Atomkraft?

Encore, non merci!

Die Atomkraft erlebt einen seltsamen Schub angeschoben durch die EU-Kommission und ich gehe mal davon aus mit freundlichem Effet der Nachbarn westlich des Rheins. Allgemein muss man feststellen, das außer Deutschland, Österreich und Portugal keine weiteren Länder kategorisch die Atomkraft ablehnen, wie ein Recherche des Handelsblatt grafisch sehr gut veranschaulicht.

Wir Deutschen und (Österreicher) sind für “Alleingänge” mit mehr als fatalen Ausgang bekannt (jedoch nicht die Portugiesen) aber diesmal, bin ich sicher, hat die Mittelachse recht.

Was ist passiert? Der Klimawandel ist in das Bewusstsein der Menschen und der Strategen geraten. Kohlendioxid ist tatsächlich nun was schlechtes und halt, wir hatten doch da eine Energiequelle bei der gar nicht so viel CO2 anfällt. Richtig das ist die Atomkraft. Diese “Kraft” spaltet Atomkerne und dabei wird nach E=mc2 halt Energie frei. Genauer gesagt benutzt man oft z.B. hoch angereichertes 235Uran Isotop, was eine seine Halbwertszeit von ganzen 703,8 Mio. Jahre hat. In natürlichem Uran finden sich die Isotope 238U (99,27 %), 235U (0,72 %) und 234U (0,0055 %). Für den Kernkraftwerks Betrieb reichert man die Kernbrennstäbe auf 2-4% 235U an. Weitere 6-8% sind aus Urandioxid oder einem Mischoxid aus Urandioxid und Plutoniumoxid. 90% des Kernbrennstabes bildet die Kernbrennstabshülle, die das Kernbrennstoff Material von dem Kühlmittel trennen soll.

Beim Zerfall des 235 Urans entstehen hoch energetische Neutronen, die wenn sie auf ein weiteres 235 Isotop treffen wieder einen Spaltvorgang auslösen und es entwickelt sich eine Kettenreaktion. Damit aber diese eben nicht entsteht, besitzen Kernkraftwerke sogenannte Moderatoren, die die Neutronen einfangen können und so zu einem “kontrollierten” Zerfall des 235U Atoms führen sollen. Es ist bekannt, dass dies nicht immer geklappt hat.

Nun zurück zum Klimawandel, dem derzeitigen Treiber des Atomstrom Revivals. Den Klimawandel will die EU mit dem Green Deal bekämpfen. Das beenden des fossilen Verbrennungszeitalters kostet allerdings richtig viel Geld . Über eine Taxonomie (darin steckt natürlich das Wort Steuern drin) sollen Investoren Gelder in Richtung Klimaschutz gelenkt werden. Wie so oft in letzer Zeit wird auch der Begriff Nachhaltigkeit bemüht. Für Frankreich mit 70% Atomstrom ist es sicherlich billiger die CO2 Neutralität zu stemmen, wenn man noch Geld aus Brüssel für die restlichen 100% bekommt aber ob das nachhaltig billiger ist, mag bezweifelt werden.

Der EU Kommission war natürlich bekannt, dass es da Einwände gäbe die Atomkraft als nachhaltig, grüne Energiequelle zu deklarieren. Schließlich spaltet dieses Isotop nicht nur Atome sondern ganze Nationen (siehe oben). Was macht man in so einer Situation? Man erstellt ein Gutachten der gemeinsamen Forschungsstelle der EU:

https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/210329-jrc-report-nuclear-energy-assessment_en.pdf

Dieses Dokument erklärt, dass Atomkraft kein CO2 erzeugt und  im “wesentlichen zur keiner Beeinträchtigung” anderer Umweltziele führt. Ich habe es nicht gelesen, denn es ist fast 400 Seiten lang und ich bin kein Atom Physiker. Doch es regt sich bei mir Widerstand, wenn ich höre, dass Kernenergie im wesentlichen kein Problem darstellt.

Fest steht, dass täglich die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield  rund zehn Millionen Liter radioaktive Abwässer in den Ärmelkanal und die Irische See pumpen, Quelle: https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/atomausstieg/wiederaufarbeitung-fakten

Das hört sich für mich eher nachhaltig schädlich an. Insgesamt bleibt neben dem Rrisiko behafteten Betrieb eines AKWs auch die Frage, wohin mit dem Atommüll, nachdem das Uran energietechnisch nicht mehr verwendet werden kann. Ein Ausweg ist die oben genannte Wiederaufbereitung aber bis dato kann nur ein Bruchteil der “abgebrannten” Brennstäbe wiederaufbereitet werden und dass eben auch nicht ohne Nebenwirkung.

Wegen der oben genannten hohen Halbwertzeit des 235 U Isotops braucht man schon ein Endlager, das eine Millionen Jahre hält und auch dann ist die Strahlung nicht gerade ungefährlich:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/forschen-das-ende-der-strahlung/1369094.html

Um diese eine Millionen Jahre mal etwas zu skalieren. Vor 2,6 Millionen Jahren sahen wir so aus:

Quelle:https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/geologie/geo-info-hessen/zeitleiste.pdf

Vielleicht wären wir auf dem Niveau auch besser geblieben.

Aber bei der Endlagerung des Atommülls soll es Fortschritte geben, das versprechen zumindest die Atomenergie Befürworter.

Das Zauberwort ist Transmutation. Das Verfahren wurde schon 1964 erdacht. Ich zitiere aus folgender Quelle:

https://www.quarks.de/technik/energie/so-koennte-man-atommuell-recyceln-transmutation/

Dieser hoch radioaktive Abfall, der nur rund 10 Prozent des gesamten Atommülls ausmacht, aber 99 Prozent seiner Radioaktivität erzeugt, ließe sich noch weiter nutzen: mit Transmutation. Bei dem Verfahren wird hochradioaktiver, langlebiger Atommüll mit sehr energiereichen, schnellen Neutronen beschossen, gespalten und in Isotope mit deutlich kürzerer Lebensdauer verwandelt. So zumindest das Grundprinzip der Transmutation, das 1964 erstmals beschrieben wurde.

Zwar lässt sich nur ein Bruchteil (1 Prozent) der Elemente aus den alten Brennstäben  mit Transmutation umwandeln, doch es sind genau die problematischen: Plutonium, Americium, Neptunium und Curium, auch als Transurane bekannt. Sie geben besonders viel radioaktive Strahlung ab, haben eine lange Lebensdauer und gehören zu den Stoffen, für die es am schwierigsten ist, ein sicheres Endlager zu finden. Vor der Transmutation müssen diese Transurane durch chemische Prozesse aus dem Brennstab herausgelöst werden.

Aber der Artikel erwähnt auch:

Von der Transmutation, also der Umwandlung langlebiger Radionuklide in weniger langlebige Nuklide, wird erwartet, das Entsorgungsproblem zumindest vereinfachen zu können“, heißt es im Abschlussbericht der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe. Dennoch hat sich die Kommission letztendlich gegen die Nutzung dieser Technologie in Deutschland ausgesprochen: Zu teuer und nicht weit genug entwickelt, waren einige der Argumente.

Und es stimmt: Zwar konnten im Labor und in kleinen Demonstrationsanlagen alle wesentlichen Schritte einer Transmutation durchgeführt werden. Doch in der Praxis steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen.

Ein weiteres Argument der Befürworter der Kernenergie ist dann, dass man kleinere und sicherere AKWs bauen könnte. Das mag vielleicht sein, obwohl folgender Artikel da auch noch Bedenken äußert:

https://www.heise.de/hintergrund/Kommentar-Warum-Atomkraft-auch-heute-nichts-mit-Nachhaltigkeit-zu-tun-hat-6316161.html

Hinzukommt, dass kleinere AKWs auch weniger Strom liefern können und daher nicht in die Hochspannungsübertragungsnetze einspeisen sondern direkt in die am Verbraucher näher gelegenen Verteilungsnetze angesiedelt werden müssten. Ich persönlich finde weder ein großes Zentral AKW in größerer Entfernung von mir noch viele kleinere, vielleicht sicherere AKWs in meiner Nähe, sympathisch. Ich lobe da meine Balkon Solarzelle mit der ich immerhin 10% meines Strombedarfs abdecke da auf jeden Fall sympathischer als den Gedanken eine Mini AKW auf dem Balkon zu haben. Und wenn ich weniger Blogs schreiben würde, reichte es sicherlich auch für 11%.

Fazit

Wir werden sicherlich noch lange, wirklich lange von einer strahlenden französisch, belgischen Zukunft umgeben sein:

https://www.einblicke.de/magazine/einblicke-4/bure/#top

In dem Sinne hat die EU Kommission recht, also unsere Ursula, Kernenergie ist nachhaltig schädlich.

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