Into The Ice (Update)

Ausschnitt aus 3SAT Kultur Zeit

Der ungeliebte Blockbuster unserer Zukunft…

In der Zwischenzeit habe ich mir den Film angeschaut. Er ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Der Film ist eigentlich reine Poesie, eine Homage an die Natur. Man findet hier nicht den berühmten Zeigerfinger, jedoch verschmelzen die Bilder zusammen mit der rauh-sanften Stimme Campinos zu einer Verletzlichkeit.

Für den erhobenen Zeigefinger bin ich dann zuständig. Während Campino noch von einer Ohrfeige spricht, ist der Film für mich, auch wenn er es viel sanfter ausdrückt, ein Schlag mitten ins Gesicht.

Sommer Schmelzflüsse im grönländischen Eis.

Worum geht es inhaltlich in diesem Film?

Insbesondere im Sommer bilden sich riesige Schmelzwasserflüsse aus kristallklarem Wasser in Grönland. Diese Schmelzflüsse können in tiefen Eislöchern münden.

Schmelzwasser bohrt Gletscherflüsse in das Eis.
Gletscherloch von unten.

Doch die eigentliche Gefahr liegt am Boden dieser Löcher. Eine schematische Seitenansicht des Grönlandeises soll dies verdeutlichen:

Melting Ice

Das Gönlandeis ruht auf einem Hochplateau von ca. 1.800 m mit einer durchschnittlichen Dicke von einem Kilometer. Es ist umgeben vom Atlantik und ist die dem Nordpol am nächsten gelegene grössere zusammenhängende Landmasse. In der südlichen Ausprägung neigt sich die Landmasse gegen den Meeresspiegel. Das führt unweigerlich dazu, dass Eis vom grönländischen Festland in den Atlantik rutscht (siehe Titanic). Dies ist sicherlich kein neuer Effekt, doch hat die Menge, die ins Wasser rutscht stark zugenommen, insbesondere in den letzten 20 Jahren. Der Hauptgrund für das Abfallen des Eises in den Atlantik ist das Schmelzwasser im Sommer. Es bohrt, wie oben erwähnt, meterdicke Abflüsse in das Eis. Das Schmelzwasser bildet daher eine Wasserschicht am Festlandboden. An manchen Stellen ist sie nur hauchdünn aber vorhanden. Bisher sind Klimamodelle davon ausgegangen, das spätestens im Oktober eines Jahres das Schmelzwasser am Boden abgelaufen ist und der Boden wieder festgefroren ist. Das würde im Winter das Abrutschen des Eisen verlangsamen, da der Boden ein wesentlich größeren Haft- und Gleitreibungswiderstand für das Eis bietet als ein flüssiger, glatter Boden. Die Klimamodelle rechnen also von Oktober bis April mit einem größeren Haft- und Gleitreibungswiderstand als im Sommer. Die im Film agierenden Wissenschafler bezweifeln das aber und wollen es genau wissen. Satellitenaufnahmen können einem dazu keine Aufschlüsse geben, man muss schon in die Eislöcher selbst hinein… halt into the ice. Und so nehmen die Wissenschaftler den Zuschauer mit nach unten in ein 150 Meter breites und 160 Meter tiefes Eisloch an der Südspitze Grönlands. Es sind Bilder einer bizarren Schönheit, die aber zu einem ernüchterndem Ergebnis führen. Auch Ende Oktober treffen sie auf relativ warmes Schmelzwasser unterhalb des Eisbodens des Loches. Das bedeutet aber, dass auch bis tief zum Boden noch Gletscherwasser auch Ende Oktober vorhanden ist. Es ist noch kein Beweis, dass dieser Effekt durchgänging über der gesamten Landmasse so auftritt und auch ganzjährig also auch in den Kern Wintermonaten November bis Februar. Die Wissenschafler wollen das mit weiteren Expeditionen verifizieren. Dass sie dabei ihr Leben riskieren, das zeigt der Film sehr eindrücklich (ein Wissenschaftler verstirbt während der Drehzeit. Er fiel in eine Gletscherspalte, bei der morgentlichen Prüfung der Messgeräte). Sollte die Annahme stimmen, dass das grönländische Festland durchgehend in Raum und Zeit mit Schmelzwasser durchflutet ist, dann würde das Festlandeis viel schneller in den Atlantik “kippen” und der Meeresspiegel viel schneller sich anheben als bis jetzt angenommen. Das wiederum würden die Menschen in Küstengegenden sehr viel schneller in Gefahr bringen und geplante Deicherhöhungen und ähnliche Maßnahmen müssten viel schneller erfolgen.

Allerdings zeigen auch andere Forschungen in Grönland, dass die Vermutung eines ganzjährigen Wasserbodenfilms stimmen könnte:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/forscher-entdecken-grosse-schmelzwasser-seen-3605626.html

Eine weitere Forschung in diesem Film betrifft den veränderten Niederschlag auf Grönland. Eine wärmere Atmosphäre bedeutet eine höhere Fähigkeit Wasserdampf aufzunehmen. Das wiederum bedeutet eine erhöhte Niederschlagsneigung, die leider, wie öfters gesehen in den letzten Jahren, extrem schlecht verteilt sein kann (Extrem Wetter- Dürre versus Überflutungen). Die Wissenschafler haben dazu ca. 1,5 Meter lange Detektorröhren in das Eis gebohrt. Diese Detektoren messen den Neutronenbefall aus dem Weltall. Durch die schwache Wechselwirkung der Neutronen mit der Materie (da elektrisch neutral) erreichen die Neutronen den Detektor bei Wind und Wetter. Außerdem kann man am Empfangssignal Schneefall oder Regen erkennen. Derzeit überwiegt noch der Schneefall als Niederschlagsart, was gut ist, da eine Schneedecke das Eis durch Reflektion und Thermostatisierung vor der Sonne schützt. Die Messreihen zeigen aber, dass der Regen bei der Niederschlagsart aufholt, was wiederum schlecht für den Eismantel ist.

Ich weise nur in sehr kurzer Form über das Schicksal in Pakistan hin. Die fatalen Überschwemmungen dort haben auch mit massiven Gletscherschmelzen im Himmalja zu tun aber die Ursache ist vielschichtiger, man lehnt sich allerdings nicht zuweit aus dem Fenster, dass auch bei diesem Wetterextrem der Klimawandel katalytisch wirkt.

https://www.spektrum.de/news/die-sechs-ursachen-der-flut-in-pakistan/2054316

Ein guter Bekannter wies mich aber auch noch darauf hin, dass ein weiteres Problem für Pakistan enstanden ist. Wie man weiß sind unsere Gasbehälter relativ voll, obwohl ja die Russen viel weniger und seit ein paar Tagen gar nichts mehr schicken. Wie kann das sein? Wir haben die restlichen Weltgasbestände aufgekauft für viel Geld, was ja den Gaspreis auf Höchststände brachte. Aber nicht nur Deutschland und Europa brauchen Gas zum Heizen. Leittragende sind arme Völker, die kein Gas mehr auf dem Weltmarkt erhalten und natürlich mit der viertgrößen Industrienation dieses geschundenen Planeten nicht mithalten können. Was wir diesen Menschen antun, wenn auch nicht bewusst bzw. beabsichtigt, drückt wohl dieses Bild aus dem Handelsblatt bzw. dpa aus:

Ich möchte den Blog nicht beenden, ohne eine Lösungsvision kurz zu skizzieren. Die regenerativen Energiesysteme müssen ausgebaut werden bzw. wachsen. Darüber besteht sogar weitgehend Konsenz in Deutschland und in weiten Teilen Europas (etwas auch in den USA und China). Außer einem Streckbetrieb der letzten drei Atomkraftwerke würde ich dieses Kapitel für Deutschland zumindest dann endlich abschließen. Aber das wird nicht reichen. Es gibt Naturwissenschaftler und Ökonomen, die eine Schrumpfung von 40% vorschlagen. Was soll das bedeuten? Das bedeutet, dass die Produktion von z.B. Autos massiv reduziert wird. Dass zumindest in Großstädten aus Parkplätzen grüne Oasen werden. Das Begrünung von Hauswänden zum Standard wird. Es sollte aber auch zu anderen Handelsgütern führen. Technische Produkte und Know How exportiert nach Russland und Brasilien im Austausch dafür, dass sie Tundra und den Amazonas aufbauen und nicht abbauen.

Ich gebe zu von dieser Entwicklung sind wir Lichtjahre entfernt. Aber ohne diese Entwicklung sehe ich sehr große Probleme. Auch als Ingenieur halte ich es für nicht verantwortbar, nur auf Innovation zu setzen.

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