Wir erleben leider wirklich einen “perfekten” Sturm gravierender Strukturprobleme, die nicht einfach verschwinden werden. Da ist eine gewaltige Inflation, die aber nicht auf eine Überhitzung wirtschaftlicher Prozesse zurückgeht sondern eher von einer globalisierten Wirtschaft herrührt, die u.a. durch die Corona Krise aus dem Takt geraten ist.
Dabei wird deutlich, dass die Corona Krise selbst und besonders jetzt beim Ausklingen der ersten Corona Krisen Welle, einen nach wie vor vorhandenen, tiefgreifenden Strukturbruch in den menschlichen Gesellschaften wieder aufdeckt, den wir glaubten zumindest teilweise überwunden zu haben: Der Ost/West Konflikt.
Schon rein wirtschaftlich war die Corona Krise ein Desaster unglaublichen Ausmasses, dass jetzt noch mehr sichtbar wird.
Von dem millionenfachen Leid von durch Corona verstorbenen und erkrankten möchte ich hier gar nicht reden.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona Pandemie einhergehend mit Fragmentierungen der Gesellschaften, werden jetzt noch einmal sehr deutlich.
Führte Corona zunächst in Europa und Amerika zu unglaublichen Verwerfungen mit dem Auseinanderreißen von Angebot und Nachfrage, erleben wir nun eine ebenso existenzielle Bedrohung in China, dem Ursprung der Pandemie. Durch finanzielle Rettungsschirme=(Aufnahme von Schulden bei den entsprechenden Zentralbanken) wurde die erste Wucht der Corona Welle zumindest in den wohlhabenderen Ländern dieses Planeten abgemindert.
Doch eine Welle besteht in den seltensten Fällen aus einem Wellenberg und einem Wellental, nein sie pflanzt sich fort und rast um den Planeten, wird durch verschiedene politische und wirtschaftliche Antworten verstärkt oder abgemildert. So entstehen zahlreiche Teilwellen mit unterschiedlichen Epizentren zu unterschiedliche Zeiten.
Im Westen verhinderte das Virus die zweite Amtszeit von Donald Trump und verstärkte gleichzeitig die grundsätzlichen Herangehensweisen zwischen den unterschiedlichen Staaten und Blöcken auf diesem leidgeprüften Planeten. In der ersten Corona Phase ging der sogenannte Westen fast verloren, dessen Führungsmacht, die USA, wurde in der New York Times als “failed State” bezeichnet. Im Westen rang man mit der Frage, inwieweit soll man die Gesundheit Schützen versus die “Freiheit” einschränken.
Auf der anderen Seite China, das recht erfolgreich durch eine sehr straffe null Covid Politik das Virus in der ersten Welle eingrenzte und beherrschte (es sei angemerkt, eine wesentlich schnellere und transparente null Covid Politik Chinas ganz zu Beginn des Ausbruchs hätte wahrscheinlich die Pandemie verhindert). Während der Westen mit Impfung und Durchseuchung das Virus endemisch werden ließ und lässt, hält China an seiner null Covid Strategie fest. Nun scheint sich die oft unklare, auch verzweifelte und viel diskutierte Herangehensweise bei der Virus Bekämpfung im Westen auszuzahlen. Die Herangehensweise profitiert von dem Zusammenhang, dass Viren mutieren und dabei sogar noch ansteckender werden aber meistens nicht gleichzeitig gefährlicher. Denn das Virus will auch existieren und schnell sterbende Wirte sind dabei kontraproduktiv, daher werden diese Varianten aussortiert.
Die unterschiedlichen Corona Wellenberge aus dem Westen und Osten interferieren leider jetzt konstruktiv mit destruktiven Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Die Lockdown Politik Chinas verhindert jetzt weiterhin das Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage infolge gerissener Lieferketten, wie es der Westen am Anfang durch seine unklare Antwort auf das Virus verursachte (seihe hierzu auch https://www.handelsblatt.com/politik/international/staatskapitalismus-aktienabsturz-wachstumseinbruch-lockdown-wahn-der-china-crash/28331718.html).
Aber so eine fundamental Krise reicht uns Menschen nicht, so lauert auch schon länger ca.40-50 Jahre der Klimawandel in unserem (Unter-) Bewusstsein. Im Gegensatz zu Corona Krise lässt sich die Klima Krise recht gut prognostizieren, die physikalischen Gesetze dazu sind seit über 100 Jahren gut bekannt, es fehlte nur die Rechenkapazität, um die globale Klimamodelle zu erstellen und dann eben auch auszurechnen. Doch die stürmische Entwicklung des Computers im 20. Jahrhundert insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg erlaubt es heute, das globale Klima zu simulieren und zwar mit und ohne des Einflusses des Menschen. Und siehe da, ohne den industriellen CO2 Anstieg wären wir im seligen Holozän mit konstanter globaler Temperatur geblieben aber wir wollten es anders. Dieser Schlussfolgerung kann man sich jedoch nur anschließen, wenn man den Klimawandel als ein technisches Problem begreift: Techne (griech. vom Mensch) vs. Natur (griech. von selbst).
Doch es gesellt sich eine weitere fundamental Krise zu den beiden obigen, die älteste uns Menschen bekannte Existenzkrise: Krieg und Vernichtung. Seit dem Krieg in der Ukraine mit der Phasenänderung am 24. Februar 2022 wissen wir, dass mit dem Krieg wir uns noch schneller aus dem Spiel werfen können. Uns wird wieder bewusst, dass eine ganz kleine Gruppe von Menschen auf den besagten Knopf drücken kann. Diese Gefahr überholt in unglaublicher Geschwindigkeit die oben genannten. Sie kann noch radikaler und schneller uns ein Ende setzen. Wie konnte es dazu kommen?
Nun soll man auf den Ursprung von Krieg auf den Brudermord von Romulus an Remus verweisen:
Romulus machte sich daran, eine Stadtmauer zu errichten. Als diese noch niedrig war, sprang Remus darüber, um seinen Bruder zu verspotten. Das war eine Verletzung des Rechts und eine Schmähung des Romulus, denn eine Mauer galt als heilig. Romulus erschlug darauf seinen Bruder aus Zorn und rief nach dem Brudermord:
„So möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt!“
https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/gruendungssage-roms
Die Mauer in unseren Köpfen, Identifikation durch Abgrenzung hat nun in der Tat eine lange Tradition bzw. Wellenausbreitung in der Menscheitsgeschichte.
Heute kann man, aus meiner Sicht, nur eins klar sagen. Der Krieg war weder 1945 noch 1918 vorbei. Es war unwahrscheinlich, dass der nächste große Krieg mit Potential eines globalen Krieges wieder von deutschen Boden starten würde aber die Konfrontation zwischen Ost und West, hier ist auch die Konfrontation zwischen den USA und China zu sehen, sie lag förmlich in der Luft.
Die Ansätze der siebziger von Willi Brandt, Egon Bahr aber auch Richard Nixons mit Wandel durch Handel sind vorerst aus geträumt.
Fassen wir zusammen: In einer Situation, wo schon ohne die Zerstörung durch Krieg zwei globale Katastrophen unsere Existenz in Frage stellen, fallen wir zurück auf den Streit zwischen Romulus und Remus bzw. den Brudermord.
Gibt es dennoch Hoffnung für den Homo Sapien?
Nun Hoffnung haben sollte man auf jeden Fall aber das bedeutet nicht, dass wir weiter in Tagträumereien verweilen können.
- Den Klimawandel können wir nur begrenzen, wenn wir mit aller Kraft unsere Energiequellen auf vernetzte regenerative Energiesysteme und entsprechende Speichertechnik umstellen bei gleichzeitigem Hochfahren des Energiesparens. Ein Tempolimit darf dabei z.B. kein Tabu Thema sein. Und außerdem sollten wir es schaffen China und Indien davon zu überzeugen uns es zumindest zeitverzögert gleichzutun. Wie schlecht es gerade darum steht kann jeder nachlesen. Aber in Canberra ist gerade eine Klima Leugner Regierung abgewählt worden.
- Die Infrastruktur muss an den Klimawandel mit Hochdruck angepasst werden.
- Den Faschismus a la Putin können wir nur durch beharrliche und ausdauernde militärische wie zivile Unterstützung der Ukraine erreichen. Ebenso müssen die Energie Embargos gegenüber russischer fossiler Energie schrittweise implementiert und durchgehalten werden. Und bei allen Kriegsaktivitäten darf die Diplomatie nicht abgeschrieben werden.
- Die Digitalisierung kann in einigen Punkten weiterhelfen, aber sie kann als Waffe eben auch ins Gegenteil verkehren.
Ist das ganze irgendwie zu finanzieren? Diese Frage kommt recht spät. Aber prinzipiell ist die Antwort: Ja. Der Kapitalismus basiert auf Schuldgeld einem fiktiven Geld, dem prinzipiell keine Grenzen gesetzt sind. Wer es nochmal genauer wissen will, kann es bei Karl Marx in seinem Werk das “Kapital” genau nachlesen. Marx wusste vielleicht nicht, wie der Kommunismus eigentlich aussehen und funktionieren sollte aber den Kapitalismus kannte er ganz genau.
Vielleicht bewahrt sich das zynische Sprichwort, der Krieg ist der Vater aller Dinge. Wir werden in Zukunft noch stärker Transformationen und Brüche erleben. Diese Transformationen sind dabei keine klaren mathematischen Operation, die von einem geordneten Zustand A nach B führen. Wir müssen experimentieren, scheitern und nachjustieren und Iterationen mit “Best Practise” Ansätze fahren. Das Abenteuer Leben beginnt genau jetzt.
Aber es gibt immer noch eine konstante im Leben: Alte weiße Männer beginnen Kriege…
Diese Tradition sollte wir weiterhin brechen, auch wenn es an Sisyphus erinnert.