Derzeit wird vielen bewusst, dass auch die Meere sich stark erwärmt haben durch den Menschen gemachten Klimawandel. So findet man auf dem Klima Dashboard der US amerikanischen Behörde für Ozeanografie folgende Temperaturentwicklung:

(siehe: https://www.climate.gov/news-features/understanding-climate/climate-change-ocean-heat-content)
Auf der entsprechenden Web-Seite wird auch die Erklärung mitgeliefert:
“Steigende Mengen an Treibhausgasen verhindern mehr als früher, dass die von der Erdoberfläche abgestrahlte Wärme in den Weltraum entweichen kann. Der Großteil der überschüssigen atmosphärischen Wärme wird an den Ozean zurückgegeben. Infolgedessen ist der Wärmegehalt des oberen Ozeans in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen.”
Die Meere haben also viel dazu beigetragen, dass die Erwärmung der Atmosphäre im Gesamtsaldo negativ rückgekoppelt wurden. Doch die erste Folge der großen Veränderung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre auf die Meere war ihre Übersäuerung. CO₂+Wasser ergibt Kohlensäure. Hierzu konstatiert der IPCC AR6 Bericht:
„Anhaltende Treibhausgasemissionen werden sich weiterhin auf alle wichtigen Komponenten des Klimasystems auswirken, und viele Veränderungen werden auf Zeitskalen von Hundert bis Jahrtausenden unumkehrbar sein. Die Versauerung der Ozeane (praktisch sicher), der Sauerstoffentzug der Ozeane (hohes Vertrauen) und der globale mittlere Meeresspiegel (so gut wie sicher) werden anhalten bzw. im 21. Jahrhundert zunehmen, und zwar mit Raten, die von künftigen Emissionen abhängen.“ (Seite 34)
Die Versauerung der Ozeane ist ein großes Problem, da sie tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben im Meer haben kann, insbesondere auf Organismen, die Muscheln oder Skelette bauen, wie Korallen und Schalentiere. Dies kann wiederum Auswirkungen auf das gesamte marine Nahrungsnetz haben (hier ist vor allen die Tragödie um das “Great Barrier Reef” zu nennen).
Was bedeutet aber in diesem Zusammenhang der Sauerstoffentzug der Ozeane und wie kommt er zustande?
Unter Desoxygenierung=Sauerstoffentzug der Ozeane versteht man die Abnahme der in den Weltmeeren gelösten Sauerstoffmenge. Dies ist ein erhebliches Problem, da Sauerstoff für die meisten Meereslebewesen, vom kleinsten Plankton bis zu den größten Walen, eine Grundvoraussetzung ist.
Warum tritt der Sauerstoffmangel nun auf?
Erwärmung des Wassers:
Wenn die Temperatur des Ozeans aufgrund der globalen Erwärmung steigt, nimmt seine Kapazität, Sauerstoff zu speichern, ab. Dies ist eine einfache physikalische Eigenschaft von Gasen in Flüssigkeiten: Wärmere Flüssigkeiten enthalten weniger Gas.
Schichtung:
Wärmere Oberflächentemperaturen können auch zu einer stärkeren Schichtung des Meereswassers führen, was bedeutet, dass es weniger vertikale Durchmischung gibt, um sauerstoffreiches Oberflächenwasser in tiefere Gewässer zu befördern.
Eutrophierung:
Hierbei handelt es sich um einen Prozess, bei dem Nährstoffabflüsse (wie Stickstoff und Phosphor aus Düngemitteln) in Küstengewässer gelangen und das Wachstum großer Algenblüten fördern. Wenn diese Algen sterben und sinken, werden sie von Bakterien in einem Prozess zersetzt, der Sauerstoff verbraucht, was zu sauerstoffarmen (hypoxischen) Bedingungen führt. Der Sauerstoffentzug der Ozeane kann erhebliche Auswirkungen auf Meeresökosysteme haben, einschließlich der Schaffung von Gebieten, die als „Sauerstoffminimalzonen“ bekannt sind und in denen nur wenige Organismen überleben können. Es kann auch dazu führen, dass in Küstengewässern häufiger hypoxische (unter Sauerstoffmangel leidende) Ereignisse auftreten, die oft als „tote Zonen“ bezeichnet werden.
Die Desoxygenierung der Meere hat leider auch einen schlechten Einfluss auf die Nahrungskette:
Grundsätzlich benötigen alle Tiere im Ozean Sauerstoff zum Überleben. Ein Rückgang des Sauerstoffgehalts kann sich also direkt auf das Überleben einer Vielzahl von Arten auswirken, vom winzigen Zooplankton über Fische bis hin zu Meeressäugetieren wie Walen. Viele der Arten, die am stärksten von einem niedrigen Sauerstoffgehalt betroffen sind, wie zum Beispiel bestimmte Fisch- und Krebstierarten, sind Raubtiere mittlerer Stufe in der Nahrungskette. Wenn die Zahl dieser Arten zurückgeht, kann dies weitreichende Auswirkungen auf die Nahrungskette haben. Tiere, die diese Arten jagen, haben möglicherweise Schwierigkeiten, genügend Nahrung zu finden, während die Zahl der kleineren Tiere, die diese Arten jagen, ohne ihre natürlichen Feinde, die ihre Populationen unter Kontrolle halten, zunehmen könnte.
An diesen Effekten sollte man erkennen, dass wir eben nicht “nur” über 1.5 Grad Erwärmung der Atmosphäre sprechen, sondern, dass wir mit der Erwärmung durch Verbrennung fossiler Träger massiv am Gleichgewicht des Lebens “drehen”.
Hinzu kommt mit der Periode 2023/2024 El Niño. Das Phänomen El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen mit einer Periodizität von 5 bis 7 Jahre. Peruanische Fischer gaben diesem Phänomen schon vor hundert Jahren ihren Namen. Sie stellten fest, dass zur Weihnachtszeit (El Niño=der Junge) wesentlich weniger Fische alle 5 bis 7 Jahre zu fangen waren. Ursache ist die auftretende Erwärmung am Westpazifik vor der Westküste Südamerikas. Sie führt eben zu der oben genannten Sauerstoffmangel Situation, die wiederum zum Verenden vieler Fische in dieser Zeit führen.
Der menschengemachte Klimawandel und El Niño addieren sich dann und daher gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass 2023/24 die mittlere globale Temperaturerhöhung schon die Marke 1.5 Grad erreicht. Dies wird aber nur ein temporärer Effekt sein.
Trotzdem werden wir höchstwahrscheinlich einen Vorgeschmack bekommen, wie es ist, wenn man in einem solchen Dauerzustand ist. Und diesen Dauerzustand werden wir erreichen, wenn wir nicht entschlossener gegen die CO₂-Emissionen, Flächenversieglung und Artensterben vorgehen.

Abschließende Bemerkung: Natürlich wird das Weltklima nicht gerettet, wenn wir in unserem einsamen Kampf um die Wärmepumpe vielleicht dann doch in den nächsten 20 Jahren die Wärmewende hinbekommen. Aber so eingebildet bin ich dann doch. Wenn wir es nicht schaffen auf Zero CO₂ zu kommen, dann schafft es keiner. Wir sind keine hinreichende Bedingung dazu, aber eine notwendige.