmierten Wächter der Matrix, gefangen genommen wurde. Neo und Trinity dringen in ein schwer bewachtes Gebäude ein und retten Morpheus in einer spektakulären Action-Sequenz.
Teil 4: Neo akzeptiert sein Schicksal
In der finalen Konfrontation mit Agent Smith (Hugo Weaving) erkennt Neo seine wahre Macht. Er begreift, dass er die Matrix nach Belieben manipulieren kann. In einer symbolischen Szene wird er von Kugeln beschossen, bleibt jedoch unverletzt und kann die Kugeln stoppen. Schließlich besiegt er Agent Smith, indem er in ihn “eindringt” und ihn von innen heraus zerstört.
Der Film endet damit, dass Neo die Matrix verlässt und eine Nachricht an die Maschinen sendet, in der er erklärt, dass er die Menschen befreien wird.
Der Film hat viele Einflüsse, darunter philosophische Ideen von Descartes über den Zweifel an der Realität und Platons Höhlengleichnis, das die Unterscheidung zwischen der Welt der Sinne und der wahren Welt behandelt. Weiterhin ist er stark von Cyberpunk-Literatur und Anime inspiriert.
Beeindruckend finde ich, dass Platon mit seinem Höhlengleichnis schon vor 2400 Jahren sehr genau unsere Probleme mit der Realität skizzierte, aber sein Glaube, dass wir über Bildung vom Dunkeln ins Licht uns erheben, dieser Glaube und Hoffnung, sie sind bei mir erschüttert.
Worum geht es in Platons Höhlengleichnis?
Platons Höhlengleichnis ist eine der bekanntesten Metaphern der westlichen Philosophie, die in Platons Werk “Der Staat” (Buch VII) zu finden ist. Es illustriert seine Vorstellungen von Erkenntnis, Wahrheit und Bildung:
Das Höhlengleichnis
Die Situation in der Höhle
Platon beschreibt eine Gruppe von Menschen, die ihr ganzes Leben in einer dunklen Höhle gefesselt verbringen. Sie sind so festgebunden, dass sie nur auf eine Höhlenwand blicken können. Hinter ihnen brennt ein Feuer, und zwischen dem Feuer und den Gefangenen befindet sich ein erhöhter Weg. Auf diesem Weg tragen andere Menschen verschiedene Gegenstände und Figuren, die Schatten an die Höhlenwand werfen.
Die Schatten als einzige Realität
Für die Gefangenen sind die Schatten an der Wand die einzige Realität, die sie kennen. Sie haben nie die tatsächlichen Objekte gesehen, sondern nur deren Schatten. Daher nehmen sie an, dass die Schatten die wirkliche Welt darstellen.
Die Befreiung eines Gefangenen
Einer der Gefangenen wird schließlich befreit und gezwungen, sich umzudrehen und das Feuer zu sehen. Zunächst ist er geblendet und verwirrt, da er nie etwas anderes als die Schatten gesehen hat. Langsam beginnt er zu erkennen, dass die Schatten nur Abbilder von echten Gegenständen sind.
Der Aufstieg ins Licht
Der befreite Gefangene wird weiter aus der Höhle herausgeführt. Als er die Höhle verlässt, wird er von dem hellen Sonnenlicht geblendet und kann zunächst nichts erkennen. Mit der Zeit gewöhnt er sich an das Licht und beginnt, die Welt außerhalb der Höhle zu sehen. Er erkennt, dass die wahre Realität viel reichhaltiger und vielfältiger ist als die Schatten, die er in der Höhle gesehen hat.
Rückkehr in die Höhle
Der befreite Gefangene kehrt schließlich in die Höhle zurück, um die anderen Gefangenen zu befreien und ihnen die wahre Welt zu zeigen. Doch die verbleibenden Gefangenen lehnen seine Erzählungen ab, da sie nur die Schatten kennen und diese für die einzig wahre Realität halten. Sie verspotteten ihn und weigern sich, ihm zu glauben.
Hier möchte ich abschließend noch mal einhaken. Wie schon oft gesagt, weist die Wissenschaft bereits sehr lange auf die Gefahren durch den Klimawandel und der allgemeinen Umweltzerstörung hin. Aber wie eh und je dem Boten schlechter Nachrichten hört man ungern zu, das musste schon Kassandra akzeptieren.
Müssen wir also irgendwann Soylent Green (fr)essen und in der Matrix uns vorstellen, es wäre unser liebstes Leibgericht? Die Gefahr ist groß, dass es so kommt, aber es muss nicht zwangsläufig so kommen.
Was ich jetzt sage, werden die wenigsten wohl verstehen. Es richtet sich zunächst auch nur an Europäer und Nordamerikaner und von denen auch nur an jene, denen es wirklich gut geht. Wenn diese verstünden, dass die größte Innovation des Menschen das Loslassen wäre, aufzuhören, die Natur auszutricksen, um einen Vorteil zu erlangen, der sich allzu schnell in einen Pyrrhussieg verwandelt und man der Natur (griechisch = von selbst) die Chance lässt, sich selbst zu reparieren, dann sähe ich einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass wir nicht “köstliches” Sylont Green in der Matrix vertilgen. Einzig mir fehlt der Glaube, was aber nichts heißen muss, denn der Faktor Mensch war schon immer für eine Überraschung gut.







































