Und wieder eine Ampel …

Donald Trumps zweite Amtszeit ist geprägt von einer deutlichen Abkehr vom internationalen Multilateralismus hin zu einem isolationistischen Ansatz, der gleichzeitig paradoxerweise durch aggressive handelspolitische Maßnahmen begleitet wird. Besonders sichtbar wird dies durch das neu eingeführte Farb-System, das Länder in rote, gelbe und grüne Kategorien einteilt.

Die Idee hinter dem Farb-System ist, die globale Handelsordnung nach amerikanischen Interessen neu auszurichten. Dabei werden Länder nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bewertet und eingeteilt:

  • Grüne Länder sind bevorzugte Partner, die aufgrund ihrer Kooperation und Anpassungsbereitschaft gegenüber den USA ökonomische und politische Vorteile genießen. Dazu zählt aktuell beispielsweise Indien.
  • Gelbe Länder, zu denen Europa derzeit zählt, befinden sich in einer kritischen Zwischenposition. Diese Länder haben eine Frist von wenigen Wochen, um bestimmte Forderungen der USA zu erfüllen. Sollte dies nicht gelingen, droht eine Herabstufung in die rote Kategorie – ein klarer Hinweis darauf, dass Trump seine Forderungen mit deutlichem Druck durchsetzen möchte.
  • Rote Länder wie China gelten als wirtschaftliche und politische Gegner und werden mit extrem hohen Zolltarifen belegt, um ihren Zugang zum amerikanischen Markt drastisch zu beschränken.

Die Inkohärenz dieser Politik wird schnell deutlich. Einerseits proklamiert Trump eine isolationistische Vision, in der die USA sich auf die amerikanische Hemisphäre konzentrieren und von globalen Verpflichtungen zurückziehen. Andererseits jedoch fordert das Farb-System eine aktive, sogar aggressive globale Präsenz und Kontrolle, da es umfangreiche Überwachung, Bewertung und Durchsetzung internationaler Abkommen voraussetzt.

Besonders kritisch erscheint dabei auch die Drohung gegenüber europäischen Ländern, innerhalb von wenigen Wochen politische oder wirtschaftliche Anpassungen vorzunehmen, um nicht in die Rote Kategorie abzustürzen. Diese Forderung wirkt weniger partnerschaftlich, sondern vielmehr wie eine Form wirtschaftlicher Unterwerfung. Dass sich traditionelle Verbündete wie Europa oder auch Kanada dadurch abgestoßen fühlen und neue Allianzen außerhalb der amerikanischen Einflusssphäre suchen könnten, ist eine nachvollziehbare Folge.

Hinzu kommt die Frage, welche konkreten Gegenleistungen sich Amerika von Europa (und auch allen anderen Ländern) erwartet. Europa soll z.B. massiv LNG und Öl aus den USA beziehen, um das amerikanische Handelsdefizit auszugleichen. Über das materielle Handelsdefizit hinaus steht noch das digitale Übergewicht Amerikas im Raum, das Europa weiter benachteiligt. Darüber möchten die USA aber nicht reden und drohen jedem kleinsten Ansinnen der Europäer, digitale Dienstleistungen zu besteuern, was aber im 21. Jahrhundert das Natürlichste der Welt sein sollte.

Vielleicht sollte sich Amerika fragen, woher seine stark imperialistischen und aggressiven Tendenzen stammen – möglicherweise aus seinem europäischen Erbe. Die Geschichte zeigt klar, dass Europa durchaus in der Lage ist, sich nicht nur anzupassen, sondern auch kraftvoll zu reagieren, wenn auch nicht militärisch gegen die USA die erste Option ist. Europas Stärke liegt jedoch deutlich in seiner diplomatischen und wirtschaftlichen Soft Power, die durchaus gegen Amerika mobilisiert werden kann – bis hin zu einer verstärkten Annäherung an China. Dass Europa aber auch Waffen bauen und optimieren kann, zeigt diese kleine Tabelle:

Waffe / SystemEuropaUSAAsien
Schwarzpulver / Feuerwaffen (ca. 13. Jh.)Verbreitung durch Osmanen und ItalienErfindung in China (Song-Dynastie)
Musketen (16.–17. Jh.)Arkebuse & Musketen (Spanien, Frankreich)Verbreitung aus Europa
Artillerie (Kanonen)Frankreich & Preußen: technischer FortschrittChina entwickelte erste „Feuerlanzen“
Schlachtschiffe (19. Jh.)Großbritannien („Dreadnought“)Weiterentwicklung im 20. Jh.Japan: starke Marine bis 1945
Panzer (1916 ff.)Großbritannien: Mark I, später DeutschlandM4 Sherman, später AbramsChina & Japan: erst Nachbauten, später Eigenentwicklung
U-Boote (1914 ff.)Deutschland: PionierrolleMassive Flotten im Kalten KriegChina: Aufholend, stark ausgebaut
Kampfflugzeuge (1915 ff.)Deutschland, Frankreich: frühe ModelleF-4, F-15, F-22, F-35Japan: Mitsubishi F-2, China: J-20
Atomwaffen (1945 ff.)UK, Frankreich (eigene Programme)Erstentwickler, größte ArsenalChina (1964), Indien, Pakistan, Nordkorea
Interkontinentalraketen (ICBMs)UdSSR (R-7), später FrankreichMinuteman, TridentChina: Dongfeng-Serie
Drohnen / UAVsEuroMALE (Entwicklung), Türkei (Bayraktar)MQ-9 Reaper, RQ-4 Global HawkChina (Wing Loong), Iran (Shahed)
Cyberwar / DigitalwaffenEU: Abwehr fokussiertCyber Command, Stuxnet (US/Israel-Kooperation)China: PLA Unit 61398, Nordkorea aktiv
HyperschallwaffenRussland (Avantgarde), EU wenig entwickeltX-51, DARPA-ProgrammeChina (DF-ZF Hyperschallgleiter)
Space Force / militärischer OrbitEU: Ariane-Grundlage, kein MilitärprogrammUS Space ForceChina: militärische Raumstationselemente

Aus der obigen Tabelle wird deutlich, dass die Kompetenz, Waffen zu bauen, (leider) global gut verteilt ist. Europa dachte, die Welt hätte aus den Weltkriegen mehr gelernt. Dem ist aber nicht so. Es muss daher in der militärischen Abschreckung deutlich aufschließen.

Unter all diesen Bedingungen wirkt der amerikanische Ansatz zunehmend konfus, unausgegoren und geradezu befremdlich – ein Szenario, bei dem man sich beinahe fremdschämen möchte. Diese widersprüchliche Politik könnte letztendlich genau das bewirken, was Trump zu verhindern sucht: ein wirtschaftlich isoliertes, politisch geschwächtes und zunehmend chaotisches Amerika.

Deutschland steht damit erneut vor einer Ampel – ironischerweise ein Symbol für eine der unbeliebtesten Regierungen der jüngeren deutschen Geschichte. Doch diese Ampel-Regierung hat Europa zumindest von der russischen Energieabhängigkeit gelöst. Diese nun aber durch eine neue Energieabhängigkeit gegenüber Trumps Amerika auszutauschen, um das Handelsdefizit der EU gegenüber den USA zu verringern, macht weder strategisch noch wirtschaftlich, und schon gar nicht ökologisch Sinn. Selbst wenn Sonne und Wind launisch sind, lassen sich deren Schwankungen technisch einfacher beherrschen als die imperialen Machtlaunen von Putin und Trump.

Doch eines ist sicher: Diese amerikanische AMPEL-Regelung können weder wir Europäer noch, unter Umständen, die Amerikaner selbst so einfach wieder abwählen (auch wenn dies zu hoffen bleibt). Europa sollte die Fackel der Aufklärung wieder aufnehmen, die im letzten Jahrhundert während der Weltkriege abgelegt wurde. Für Amerikaner, Australier, Afrikaner, Asiaten und Europäer ist auf diesem Planeten immer noch genug Platz – jedoch sicher nicht für „First whoever“-Doktrinen.

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Mar-a-Lago_Accord

https://en.wikipedia.org/wiki/Scott_Bessent

bloomberg.com/news/articles/2025-04-29/bessent-cites-digital-services-tax-as-sticking-point-in-eu-talks

https://en.wikipedia.org/wiki/The_East_is_rising_and_the_West_is_declining?

Leave a comment