Das Leiden in den Meeren

Als Landbewohner dieses Planeten ist es nicht verwunderlich, dass wir nicht so richtig mitbekommen, was in den Meeren sich so abspielt. Die meisten, zu denen ich mich natürlich auch zähle, bekommen das Meer als toten Fisch auf den Teller serviert, wo sie einem mit ihren großen Augen anschauen und man alles versucht ihren Gräten zu entgehen, um an ihr zartes, schmackhaftes Fleisch zu kommen, am besten mit einem guten Wein dabei. Andere Menschen bevorzugen das Fischstäbchen, das ist halt Geschmackssache.

Dass es insgesamt wärmer geworden ist auf unserem Heimatplaneten, das wird insbesondere älteren Menschen, z.B. Ende 50+, sehr deutlich und so verschieden, wie die Menschen sind, so haben sie verschiedene Erklärungen dafür. Ich gehöre zu denen, die den Menschen als Ursache ausgemacht haben. Aber wenn es auf dem Land global wärmer geworden ist, dann sollten die Meere auch wärmer geworden sein, alles andere wäre schwer zu verstehen. Jedoch bevor das Meer effektiv wärmer wurde, ich erinnere 2023 wurden vor den Küsten Floridas bis 80 Meter Tiefe eine Wassertemperatur von 38° Celsius gemessen, ist etwas anderes in den Meeren passiert: Sie wurden immer saurer.

Wie kann das sein und da kommt leider wieder dieses vermaledeite CO₂ ins Spiel! CO₂ + Wasser ergibt Kohlensäure, wir kennen es aus unseren geliebten und gekühlten Getränken im Kühlschrank. Beim Öffnen der Flasche, das Zischen, bevor wir noch trinken, erschaudern wir vor Erleichterung und kühlen mindestens um 2° Celsius ab. Bedauerlicherweise ist dieser Effekt nicht auf die Atmosphäre und Meere dieses Planeten anwendbar.

Die Versauerung der Meere ist miserabel, für die Flora und Fauna in den Meeren. Denn ganz viele Meereslebewesen bestehen aus einer wohlgeformten Kalkschale. So haben australische Forscher schon 2009 festgestellt, dass weitverbreitete Planktonorganismen, die Foraminiferen, sehr viel dünnere Kalkschalen als früher haben. (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/versauerung-der-ozeane-kalkschalen-von-meeresbewohnern-werden-immer-duenner-a-612188.html). Dass eine Schwächung von Planktonorganismen keine gute Nachricht ist, auch wenn wir Menschen sie wohl eher selten direkt zu uns nehmen, sollte klar sein. Wir stehen eben nicht am Anfang, sondern am Ende der Nahrungskette.

Nun könnte man meinen, ein wärmeres Meer könnte ja auch ein Vorteil für die Meeresbewohner sein, denn je wärmer das Wasser, umso weniger kann es Kohlensäure binden, deswegen stellen wir ja u.a. die Getränke in den Kühlschrank. Tatsächlich steigt der Säuregehalt in den Meeren nicht mehr, aber er sinkt auch nicht, sondern verharrt auf einem hohen Sättigungsniveau.

Zudem sind auch erhöhte Meerestemperaturen für viele Meeresbewohner, z.B. Korallen, eine schlechte Nachricht. Bekannt ist dieser Effekt durch die seit Jahren auch in den Medien weit transportierte Situation im Great Barrier Reef vor Australien.

Warmes Wasser verstärkt die Korallenbleiche hauptsächlich durch den Stress, den es auf die Korallen ausübt. Korallen leben in einer symbiotischen Beziehung mit mikroskopisch kleinen Algen, bekannt als Zooxanthellen, die in ihren Geweben leben. Diese Algen sind entscheidend für das Überleben der Korallen, da sie durch Fotosynthese Nährstoffe produzieren, von denen die Korallen abhängen.

Wenn die Wassertemperatur jedoch über die für Korallen tolerierbaren Grenzen steigt, wird dieser fein abgestimmte symbiotische Prozess gestört. Die erhöhten Temperaturen führen dazu, dass die Korallen die Zooxanthellen ausstoßen, was oft als „Bleichen“ bezeichnet wird, weil die Korallen ihre Farbe verlieren und weiß erscheinen. Ohne diese Algen verlieren die Korallen eine wichtige Nahrungsquelle und sind mehr Stress ausgesetzt, was ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten verringert und letztendlich zu ihrem Absterben führen kann, wenn die hohen Temperaturen anhalten.

Das Bleichen ist nicht sofort tödlich, aber wenn die Korallen nicht in der Lage sind, neue Algen in ihre Gewebe aufzunehmen, nachdem die Wassertemperaturen wieder normale Werte erreicht haben, können sie langfristig sterben. Das ist besonders problematisch, weil Korallenriffe eine enorme ökologische Bedeutung haben, als Lebensraum für tausende marine Arten dienen und Küstenregionen vor Erosion schützen.

Jetzt ist das “Great Barrier Reef” überall in den Meeren anzutreffen (Global Coral Reef Alliance)​.

Die Auswirkungen dieser Bleichereignisse sind besonders verheerend, da sie die ökologische Stabilität der Riffe untergraben und die Nahrungsnetze, die von diesen Ökosystemen abhängen, stark beeinträchtigen können. Korallenriffe bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Meeresarten und sind zudem wichtig für den Küstenschutz und die lokale Fischereiwirtschaft. Die fortschreitende Bleiche der Korallen könnte somit nicht nur ökologische, sondern auch sozioökonomische Krisen nach sich ziehen​.

Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Meeresströmungen, sowohl die warmen als auch die kalten, stärker als gewöhnlich erwärmt sind, was zu einem beschleunigten Wärmetransport von den Tropen zu den Polregionen führt. Dies wiederum verstärkt die polare Eisschmelze und trägt zu einer zunehmenden Schichtung der Ozeane bei, was die Situation weiter verschärft (positive Feedback).

In Bezug auf Gegenmaßnahmen wird empfohlen, umfassende Schutzmaßnahmen einzuführen, darunter aktive Restaurierungsprojekte, die Anpassung der Korallen an steigende Temperaturen, und vor allem die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit der Korallen gegenüber den steigenden Temperaturen zu verbessern und langfristig ihre Überlebensfähigkeit zu sichern.

Da bleibt mir noch zu erwähnen, dass die OECD, übrigens keine Umweltorganisation, im Jahr 2022 das Absterben der Korallen in den Meeren als einen globalen, ökologischen Kipppunkt von weiteren vier globalen Kipppunkten identifiziert hat.

Mir scheint, es könnte der erste, aber nicht der letzte Kipppunkt werden.

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